Gedanken zum Jahreswechsel

Vorstandsbezüge in astronomischen Höhen - aber laufende Kürzung der Betriebspensionszusagen im Zuge der Pensionskassen

Wien (OTS) - In den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts haben namhafte Firmen in Österreich in großem Umfang die Verpflichtungen zur Zahlung einer Betriebszusatzpension für ihre Mitarbeiter in die Pensionskassen ausgelagert. Das ist bekanntlich eindeutig im Unternehmerinteresse unter Missachtung der Interessen der Betroffenen umgesetzt worden. Dabei haben die Dienstgeber nämlich möglichst hohe Verzinsungsvorgaben an die Pensionskassen angestrebt und die Pensionskassen haben diese versprochen, um das Geschäft zu machen. So haben sich die Dienstgeber Hunderttausende Euro an Pensionszahlungsverpflichtungen erspart - allerdings ausschließlich auf dem Rücken der Betroffenen!

Bald nach der Jahrhundertwende mussten auch die "blauäugigsten" Verfechter dieser neuen Idee erkennen, dass Rechnungszinsen von mehr als 3,5% langfristig im Durchschnitt nicht erreicht werden können und daher die wohlerworbenen Pensions-rechte der betroffenen Mitarbeiter laufend reduziert werden müssen, von einer annähernden Inflationsabgeltung ganz zu schweigen.

Eine Zinssatzherabsetzung würde aber - abgesehen von den bisher bereits angelaufenen Verlusten - sofortige Pensionskürzungen um bis zu rund 20% zur Folge haben. Da diese Variante absolut inakzeptabel ist, bleibt nur der zweite Weg: eine jährliche Pensionskürzung in kleinen Dosen wegen Nichterreichung der versprochenen Rechnungszinsen. Das führt zwar in etwa 10-15 Jahren zum gleichen Ergebnis, ist aber vielleicht etwas weniger brutal!

Der dritte und moralisch einzig richtige Weg wäre, eine Rechnungszinssenkung mit entsprechenden Nachschüssen seitens der (ehemaligen) Dienstgeber aufkommensneutral vorzunehmen. Diese Variante wird aber seitens der Dienstgeber vehement abgelehnt - Moral ist schließlich nicht gesetzlich zu erzwingen!

Wenn man nun die Veröffentlichung der aktuellen Vorstandsbezüge der österreichischen staatsnahen und privaten Großunternehmen betrachtet, fragt man sich unwillkürlich, wieso in einem Rechtsstaat wie Österreich zwar alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, manche aber so überproportional gleicher!

Am Beispiel Erste Bank:

Ein Konzern, der dem obersten Chef ein Jahressalär von nahezu 2 Mio. Euro offenbar locker zahlen kann, von den Salärs der übrigen Führungsebene und den ao. Bezügen ganz zu schweigen, wird doch die im Vergleich lächerlichen paar Hunderttausend Euro Pensionskapitalnachschuß verkraften können - und der Imagegewinn der "guten Nachrede" müsste das eigentlich wert sein, oder?

Rückfragen & Kontakt:

Günter Braun
Verein für die Leistungs- und Anwartschaftsberechtigten
von Pensionskassen im Erste Bank - Konzern

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