- 20.12.2007, 10:41:10
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NÖ-Modellprojekt der AUVA: Lärmgeschützt im Straßenbetrieb Straßenarbeiter testeten angepassten Gehörschutz
Wien (OTS) - Der erste Schneefall bedeutet Hochsaison für die
Straßenmeistereien. Ab 2007 gehen die Bediensteten des Amtes der NÖ
Landesregierung bestens lärmgeschützt in den Straßenbetrieb. Mit der
Aktion "Angepasster Gehörschutz" will der Unfallverhütungsdienst der
AUVA Landesstelle Wien mit Vorurteilen bei Lärmarbeitern aufräumen
und Firmen bei der Entscheidung zur Anschaffung unterstützen. Von
Dezember 2006 bis Herbst 2007 lief ein Modellprojekt der Abteilung
Straßenbetrieb des Amtes der NÖ Landesregierung in der
Straßenmeisterei Allensteig, in der Brückenmeisterei Zwettl und in
der Betriebswerkstätte Waidhofen an der Thaya. Der nun vorliegende
Abschlussbericht zeigt eine deutliche Erhöhung der Akzeptanz und der
Tragequote.
Der Start dieses Modellprojektes geht auf eine Initiative von Ing.
Andreas Glattes, der Sicherheitsfachkraft der Abteilung
Straßenbetrieb des Amtes der NÖ Landesregierung, zurück. Es bestanden
Überlegungen zur flächendeckenden Einführung von angepasstem
Gehörschutz (Otoplasten) für alle Mitarbeiter des NÖ Straßendienstes.
Das Modellprojekt sollte wichtige Entscheidungshilfen sowie
Einführungsstrategien liefern und Vorurteile abbauen. Mit Hilfe der
Aktion konnten sich die Mitarbeiter vom Tragekomfort selbst
überzeugen. Ziel war die Erhöhung der Akzeptanz und der Tragequote.
Der Straßendienst verwendet außerdem Dehn-Schaumstöpseln und
Kapselgehörschutz. Insgesamt nahmen 29 Mitarbeiter der
Straßenmeisterei Allensteig, der Brückenmeisterei Zwettl und der
Betriebswerkstätte Waidhofen an der Thaya an diesem Projekt teil.
Die AUVA übernahm die Hälfte der Kosten für den angepassten
Gehörschutz der Teilnehmer und führte Befragungen in drei Wellen in
einem Intervall von zwei bis drei Monaten durch. Getestet wurden die
Produkte mehrerer Anbieter. Nach Erhebung der konkreten Lärmbelastung
wird ein Abdruck des Gehörganges gemacht und die Passform eines
Models überprüft. Der fertige Kunststoffgehörschutz sitzt exakt ohne
unangenehmen Druck. Die Sprache bleibt gut verständlich.
Die Auswertung der Fragebogen ergab, dass das Einsetzen des
angepassten Gehörschutzes als leicht bzw. sehr leicht sowie der
Tragekomfort als gut und sehr gut empfunden wurden. In der Mehrzahl
wird der Gehörschutz bis zu vier Stunden am Tag getragen. Während die
Meisten die Wahrnehmung von Warnsignalen und die
Sprachverständlichkeit als gut und sehr gut einstuften, gab es hier
wenige negative Bewertungen. Generell stellte sich heraus, dass der
Kapselgehörschutz bei Forstarbeiten und bei kurzer Arbeit im
Lärmbereich favorisiert wurde. In Zukunft werden die Bediensteten
angepassten Gehörschutz bei allen lärmintensiven Tätigkeiten,
hauptsächlich bei Arbeiten mit Holz, für das Sandstrahlen, Schrämmen,
bei Bohrarbeiten, in der Werkstatt und beim Rüttler verwenden.
Die AUVA-Aktion "Angepasster Gehörschutz" läuft seit sechs Jahren
in Wien, Niederösterreich und Burgenland. Projektleiter Ing. Manfred
Albich erklärt die Modalitäten: "Lärmschwerhörigkeit zählt neben
Hauterkrankungen zu den häufigsten arbeitsbedingten
Gesundheitsschädigungen. Wir bieten Betrieben mit Lärmarbeitsplätzen
Modellprojekte an, um alle Lärmarbeiter mit einem adäquaten
persönlichen Gehörschutz auszustatten. Unser Projekt soll der
Geschäftsleitung als Entscheidungsgrundlage dienen. Die Hälfte der
Kosten, die bei der Anpassung des Gehörschutzes der ausgewählten
Projektteilnehmer entstehen, übernimmt die AUVA. Derzeit laufen
weitere Modellprojekte bei den Firmen Hengl in Limberg, Elk in
Schrems und Roth-Technik Austria in St. Aegyd am Neuwalde."
