• 03.01.2008, 16:30:26
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Zwischen Immo-Krise und Terror-Kampf -von Wolfgang Unterhuber

Die Wirtschaftskrise nützt den Demokraten, der Terror den Republikanern

Wien (OTS) - In Wicker Park in Chicago ist die Welt noch in
Ordnung. Wer dort vor zehn Jahren ein Haus gekauft hat, kann es noch
immer um den dreifachen Preis verkaufen. Wären die USA wie Wicker
Park, wären die Präsidentenwahlen gelaufen. Nämlich für die
Republikaner. Aber für die "Grand old party" läuft es nicht so gut.
Im dramatischen Vorwahlkampf rücken derzeit Sachthemen, vor allem
wirtschaftspolitische, stark in den Vordergrund. Das ist gut für die
Demokraten. Die Mehrheit der Amerikaner glaubt nämlich, dass die
demokratischen Präsidentschaftskandidaten die wirtschaftlichen
Probleme eher in den Griff bekommen als ihre republikanischen Gegner.
Das geht aus aktuellen Umfragen von Gallup und "Washington Post"
hervor.

Das Ganze erinnert ein wenig an 1992. Da unterlag der amtierende
Präsident, der Republikaner George Bush senior, bei den Wahlen einem
gewissen Bill Clinton. Dabei sah Bush aus wie der sichere Sieger.
Hatte er doch nur kurz zuvor Saddam Hussein im ersten Irak-Krieg
besiegt. Doch die schlechte Konjunktur war es, die die Amerikaner zu
den Demokraten überlaufen liess. Als Clinton das Amt an George Bush
junior übergab, waren die USA weltpolitisch und ökonomisch in einer,
wie die Amerikaner gerne sagen, "smart position". Bush junior hat das
binnen acht Jahren alles vergeigt. Erst kürzlich überschritt die
Staatsverschuldung die magische Grenze von neun Billionen Dollar.
Allein die Kriege im Irak und Afghanistan verschlangen 1,6 Billionen.

Wer immer die Wahlen im November gewinnt, wird politisch und
ökonomisch jede Menge Reparaturarbeiten vornehmen müssen. Stehen im
Wahlkampf weiterhin Themen wie Gesundheitsreform, Steuer- und
Wirtschaftspolitik im Vordergrund, haben die Demokraten relativ gute
Chancen. Relativ deshalb, da die Republikaner grundsätzlich im
Vorteil sind. Denn seit Ronald Reagan ist der ehemals traditionell
demokratische Süden tendenziell stark republikanisch. Und für
gestandene religiöse Fundis, Neo-Konservative, Anti-Liberale und
Turbokapitalisten ist die Wahl eines demokratischen Kandidaten
schlichtweg tabu; Wirtschaftskrise hin, Irak-Desaster her. In Summe
ergibt sich also eine zynische Conclusio: Wenn die Wirtschaftskrise
voll einschlägt, dann hilft das den Demokraten. Kommt es zu einem
Terroranschlag, schlägt das Pendel - so makaber das ist - wieder voll
Richtung Republikaner aus.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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