Nach EU-Kritik an agrarischen Treibstoffen: Bayr für Einführung von Nachhaltigkeits-Zertifikaten

SPÖ-Umweltsprecherin favorisiert Biokraftstoffe der dritten Generation

Wien (SK) - "Ich trete für eine Einführung von Nachhaltigkeits-Zertifikaten für agrarische Treibstoffe ein, bei welchen neben ökologischer Nachhaltigkeit auch soziale Aspekte berücksichtigt werden müssen", erklärte SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr, am Samstag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Bayr, die es begrüßt, dass "nun auch in der EU eine Diskussion über die negativen Folgen von Biosprit geführt wird" sieht sich in ihrer Forderung nach Nachhaltigkeits-Zertifikaten auch von EU-Umweltkommissar Dimas unterstützt. Anstatt Lebensmittel wie Maiskörner zu Treibstoffen zu verarbeiten, regt sie an, Biokraftstoffe der dritten Generation zu favorisieren, die aus Abfällen der landwirtschaftlichen Produktion -also zum Beispiel aus Maisstengeln - gewonnen werden. In diesem Zusammenhang sieht sie die EU und Landwirtschaftsminister Pröll gefordert, mehr für Forschung in Alternativen zu herkömmlichen agrarischen Treibstoffen zu investieren. Bis zur Klärung der "negativen Folgen dieser Kraftstoffe" hält die SPÖ-Umweltsprecherin ein Moratorium betreffend die von der EU angestrebte Beimischung von zehn Prozent-Ziel Biosprit zum Diesel für denkbar. ****

Zu den "zahlreichen negativen Folgen von Biosprit" zählt Bayr unter anderem die "Abholzung von Regenwäldern im Amazonas und in Indonesien zur Gewinnung von Anbauflächen für Produktion von Bio-Diesel und Bio-Ethanol", wobei durch Waldbrände ungleich mehr CO2 freigesetzt als eingespart werde. Von einer neutralen CO2-Bilanz könne also, so Bayr, keine Rede sein. "Dazu kommen noch Pestizide und Düngemittel, die in der konventionellen Mais- oder Rapsproduktion verwendet werden, was die ökologische Bilanz weiter verschlechtert", ergänzt sie.

Neben diesen und zahlreichen anderen ökologischen Problemen ortet sie auch negative soziale Konsequenzen. "Das Märchen, wonach die Erzeugung von Bio-Kraftstoffen die kleinen Bauern fördern", glaubt die SPÖ-Umweltsprecherin nicht, weiß sie doch, dass "nur die großen Konzerne davon profitieren". Bayr weist außerdem auf die massiv steigenden Lebensmittelpreise als Folge verknappter Anbauflächen für Nahrungsmittelpflanzen hin, was sich 2007 in der Tortilla-Krise in Mexiko niedergeschlagen habe. "Aber auch die enorme Teuerung bei Lebensmitteln in Europa ist teilweise auf die Konkurrenz durch agrarischen Kraftstoffe zurückzuführen", ist sie sich sicher.

Neben ethischen Bedenken bei der Verarbeitung von Mais und Weizen zu agrarischen Treibstoffen warnt Bayr ferner vor einer "schleichenden Einführung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa unter dem Deckmantel 'ökologischer' Ziele". So habe es ÖVP-Obmann Molterer nicht ausgeschlossen, "den Einsatz von gentechnisch manipulierten Pflanzen zur Produktion von Bio-Kraftstoffen zu überlegen". Bayr fordert daher Molterer wie Pröll auf, klarzustellen, dass "Gentechnik nicht durch die Hintertür auf Österreichs Felder gelangt". (Schluss) re

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