• 14.01.2008, 11:14:08
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Evangelische Reaktionen auf Islam-Hetze der FPÖ

Bünker: Unerträglicher Missbrauch von Religion für Stimmenfang - Hennefeld: Verbalexzessen Einhalt gebieten - Miklas: Schlag unter die Gürtellinie

Wien/Graz (epdÖ) - Entsetzt und empört haben Repräsentanten der
evangelischen Kirchen auf die Islam-feindlichen Parolen beim
FPÖ-Neujahrstreffen in Graz reagiert. "Das ist verantwortungslos", so
der neue evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker im Gespräch
mit epd Ö, weil "das gute Klima zwischen den Religionen in Österreich
damit gefährdet wird und Menschen gegeneinander aufgehetzt werden."
Die Kirchen und Religionsgesellschaften setzten sich, wie Bünker
betont, gemeinsam dafür ein, dass Religion nicht als Problem, sondern
als positiver Beitrag zum Zusammenleben verstanden werde. Bünker: "Es
ist für uns ganz unerträglich, dass Religion in ihren zentralen
Glaubensaussagen von Politikern für Wahlkämpfe und Stimmenfang
missbraucht wird." Das sei nicht neu bei der FPÖ, aber eine
inakzeptable Steigerung, "die man nicht für möglich gehalten hätte".
Im Hintergrund stehe auch eine "unselige Deportationslogik, die an
schreckliche Ereignisse der Vergangenheit im 20. Jahrhundert"
erinnere.

Sprache des Hasses

"Hetzerisch und unappetitlich" sind die jüngsten Islam-Attacken der
Spitzenkandidatin der FPÖ für die Grazer Gemeinderatswahl, Susanne
Winter, für den reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld.
Die Sprache Winters sei "eine Sprache des Hasses und des Krieges".
Angesichts solcher haarsträubender Aussagen stelle sich die Frage, wo
die Grenze des Tolerierbaren liegt. Hennefeld: "Warten wir auf den
Tag, an dem eine verhetzte Volksmenge Moscheen anzündet und Jagd auf
kopftuchtragende Musliminnen macht, oder muss bei aller Offenheit und
Freiheit unserer Gesellschaft auch schon solchen Verbalexzessen
Einhalt geboten und eine strafrechtliche Verfolgung aufgrund des
Tatbestandes der Verhetzung ins Auge gefasst werden?" Derart
verantwortungslose Politiker, die sich als Brandstifter betätigen,
Ressentiments schüren und eine andere Religion herabwürdigen, seien
mitverantwortlich, "wenn es auch in unserem Land vermehrt zu
Gewalttaten kommt".
Die islamfeindlichen Aussagen, deren Dosis anscheinend immer noch
erhöht werden könne, führe vor Augen, wie wichtig die Zusammenarbeit
zwischen den Religionsgemeinschaften sei und die "Solidarität mit
jenen, die zum Hassobjekt einzelner Politiker und von Teilen der
Bevölkerung geworden sind", unterstreicht der Landessuperintendent.

Verletzung der Menschenwürde

Namens der Evangelischen Kirche und der Ökumene in der Steiermark hat
sich Superintendent Hermann Miklas "nachdrücklich" von derartigen
Aussagen distanziert. Die "Verächtlichmachung von Muslimen", indem
man ihren Religionsstifter Mohammed verächtlich macht, stelle eine
Verletzung der Menschenwürde dar. "Diese Aussage kommt einem Schlag
unter die Gürtellinie gleich", so Miklas, der auch Vorsitzender des
Ökumenischen Forums der Christlichen Kirchen der Steiermark ist. "Ich
spreche hier auch im Namen aller christlichen Kirchen der
Steiermark." Der Stand des interreligiösen Dialogs in der Steiermark
sei "hervorragend", so fänden etwa regelmäßige Treffen statt, "noch
vor drei Tagen sind wir zusammengesessen".

Gegenseitiger Respekt der Religionen "unabdingbar"

Die Dekane der Theologischen Fakultäten der Universität Wien, Prof.
Martin Jäggle und Prof. James Alfred Loader, haben sich "zutiefst
besorgt" geäußert, dass die Ausfälle der FPÖ-Politikerin Susanne
Winter gegen den Islam "eine so große politische Bühne" erhalten.
"Die gezielte Verhöhnung einer Religion trifft alle. Die Hetze gegen
Muslime trifft alle", betonen die beiden Professoren in einer
gemeinsamen Stellungnahme.

Die gesetzliche Anerkennung des Islam in Österreich sei europäisch
beispielhaft, "diese Art der Herabwürdigung widerspricht europäischen
Standards", betonen die Dekane der Katholisch-theologischen und der
Evangelisch-theologischen Fakultät.

"Als Verantwortliche für die theologische Forschung und Lehre unserer
Fakultäten halten wir die Auseinandersetzung mit dem Islam für
äußerst wichtig, wissen aber auf Grund der leidvollen konfessionellen
Auseinandersetzungen im Christentum um die Notwendigkeit der
Religionsfreiheit und des Religionsfriedens. Dafür ist gegenseitiger
Respekt unabdingbar", schreiben die Professoren Jäggle und Loader.
"Wir würden begrüßen, wenn sich in Österreich eine Kultur etabliert,
in der solche Äußerungen auf allen Ebenen inakzeptabel sind."

Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at

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