• 04.01.2008, 20:49:34
  • /
  • OTS0167 OTW0167

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Demokraten haben einen neuen Kennedy gefunden" (von Nina Koren)

Ausgabe vom 05.01.2008

Graz (OTS) - Das kleine, fade Iowa hat gezeigt, dass es für
Revolutionen gut ist: Bei den Vorwahlen hat der US-Bundesstaat die
Platzhirschen deklassiert und die Außenseiter weit nach oben gehievt.

Besonders bitter war das für Hillary Clinton. Sie, die als einstige
First Lady von allen Kandidaten am meisten Erfahrung einzubringen
hat, landete im Rennen der Demokraten auf dem schmählichen dritten
Platz. Das bedeutet für sie nicht nur einen dunklen Image-Patzer,
sondern es könnte die USA verändert haben. Denn, so weiß man seit der
Wahl in Iowa: Der Name Clinton steht nicht automatisch für das Weiße
Haus, und schwarz zu sein ist kein Grund mehr, zu verlieren.

Denn Clinton-Bezwinger Barack Obama hat gezeigt, dass er sogar in
einem überwiegend weißen, ländlichen und konservativen Bundesstaat
gegen die 60jährige Favoritin siegen kann. Iowa hat 93 Prozent weiße
und nur vier Prozent farbige Wähler. Obama ist damit national wählbar
geworden.

Dazu kommt, dass Clinton nach erstenAnalysen ihre wichtigste Klientel
an den 45-jährigen Senator aus Illinois verloren hat: die Jungen, die
Frauen und die Parteiungebundenen. Offensichtlich nahmen die Wähler
in Iowa Clinton nach 35 Jahren in der Politik nicht mehr ab, jenen
Wandel und Aufbruch zu bringen, den sich viele Amerikaner nach acht
Jahren unter Bush sehnlichst wünschen. Die Demokraten haben mit Obama
jetzt einen neuen Kennedy, gegen den Hillary Clinton - ähnlich wie
Nixon 1960 - kämpfen muss, in einem Rennen Alt gegen Jung,
Establishment gegen das Neue.

Auch bei den Republikanern siegte mit Mike Huckabee ein Unerfahrener.
Was ihn mit Barack Obama verbindet, ist, dass auch er einen
kometenhaften Aufstieg hinlegte. Bis vor wenigen Monaten war der
ehemalige Baptistenprediger vor allem dadurch bekannt, dass er
siebzig Kilo abgenommen hatte. Im religiösen Iowa punktete er nun mit
Dackelblick, Bibelfestigkeit und Sprüchen wie "Es zählt der Mensch,
nicht das Geld".

Trotzdem ist nach Iowa noch nichts entschieden. Huckabee liegt in
nationalen Umfragen immer noch hinter Rudy Giuliani, dem
Ex-Bürgermeister von New York. Hillary Clinton ihrerseits ist bekannt
dafür, dass sie Demütigungen überwinden kann - das weiß man seit den
amourösen Eskapaden ihres Mannes. In den nächsten Wochen könnte
ausgerechnet das Beispiel Bill Clintons sie retten. Auch er hat 1992,
im Jahr seiner ersten Präsidentschaftskandidatur, die Vorwahl in Iowa
verloren. Am Ende saß er dann doch noch fröhlich im Oval Office. ****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
mailto:[email protected]
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel