NÖ-Modellprojekt der AUVA: Lärmgeschützt im Straßenbetrieb Straßenarbeiter testeten angepassten Gehörschutz

Wien (OTS) - Der erste Schneefall bedeutet Hochsaison für die Straßenmeistereien. Ab 2007 gehen die Bediensteten des Amtes der NÖ Landesregierung bestens lärmgeschützt in den Straßenbetrieb. Mit der Aktion "Angepasster Gehörschutz" will der Unfallverhütungsdienst der AUVA Landesstelle Wien mit Vorurteilen bei Lärmarbeitern aufräumen und Firmen bei der Entscheidung zur Anschaffung unterstützen. Von Dezember 2006 bis Herbst 2007 lief ein Modellprojekt der Abteilung Straßenbetrieb des Amtes der NÖ Landesregierung in der Straßenmeisterei Allensteig, in der Brückenmeisterei Zwettl und in der Betriebswerkstätte Waidhofen an der Thaya. Der nun vorliegende Abschlussbericht zeigt eine deutliche Erhöhung der Akzeptanz und der Tragequote.

Der Start dieses Modellprojektes geht auf eine Initiative von Ing. Andreas Glattes, der Sicherheitsfachkraft der Abteilung Straßenbetrieb des Amtes der NÖ Landesregierung, zurück. Es bestanden Überlegungen zur flächendeckenden Einführung von angepasstem Gehörschutz (Otoplasten) für alle Mitarbeiter des NÖ Straßendienstes. Das Modellprojekt sollte wichtige Entscheidungshilfen sowie Einführungsstrategien liefern und Vorurteile abbauen. Mit Hilfe der Aktion konnten sich die Mitarbeiter vom Tragekomfort selbst überzeugen. Ziel war die Erhöhung der Akzeptanz und der Tragequote. Der Straßendienst verwendet außerdem Dehn-Schaumstöpseln und Kapselgehörschutz. Insgesamt nahmen 29 Mitarbeiter der Straßenmeisterei Allensteig, der Brückenmeisterei Zwettl und der Betriebswerkstätte Waidhofen an der Thaya an diesem Projekt teil.

Die AUVA übernahm die Hälfte der Kosten für den angepassten Gehörschutz der Teilnehmer und führte Befragungen in drei Wellen in einem Intervall von zwei bis drei Monaten durch. Getestet wurden die Produkte mehrerer Anbieter. Nach Erhebung der konkreten Lärmbelastung wird ein Abdruck des Gehörganges gemacht und die Passform eines Models überprüft. Der fertige Kunststoffgehörschutz sitzt exakt ohne unangenehmen Druck. Die Sprache bleibt gut verständlich.

Die Auswertung der Fragebogen ergab, dass das Einsetzen des angepassten Gehörschutzes als leicht bzw. sehr leicht sowie der Tragekomfort als gut und sehr gut empfunden wurden. In der Mehrzahl wird der Gehörschutz bis zu vier Stunden am Tag getragen. Während die Meisten die Wahrnehmung von Warnsignalen und die Sprachverständlichkeit als gut und sehr gut einstuften, gab es hier wenige negative Bewertungen. Generell stellte sich heraus, dass der Kapselgehörschutz bei Forstarbeiten und bei kurzer Arbeit im Lärmbereich favorisiert wurde. In Zukunft werden die Bediensteten angepassten Gehörschutz bei allen lärmintensiven Tätigkeiten, hauptsächlich bei Arbeiten mit Holz, für das Sandstrahlen, Schrämmen, bei Bohrarbeiten, in der Werkstatt und beim Rüttler verwenden.

Die AUVA-Aktion "Angepasster Gehörschutz" läuft seit sechs Jahren in Wien, Niederösterreich und Burgenland. Projektleiter Ing. Manfred Albich erklärt die Modalitäten: "Lärmschwerhörigkeit zählt neben Hauterkrankungen zu den häufigsten arbeitsbedingten Gesundheitsschädigungen. Wir bieten Betrieben mit Lärmarbeitsplätzen Modellprojekte an, um alle Lärmarbeiter mit einem adäquaten persönlichen Gehörschutz auszustatten. Unser Projekt soll der Geschäftsleitung als Entscheidungsgrundlage dienen. Die Hälfte der Kosten, die bei der Anpassung des Gehörschutzes der ausgewählten Projektteilnehmer entstehen, übernimmt die AUVA. Derzeit laufen weitere Modellprojekte bei den Firmen Hengl in Limberg, Elk in Schrems und Roth-Technik Austria in St. Aegyd am Neuwalde."

