- 13.01.2008, 17:00:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Österreich - ein internationaler Grossinvestor - von Herbert Geyer
Beim Fressen müssen Kleine nicht immer nur die Opferrolle spielen
Wien (OTS) - Österreich ist ein kleines Land ohne grosse
Unternehmen, ohne grosses Kapital - es ist nur eine Frage der Zeit,
bis grosse ausländische Investoren auch das letzte interessante
österreichische Unternehmen aufgekauft haben. Dieses Wehklagen geht
durch das Land - erst recht, wenn gerade wieder einmal eines der
österreichischen Juwelen einen ausländischen Käufer gefunden hat.
Ein kleiner Trost mag sein, dass ähnliche Ängste in wiederkehrenden
Wellen auch wirtschaftliche Grossmächte plagen: Auch in den USA oder
in Deutschland ging in den vergangenen Jahrzehnten zuerst die Panik
vor einem Aufkauf der jeweiligen Industrie durch die Araber, dann
durch die Japaner, jetzt durch Chinesen und Russen und durch die vor
fremden Einfluss zitternde Bevölkerung.
Es tut gut, wenn solche Ängste zuweilen durch Konfrontation mit der
Realität relativiert werden: Im Vorjahr haben österreichische
Unternehmen deutlich mehr im Ausland eingekauft als umgekehrt
Ausländer österreichische Unternehmen übernommen haben. Selbst wenn
man die als "beabsichtigt" in die Statistik der Webster University
aufgenommene Übernahme der ungarischen MOL durch die OMV aus der
Statistik heraus rechnet (weil sie mit überwältigender
Wahrscheinlichkeit auch heuer nicht stattfinden wird), haben
Österreicher im Vorjahr fast doppelt so viel im Ausland investiert
wie im Jahr davor. Und um ein Drittel mehr als Ausländer für den
Erwerb österreichscher Firmen ausgegeben haben.
Sogar gegenüber unserem übermächtig scheinenden Nachbarn Deutschland
ist die Bilanz nahezu ausgeglichen: Deutsche haben um gut 2,2
Milliarden Euro in Österreich eingekauft, Österreicher um fast zwei
Milliarden in Deutschland.
Und dass Deutschland unter den Zielländern österreichischer
Investments ganz vorne liegt, relativiert das Vorurteil, Österreicher
kämen mit ihren Investments nur in Osteuropa zum Zug. Denn dass unser
Land im Osten zu den ganz grossen Investoren zählt (praktisch überall
unter den Top drei), ist wohl auch ins Bewusstsein heimischer
Skeptiker gedrungen - und wird bereits als selbstverständlich
hingenommen.
Selbstverständlich ist freilich gar nichts - nicht, dass Österreich
in Rumänien oder Kroatien ein ganz grosser Player ist. Und erst recht
nicht, dass kleine Länder im grossen Spiel des Fressens und
Gefressen-Werdens stets die Opferrolle spielen müssen. Es ist schön,
daran wieder einmal erinnert zu werden.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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