Evangelische Reaktionen auf Islam-Hetze der FPÖ

Bünker: Unerträglicher Missbrauch von Religion für Stimmenfang - Hennefeld: Verbalexzessen Einhalt gebieten - Miklas: Schlag unter die Gürtellinie

Wien/Graz (epdÖ) - Entsetzt und empört haben Repräsentanten der evangelischen Kirchen auf die Islam-feindlichen Parolen beim FPÖ-Neujahrstreffen in Graz reagiert. "Das ist verantwortungslos", so der neue evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker im Gespräch mit epd Ö, weil "das gute Klima zwischen den Religionen in Österreich damit gefährdet wird und Menschen gegeneinander aufgehetzt werden." Die Kirchen und Religionsgesellschaften setzten sich, wie Bünker betont, gemeinsam dafür ein, dass Religion nicht als Problem, sondern als positiver Beitrag zum Zusammenleben verstanden werde. Bünker: "Es ist für uns ganz unerträglich, dass Religion in ihren zentralen Glaubensaussagen von Politikern für Wahlkämpfe und Stimmenfang missbraucht wird." Das sei nicht neu bei der FPÖ, aber eine inakzeptable Steigerung, "die man nicht für möglich gehalten hätte". Im Hintergrund stehe auch eine "unselige Deportationslogik, die an schreckliche Ereignisse der Vergangenheit im 20. Jahrhundert" erinnere.

Sprache des Hasses

"Hetzerisch und unappetitlich" sind die jüngsten Islam-Attacken der Spitzenkandidatin der FPÖ für die Grazer Gemeinderatswahl, Susanne Winter, für den reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld. Die Sprache Winters sei "eine Sprache des Hasses und des Krieges". Angesichts solcher haarsträubender Aussagen stelle sich die Frage, wo die Grenze des Tolerierbaren liegt. Hennefeld: "Warten wir auf den Tag, an dem eine verhetzte Volksmenge Moscheen anzündet und Jagd auf kopftuchtragende Musliminnen macht, oder muss bei aller Offenheit und Freiheit unserer Gesellschaft auch schon solchen Verbalexzessen Einhalt geboten und eine strafrechtliche Verfolgung aufgrund des Tatbestandes der Verhetzung ins Auge gefasst werden?" Derart verantwortungslose Politiker, die sich als Brandstifter betätigen, Ressentiments schüren und eine andere Religion herabwürdigen, seien mitverantwortlich, "wenn es auch in unserem Land vermehrt zu Gewalttaten kommt".
Die islamfeindlichen Aussagen, deren Dosis anscheinend immer noch erhöht werden könne, führe vor Augen, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen den Religionsgemeinschaften sei und die "Solidarität mit jenen, die zum Hassobjekt einzelner Politiker und von Teilen der Bevölkerung geworden sind", unterstreicht der Landessuperintendent.

Verletzung der Menschenwürde

Namens der Evangelischen Kirche und der Ökumene in der Steiermark hat sich Superintendent Hermann Miklas "nachdrücklich" von derartigen Aussagen distanziert. Die "Verächtlichmachung von Muslimen", indem man ihren Religionsstifter Mohammed verächtlich macht, stelle eine Verletzung der Menschenwürde dar. "Diese Aussage kommt einem Schlag unter die Gürtellinie gleich", so Miklas, der auch Vorsitzender des Ökumenischen Forums der Christlichen Kirchen der Steiermark ist. "Ich spreche hier auch im Namen aller christlichen Kirchen der Steiermark." Der Stand des interreligiösen Dialogs in der Steiermark sei "hervorragend", so fänden etwa regelmäßige Treffen statt, "noch vor drei Tagen sind wir zusammengesessen".

Gegenseitiger Respekt der Religionen "unabdingbar"

Die Dekane der Theologischen Fakultäten der Universität Wien, Prof. Martin Jäggle und Prof. James Alfred Loader, haben sich "zutiefst besorgt" geäußert, dass die Ausfälle der FPÖ-Politikerin Susanne Winter gegen den Islam "eine so große politische Bühne" erhalten. "Die gezielte Verhöhnung einer Religion trifft alle. Die Hetze gegen Muslime trifft alle", betonen die beiden Professoren in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Die gesetzliche Anerkennung des Islam in Österreich sei europäisch beispielhaft, "diese Art der Herabwürdigung widerspricht europäischen Standards", betonen die Dekane der Katholisch-theologischen und der Evangelisch-theologischen Fakultät.

"Als Verantwortliche für die theologische Forschung und Lehre unserer Fakultäten halten wir die Auseinandersetzung mit dem Islam für äußerst wichtig, wissen aber auf Grund der leidvollen konfessionellen Auseinandersetzungen im Christentum um die Notwendigkeit der Religionsfreiheit und des Religionsfriedens. Dafür ist gegenseitiger Respekt unabdingbar", schreiben die Professoren Jäggle und Loader. "Wir würden begrüßen, wenn sich in Österreich eine Kultur etabliert, in der solche Äußerungen auf allen Ebenen inakzeptabel sind."

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