Angepasster Gehörschutz kostet rund 100 Euro pro Mitarbeiter, er
kann rund fünf Jahre verwendet werden. Zum Vergleich: Werden pro
Arbeitstag zwei Paar Dehn-Schaumstöpsel zu je 15 Cent benötigt,
ergibt das pro Jahr eine Summe von rund 60 Euro. Nach rund eineinhalb
Jahren kommt ein angepasster Gehörschutz somit billiger.
Die Unfallverhütungsexperten der Landesstellen Wien - Telefon (01)
33133-252 - stehen für Beratung und Lärmmessungen zur Verfügung.
Herrscht am Arbeitsplatz gehörgefährdender Lärm, kann unter der
Telefonnummer (01) 33 111-441 eine audiometrische Untersuchung
beantragt werden. Die geltende Verordnung über Lärm und Vibrationen
(VOLV) sieht vor: Ab dem Expositionsgrenzwert von 85 dB(A) müssen ein
geeigneter Gehörschutz getragen werden und Untersuchungen
stattfinden. Ab 80 dB(A) hat der Arbeitgeber die Pflicht, Gehörschutz
zur Verfügung zu stellen und seine Arbeitnehmer über die Gefährdung
durch Lärm und die richtige Benützung von Gehörschützern zu
unterweisen und Untersuchungen anzubieten.
Im Internet sind folgende Merkblätter unter http://www.auva.at,
Service, Publikationen zu finden:
Auszug aus den gesetzlichen Bestimmungen für Lärmbetriebe (M 019):
http://www.auva.at/media/6991.PDF bzw.
http://www.auva.at/mediaDB/125862.PDF)
Grundlagen der Lärmbekämpfung (M069):
http://www.auva.at/media/7104.PDF
Gehörschützer (M 700): http://www.auva.at/media/7483.PDF.
Lärm schädigt das Gehör. Andauernde Exposition führt zur
Lärmschwerhörigkeit. Der Hörverlust beginnt im Hochtonbereich. Er
tritt dann in jenen Frequenzen auf, die für die
Sprachverständlichkeit maßgeblich sind, und ist irreversibel. Der
Betroffene hört das Gesagte verzerrt und reagiert bei schon relativ
niedrigeren Lautstärken sensibel. Parallel dazu leiden
Lärmschwerhörige oft unter Schädigungen des Zentralnervensystems
(Weckreaktionen, Schlafstörungen, etc.), des vegetativen Systems
(Blutdruck, Blutverteilung, Herzfrequenz, Magen-Darm-Peristaltik,
Stoffwechsel, Atmung, etc) und unter psychischen Problemen
(Leistungs-, Konzentrationsschwächen, Reizbarkeit, Aggressivität,
etc.).
Ein Ziel der AUVA ist es, auf die Gefahren so früh wie möglich
aufmerksam zu machen. Daher unterstützte die AUVA-Landesstelle Wien
die neue Dauerausstellung "Alltag - Eine Gebrauchsanweisung" des
Technischen Museums Wien (TMW) mit zwei interaktiven "Lärmkabinen" um
72.000 Euro.
Eine halbe Million Österreicher arbeitet an einem
Lärmarbeitsplatz: in Burgenland, Niederösterreich, Wien sind das mehr
als 200.000 und davon rund 50.000 im Baubereich. Sie alle müssten
einen Gehörschutz tragen. Hauptbetroffen sind Bau- und
Straßenarbeiter, Maschinenbauer, Beschäftigte in der
Metallverarbeitung, Glas- und Steinwarenerzeugung, im Möbelbau, in
Sägewerken sowie an Pressluftgeräten.
Die AUVA-Landesstelle Wien finden Sie im Internet unter
www.auva.at/wien
Rückfragehinweis:
Gabriela Würth, GWK,
Tel.: (02242) 38300, (0676) 33 24 879
E-Mail: gabriela.wuerth.gwk@utanet.at
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