• 09.01.2008, 16:02:00
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"KURIER"-Kommentar von Christian Böhmer: "Die falschen Täter"

Nicht verurteilte, sondern künftige Sexualverbrecher sind das Problem.

Wien (OTS) - Es klingt ja irgendwie vernünftig: Innenminister
Günther Platter will das Sexualstrafrecht verschärfen und so mögliche
Opfer schützen. Geht’s nach dem ÖVP-Politiker, werden einschlägige
Delikte später als üblich aus dem Strafregister gelöscht; Männer,
die Kinder belästigt oder missbraucht haben, könnten in einer
speziellen Datei gesammelt werden - "die Täter sollen sich
beobachtet fühlen".
Observieren und beobachten ist ein wichtiger Teil der
Polizei-Arbeit, kein Zweifel. Nur leider hat Günther Platter die
falsche Tätergruppe im Auge.
Laut klinischen Studien weisen nur fünf Prozent der verurteilten
(und therapierten) Sexualstraftäter ein hohes Rückfallrisiko auf.
Viel größer - und deshalb sicherheitspolitisch weitaus relevanter -
ist die Gruppe jener, die den Trieb bereits in sich spüren, aber noch
nicht zugeschlagen haben. Auch hier gibt es eine interessante Zahl:
Neun von zehn Sexualstraftätern sind Ersttäter, das heißt, sie
galten als brave Staatsbürger.
Folgerichtig kann die Zahl der Straftaten nur gesenkt werden,
indem man die Gruppe der potenziellen Täter beobachtet, erforscht
und ermutigt, Hilfe anzunehmen und in Therapie zu gehen. All das
wüsste Platter, hätte er die entsprechenden Statistiken "observiert".

Rückfragehinweis:
KURIER
Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
[email protected]
www.kurier.at

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