- 18.12.2007, 17:43:03
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch
Die Grünen - Wozu?
Wien (OTS) - In Jahren ohne Wahlen spielen Meinungsumfragen eine
besonders wichtige Rolle. Während die meisten Parteien aus diesen
derzeit noch keine wirklich entscheidenden Trends herauslesen können,
ist die Botschaft an die Grünen völlig klar. Ihnen wird ein
kontinuierlicher Abstieg bescheinigt - obwohl sie ja traditionell als
Umfrage-Kaiser (und Wahl-Bettler) gelten. Jetzt aber reüssieren sie
nicht einmal mehr bei den Meinungsforschern.
Was sind die Ursachen dafür? Eine ist das langsame Verblassen des
sich von der Konkurrenz positiv abhebenden professoralen Charmes an
der Spitze, während ringsum keine attraktive Alternative in Sicht
ist. Viel gravierender sind aber die inhaltlichen Defizite. Die
Grünen haben nie eine konsistente programmatische Konzeption
zustandegebracht, sondern sich meist mit der Haltung ihres betuchten
Stammpublikums aus den Szene-Beiseln begnügt: Dieses will keine
Verantwortung tragen, sondern lieber gegen alles und jedes sein - das
aber von einer moralisch erhabenen Warte aus.
Die wenigen relevanten Nischen der Grünen sind längst von anderen
Parteien besetzt worden: In der Umweltnische sind die Positionen von
VP und SP (die oft auf Kosten der Wirtschaftskompetenz gehen)
zumindest verbal nicht mehr zu überbieten. In Sachen
selbstbescheinigtes Gutmenschtum wiederum ist die halbe SPÖ so
lautstark wie die Grünen (auch wenn die mächtigere Hälfte mit
Gusenbauer und Darabos letztlich immer viel pragmatischer agiert). In
der einstigen grünen Hochburg, den Schulen, haben die Grünen mit
ihrer Gesamtschul-Fixierung viel Boden an die ÖVP verloren. Ihr
Schwenk zu einer Pro-EU-Linie hat die hochmütig wie realitätsfern
alles besser wissende Schickeria Richtung Attac&Co vertrieben. Die
neue Rolle als Propagandist des ORF zieht die Grünen mit in den
steilen Abwärtssog der Rundfunkanstalt. Und dort, wo sie die Mehrheit
errungen haben, taumeln sie wie eine KPÖ-Reinkarnation: So etwa in
der Wiener Josefstadt, wo sie eine Polemik mit der wichtigsten Pfarre
des Bezirks beginnen und dann in ihrem Bezirksblatt ausgerechnet den
einstigen Kommunistenführer Gramsci feiern.
Kurzum: Das Urproblem der Grünen ist das Fehlen einer Antwort auf
die zentralen Fragen: Wo stehen wir? Wozu gibt es uns überhaupt?
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]
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