- 18.01.2008, 13:43:28
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Kirchen und Religionsgemeinschaften fordern Blickwechsel in Integrationspolitik
Forderungspapier zur Integration von Zuwanderern - Faire und gerechte Chancen für In- und AusländerInnen - Dialog statt Angst
Wien (epdÖ) - Zugang zum Arbeitsmarkt, politische Partizipation
und Zugang zur Staatsbürgerschaft für Migrantinnen und Migranten sind
Forderungen eines Papiers mit dem Titel "Herausforderung Integration
- Überlegungen und Forderungen aus Sicht der Kirchen und
Religionsgemeinschaften", das Vertreter österreichischer Kirchen und
Religionsgemeinschaften am 18. Februar in Wien vor Journalisten
präsentierten.
Von der Notwendigkeit einer "fairen und gerechten Chance für In- und
AusländerInnen" sprach der lutherische Bischof Dr. Michael Bünker,
der andererseits auch die Feststellung des Papiers hervorhob,
MigrantInnen seien "gehalten, die Universalität der Menschenrechte
und die demokratische Verfassung als Grundlage des Zusammenlebens
anzuerkennen". Bünker betonte, beim Thema Integration gehe es "um
deutlich mehr als um den Sicherheitsaspekt, der heute dominiert".
Eine Gesellschaft sei erst dann vollständig, wenn aus AusländerInnen
gleichberechtigte BürgerInnen geworden seien. Der Bischof forderte
eine umfassende Kampagne der Regierungsverantwortlichen über die
Chancen, die Integration für die österreichische Gesellschaft bietet.
Bünker verwies in diesem Zusammenhang auf den Schlussabsatz des
Papiers, in dem es heißt: "An die politischen Parteien appellieren
wir, die Diskussion so zu führen, dass zu jedem Augenblick klar
bleibt: Es geht um Menschen. Und wir sind überzeugt: Wer Österreich
liebt, spaltet es nicht."
Landau: "Österreich ist ein Zuwanderungsland"
"Österreich war und ist ein Zuwanderungsland", hielt Caritasdirektor
DDr. Michael Landau bei der Vorstellung des Papiers fest. Es gehe um
einen "Blickwechsel in der integrationspolitischen Debatte: Weg vom
Schüren der Ängste und hin zu einem lösungsorientierten Dialog, der
Chancen wie auch Probleme benennt." Im Blick auf die jüngst im Grazer
Wahlkampf gefallenen Äußerungen über den Islam erklärte der
Caritasdirektor: "Wer Österreich liebt, stellt unser Land nicht
öffentlich und international bloß. Wir fordern Respekt vor dem, was
anderen heilig ist."
Der griechisch-orthodoxe Metropolit Dr. Michael Staikos verwies auf
die Tatsache, dass die Vertreter von Christentum, Judentum und Islam
zusammen das Forderungspapier erstellt haben und hob hervor,
religiöses Bewusstsein bilde die Identität eines Menschen. Fremde
sollten sich der österreichischen Gesellschaft nicht anpassen müssen,
sondern sich integrieren können. Dabei könne es nicht um eine
Vermischung von Kulturen gehen, sondern um eine Ergänzung. Dazu
sollte der Staat seinen Beitrag leisten. "In der Vergangenheit dieses
Landes war das möglich", sagte Staikos, "ich bin überzeugt, dass es
auch heute möglich ist."
"Wir sind uns einig wie selten", betonte auch der Präsident der
Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Ariel Muzicant. Es gehe um Respekt
vor dem Glauben des Anderen. Über diesen könne man kein Urteil
abgeben, wie es kürzlich in Graz geschehen sei. Beim Umgang mit
MigrantInnen sei es entscheidend, den Menschen ihre Würde
zurückzugeben. "Sie machen sich kein Bild, was ein Migrant
durchmacht", sagte der Präsident zu den Journalisten.
Muzicant betonte die Chancen der Integration im Rahmen der
europäischen Wirtschaft und appellierte an die Regierung, diese
Chancen zu nutzen. "Unser wirtschaftlicher Reichtum wird heute in
Osteuropa verdient", unterstrich der Präsident, der selbst
Wirtschaftstreibender ist.
Schakfeh: Familie ist gemeinsamer Wert
Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Prof. Anas
Schakfeh erklärte: "Dass wir ein gemeinsames Papier präsentieren, ist
an sich eine Botschaft." Schakfeh hob die "sehr gute Atmosphäre" des
Gesprächs zwischen dem Islam und der österreichischen Gesellschaft
insgesamt hervor und sagte, Angriffe darauf müssten abgewehrt werden.
Schakfeh: "Wir haben verschiedene Glaubenswahrheiten, aber wir haben
gemeinsame Werte." In diesem Zusammenhang nannte der Präsident die
Familie und bezeichnete sie als "zentrale Einheit in unserer
Gesellschaft". Integration sei notwendigerweise von Problemen
begleitet, die zu lösen seien: "In Österreich haben wir kleine
Probleme."
Zu den Angriffen auf den Islam in Graz erklärte Schakfeh, die
Solidarität der österreichischen Gesellschaft mit den Muslimen sei
"zufriedenstellend". Die konsequente Haltung der politischen und
kirchlichen Verantwortlichen im Staat habe bereits Wirkung gezeigt.
Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
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