"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Demokraten haben einen neuen Kennedy gefunden" (von Nina Koren)

Ausgabe vom 05.01.2008

Graz (OTS) - Das kleine, fade Iowa hat gezeigt, dass es für Revolutionen gut ist: Bei den Vorwahlen hat der US-Bundesstaat die Platzhirschen deklassiert und die Außenseiter weit nach oben gehievt.

Besonders bitter war das für Hillary Clinton. Sie, die als einstige First Lady von allen Kandidaten am meisten Erfahrung einzubringen hat, landete im Rennen der Demokraten auf dem schmählichen dritten Platz. Das bedeutet für sie nicht nur einen dunklen Image-Patzer, sondern es könnte die USA verändert haben. Denn, so weiß man seit der Wahl in Iowa: Der Name Clinton steht nicht automatisch für das Weiße Haus, und schwarz zu sein ist kein Grund mehr, zu verlieren.

Denn Clinton-Bezwinger Barack Obama hat gezeigt, dass er sogar in einem überwiegend weißen, ländlichen und konservativen Bundesstaat gegen die 60jährige Favoritin siegen kann. Iowa hat 93 Prozent weiße und nur vier Prozent farbige Wähler. Obama ist damit national wählbar geworden.

Dazu kommt, dass Clinton nach erstenAnalysen ihre wichtigste Klientel an den 45-jährigen Senator aus Illinois verloren hat: die Jungen, die Frauen und die Parteiungebundenen. Offensichtlich nahmen die Wähler in Iowa Clinton nach 35 Jahren in der Politik nicht mehr ab, jenen Wandel und Aufbruch zu bringen, den sich viele Amerikaner nach acht Jahren unter Bush sehnlichst wünschen. Die Demokraten haben mit Obama jetzt einen neuen Kennedy, gegen den Hillary Clinton - ähnlich wie Nixon 1960 - kämpfen muss, in einem Rennen Alt gegen Jung, Establishment gegen das Neue.

Auch bei den Republikanern siegte mit Mike Huckabee ein Unerfahrener. Was ihn mit Barack Obama verbindet, ist, dass auch er einen kometenhaften Aufstieg hinlegte. Bis vor wenigen Monaten war der ehemalige Baptistenprediger vor allem dadurch bekannt, dass er siebzig Kilo abgenommen hatte. Im religiösen Iowa punktete er nun mit Dackelblick, Bibelfestigkeit und Sprüchen wie "Es zählt der Mensch, nicht das Geld".

Trotzdem ist nach Iowa noch nichts entschieden. Huckabee liegt in nationalen Umfragen immer noch hinter Rudy Giuliani, dem Ex-Bürgermeister von New York. Hillary Clinton ihrerseits ist bekannt dafür, dass sie Demütigungen überwinden kann - das weiß man seit den amourösen Eskapaden ihres Mannes. In den nächsten Wochen könnte ausgerechnet das Beispiel Bill Clintons sie retten. Auch er hat 1992, im Jahr seiner ersten Präsidentschaftskandidatur, die Vorwahl in Iowa verloren. Am Ende saß er dann doch noch fröhlich im Oval Office. ****

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