• 27.12.2007, 19:04:27
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Der Standard - Kommentar: "Stark, aber nicht geschätzt" von Günther Oswald

Ausgabe vom 28.12.07

Wien (OTS) - Still und heimlich ist der ÖGB im Jahr 2007 wieder zu
einem zentralen politischen Player geworden. Zu verdanken hat er das
aber weniger dem eigenen Reformprozess als der großkoalitionären
Bundesregierung. Während es unter Schwarz-Blau bzw. Schwarz-Orange
noch Bemühungen gab, die Sozialpartner zurückzudrängen, sind diese
unter Rot-Schwarz wieder unbestritten. Und nach dem Krisenjahr 2006
profitiert davon vor allem der Gewerkschaftsbund.
Fast dürfen sich ÖGB und Wirtschaftskammer wieder als
"Nebenregierung" fühlen, als die sie in früheren Jahren wahrgenommen
wurden. "Dazu kann ich noch nichts sagen. Jetzt müssen erst einmal
die Sozialpartner verhandeln." Diesen Satz bekommt man immer öfter
von Ministern zu hören. Alle wesentlichen arbeitsmarkt- und
wirtschaftspolitischen Fragen brauchen zuerst den Segen von ÖGB-Boss
Rudolf Hundstorfer und Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl.
Lediglich die Details werden von den Ministerien ausgearbeitet.
Kassenpaket, Lehrlingsförderung, Bekämpfung des Sozialbetrugs - das
sind nur einige Bereiche, wo Hundstorfer und Leitl den Kurs vorgaben.
Vergessen wir aber nicht: Der ÖGB ist nach der Bawag-Krise noch immer
schwer beschädigt. Die Imagewerte sind im Keller. Es gibt zwar wieder
einen Streikfonds, die Lohnabschlüsse sind gut, als glaubwürdige
Arbeitnehmervertretung wird der ÖGB aber noch nicht wahrgenommen. Und
in manchen Bereichen agiert er nicht zeitgemäß. Freie Dienstnehmer
werden ab 1. Jänner in die Arbeitslosenversicherung aufgenommen,
ausreichend Niederschlag finden die neuen Arbeitsrealitäten in der
Gewerkschaftsarbeit jedoch nicht. Rudolf Hundstorfer war nach der
Bawag-Affäre der richtige Mann an der Gewerkschaftsspitze. Jetzt muss
er zeigen, dass er den ÖGB auch zukunftsfit machen kann. Etwas
frischer Wind kann nicht schaden.

Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445

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