• 21.01.2008, 08:44:50
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Klassenkampfüber den Wolken - von Wolfgang Unterhuber

Gusenbauer muss jetzt sein Sittenbild eingehend darstellen

Wien (OTS) - Am vergangenen Wochenende war Bundeskanzler Alfred
Gusenbauer wieder voll in seinem Element. Der Berg rief, in diesem
Fall der Hahnenkamm in Kitzbühel, und Gusenbauer kam. Gekonnt stahl
er den anderen anwesenden Regierungsmitgliedern die Show. Da ein
Plauscherl mit Society-Löwen und Adabeis, dort ein Talk mit den
Grössen aus der Wirtschaft. Kaum jemand entkam der "Gusi-Show" und
man erhielt einen Vorgeschmack auf die Fussball-EM und die damit
verbundene Selbstinszenierungs-Propaganda des Kanzlers. Gusenbauer,
der grosse Kommunikator: Das kann er.

Kommunizieren wird Gusenbauer jetzt jedoch etwas anderes müssen. Denn
wie das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, haben Gusenbauer und
seine Familie für den 20. Dezember des Vorjahres privat drei Tickets
Economy Class für einen Urlaubsflug nach Südostasien gebucht. Vor dem
Abflug liess Gusenbauer die Tickets auf Business Class upgraden. Dazu
verwendete der Kanzler eine Senator-Karte, die er als Privatperson
besitzt. So weit so korrekt. Und wie wird man "Senator"? Entweder man
ist VIP und/oder fliegt laut "profil" pro Jahr 130.000 Meilen herum -
als Privatperson wohlgemerkt.

Und genau hier gibt es ein Problem: Denn VIP ist Gusenbauer nur, weil
er Kanzler bzw. vorher Parteichef wurde. Und zweitens: Wie schaffte
es Gusenbauer als SP-Chef und Kanzler pro Jahr die notwendigen
Flugmeilen als Privatflieger zu sammeln? Schliesslich sind
Spitzenpolitiker in 99 Prozent der Flug-Fälle in offizieller Mission
unterwegs.

Die Causa ist aufklärungsbedürftig. Umso mehr als die Sache an den
ehemaligen Finanzminister erinnert. Karl-Heinz Grasser flog zu
Weihnachten 2004 mit einem Economy-Ticket in der Business Class in
den Urlaub. Im Unterschied zu Gusenbauer brauchte Grasser aber keine
privat gesammelten Bonusmeilen vorlegen. Die SPÖ veranstaltete damals
ein ziemliches Theater und forderte den Rücktritt Grassers.

So unterschiedlich im Detail die beiden Affären auch sind: Was
bleibt, ist der Eindruck, dass es sich hier wieder einmal ein
Spitzenpolitiker gerichtet hat. Und dass man gegenüber dem
politischen Gegner nicht die Moral-Keule schwingen darf und dann
selbst Vergünstigungen in Anspruch nimmt, die nicht glasklar
begründbar sind.

Mit Blick auf Grasser und die alte Regierung hat Gusenbauer einmal
von einer Verlotterung der Sitten gesprochen. Jetzt muss er sein
Sittenbild der Öffentlichkeit eingehend darstellen.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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