Angepasster Gehörschutz kostet rund 100 Euro pro Mitarbeiter, er kann rund fünf Jahre verwendet werden. Zum Vergleich: Werden pro Arbeitstag zwei Paar Dehn-Schaumstöpsel zu je 15 Cent benötigt, ergibt das pro Jahr eine Summe von rund 60 Euro. Nach rund eineinhalb Jahren kommt ein angepasster Gehörschutz somit billiger.

Die Unfallverhütungsexperten der Landesstellen Wien - Telefon (01) 33133-252 - stehen für Beratung und Lärmmessungen zur Verfügung. Herrscht am Arbeitsplatz gehörgefährdender Lärm, kann unter der Telefonnummer (01) 33 111-441 eine audiometrische Untersuchung beantragt werden. Die geltende Verordnung über Lärm und Vibrationen (VOLV) sieht vor: Ab dem Expositionsgrenzwert von 85 dB(A) müssen ein geeigneter Gehörschutz getragen werden und Untersuchungen stattfinden. Ab 80 dB(A) hat der Arbeitgeber die Pflicht, Gehörschutz zur Verfügung zu stellen und seine Arbeitnehmer über die Gefährdung durch Lärm und die richtige Benützung von Gehörschützern zu unterweisen und Untersuchungen anzubieten.

Im Internet sind folgende Merkblätter unter http://www.auva.at, Service, Publikationen zu finden:
Auszug aus den gesetzlichen Bestimmungen für Lärmbetriebe (M 019):
http://www.auva.at/media/6991.PDF bzw.
http://www.auva.at/mediaDB/125862.PDF)
Grundlagen der Lärmbekämpfung (M069):
http://www.auva.at/media/7104.PDF
Gehörschützer (M 700): http://www.auva.at/media/7483.PDF.

Lärm schädigt das Gehör. Andauernde Exposition führt zur Lärmschwerhörigkeit. Der Hörverlust beginnt im Hochtonbereich. Er tritt dann in jenen Frequenzen auf, die für die Sprachverständlichkeit maßgeblich sind, und ist irreversibel. Der Betroffene hört das Gesagte verzerrt und reagiert bei schon relativ niedrigeren Lautstärken sensibel. Parallel dazu leiden Lärmschwerhörige oft unter Schädigungen des Zentralnervensystems (Weckreaktionen, Schlafstörungen, etc.), des vegetativen Systems (Blutdruck, Blutverteilung, Herzfrequenz, Magen-Darm-Peristaltik, Stoffwechsel, Atmung, etc) und unter psychischen Problemen (Leistungs-, Konzentrationsschwächen, Reizbarkeit, Aggressivität, etc.).

Ein Ziel der AUVA ist es, auf die Gefahren so früh wie möglich aufmerksam zu machen. Daher unterstützte die AUVA-Landesstelle Wien die neue Dauerausstellung "Alltag - Eine Gebrauchsanweisung" des Technischen Museums Wien (TMW) mit zwei interaktiven "Lärmkabinen" um 72.000 Euro.

Eine halbe Million Österreicher arbeitet an einem Lärmarbeitsplatz: in Burgenland, Niederösterreich, Wien sind das mehr als 200.000 und davon rund 50.000 im Baubereich. Sie alle müssten einen Gehörschutz tragen. Hauptbetroffen sind Bau- und Straßenarbeiter, Maschinenbauer, Beschäftigte in der Metallverarbeitung, Glas- und Steinwarenerzeugung, im Möbelbau, in Sägewerken sowie an Pressluftgeräten.

Die AUVA-Landesstelle Wien finden Sie im Internet unter www.auva.at/wien

Rückfragen & Kontakt:

Gabriela Würth, GWK,
Tel.: (02242) 38300, (0676) 33 24 879
E-Mail: gabriela.wuerth.gwk@utanet.at

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