• 03.01.2008, 10:26:27
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Ärztekammer warnt vor Liberalisierung der Krankenversicherung

Private Versicherungen bevorzugen junge und gesunde Patienten - Alte und Kranke hätten dann das Nachsehen

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer warnt ausdrücklich vor einer
Liberalisierung der Krankenversicherung in Österreich. Eine
Privatisierung der medizinischen Versorgung biete zwar bislang
ungeahnte Geschäftsfelder und Einnahmemöglichkeiten für die
Wirtschaft, führe aber neben signifikanten Mehrkosten zu einer
ungleichen Versorgung mit erschwertem Zugang zur Medizin für weniger
betuchte Patienten, betont der Vizepräsident der Ärztekammer für
Wien, Thomas Szekeres. ****

Die Ausgaben für Gesundheit in Österreich seien, auf das
Bruttoinlandsprodukt berechnet, seit vielen Jahren konstant und
beliefen sich in etwa auf 10 bis 10,3 Prozent vom BIP. Es sei daher
nicht nachvollziehbar, weshalb die Krankenkassen plötzlich finanziell
ausgehungert werden sollten.

"Die Pflichtversicherung, wie sie bei uns existiert, stellt einen
Vorteil gegenüber der weit weniger solidarischen Versicherungspflicht
dar", meint Szekeres. Zwar könnten sich bei einer Liberalisierung die
Versicherten ihr Institut aussuchen, gleiches gelte dann aber auch
für die Versicherungen, "und diese bevorzugen meist jüngere und
gesunde Kunden", so der Vizepräsident. Ältere oder kranke Personen
verblieben dann in der staatlichen Versicherung. Teure
Negativbeispiele dieser Entsolidarisierung gäbe es bereits in
Deutschland oder Holland.

Österreich hätte ein exzellentes System, "das von den Kosten her
durchaus mit anderen europäischen Staaten mithalten kann und
wesentlich günstiger ist als beispielsweise das private amerikanische
System, das Kosten von in etwa 15 Prozent vom BIP verursacht", betont
Szekeres. Es sei daher "unverständlich und nur durch ein
Informationsdefizit" zu begründen, weshalb sowohl die
Gesundheitsministerin als auch der Bundeskanzler das österreichische
System sowie die Krankenkassen durch finanzielle Unterdeckung in die
Pleite drängen und substanziell gefährden wollen.

In Zeiten hohen medizinischen Forschritts seien Einsparungen im
Gesundheitswesen bei dem Angebot an modernster Medizin für alle
Patienten, wie es derzeit in Österreich noch möglich sei, nicht
realistisch. "Wenn Spitzenpolitiker nun eine Abkehr von unserem
derzeitig exzellenten Gesundheitssystem wünschen, dann sollen sie es
klar sagen und auch aufzeigen, welche Leistungen bei welchen
Patienten in Zukunft nicht mehr erbracht werden können", so Szekeres
abschließend. (hpp)

Rückfragehinweis:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
   Dr. Hans-Peter Petutschnig
   Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
   Fax: (++43-1) 51501/1289
   mailto:hpp@aekwien.at
   http://www.aekwien.at

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