Ärztekammer warnt vor Liberalisierung der Krankenversicherung

Private Versicherungen bevorzugen junge und gesunde Patienten - Alte und Kranke hätten dann das Nachsehen

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer warnt ausdrücklich vor einer Liberalisierung der Krankenversicherung in Österreich. Eine Privatisierung der medizinischen Versorgung biete zwar bislang ungeahnte Geschäftsfelder und Einnahmemöglichkeiten für die Wirtschaft, führe aber neben signifikanten Mehrkosten zu einer ungleichen Versorgung mit erschwertem Zugang zur Medizin für weniger betuchte Patienten, betont der Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres. ****

Die Ausgaben für Gesundheit in Österreich seien, auf das Bruttoinlandsprodukt berechnet, seit vielen Jahren konstant und beliefen sich in etwa auf 10 bis 10,3 Prozent vom BIP. Es sei daher nicht nachvollziehbar, weshalb die Krankenkassen plötzlich finanziell ausgehungert werden sollten.

"Die Pflichtversicherung, wie sie bei uns existiert, stellt einen Vorteil gegenüber der weit weniger solidarischen Versicherungspflicht dar", meint Szekeres. Zwar könnten sich bei einer Liberalisierung die Versicherten ihr Institut aussuchen, gleiches gelte dann aber auch für die Versicherungen, "und diese bevorzugen meist jüngere und gesunde Kunden", so der Vizepräsident. Ältere oder kranke Personen verblieben dann in der staatlichen Versicherung. Teure Negativbeispiele dieser Entsolidarisierung gäbe es bereits in Deutschland oder Holland.

Österreich hätte ein exzellentes System, "das von den Kosten her durchaus mit anderen europäischen Staaten mithalten kann und wesentlich günstiger ist als beispielsweise das private amerikanische System, das Kosten von in etwa 15 Prozent vom BIP verursacht", betont Szekeres. Es sei daher "unverständlich und nur durch ein Informationsdefizit" zu begründen, weshalb sowohl die Gesundheitsministerin als auch der Bundeskanzler das österreichische System sowie die Krankenkassen durch finanzielle Unterdeckung in die Pleite drängen und substanziell gefährden wollen.

In Zeiten hohen medizinischen Forschritts seien Einsparungen im Gesundheitswesen bei dem Angebot an modernster Medizin für alle Patienten, wie es derzeit in Österreich noch möglich sei, nicht realistisch. "Wenn Spitzenpolitiker nun eine Abkehr von unserem derzeitig exzellenten Gesundheitssystem wünschen, dann sollen sie es klar sagen und auch aufzeigen, welche Leistungen bei welchen Patienten in Zukunft nicht mehr erbracht werden können", so Szekeres abschließend. (hpp)

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