- 14.12.2007, 21:08:39
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der gefährliche Traum von der reinen Festung Österreich" (Von Frido Hütter)
Ausgabe vom 15.12.2007
Graz (OTS) - Vor einigen Jahren hatte eine Ballerina der
Staatsoper in Frankreich eine Autopanne. Sie musste dringend nach
Hause. Der reparierte Wagen sollte vom Freund ihrer Tochter - beide
studierten in Paris - nach Wien überstellt werden. Sie würde das
Retourticket bezahlen. Man scheiterte: Der junge Mann, bulgarischer
Staatsbürger, bekam kein Visum.
Ein Weltkongress des Software-Riesen Linux blieb kürzlich ohne die
Direktoren aus Afrika: Kein Visum möglich.
Die Ausstellung Crossing Cultures in Graz musste kurzfristig abgesagt
werden: kein Visum für etliche Künstler.
Ein hochrangiger US-Wissenschaftler reiste jüngst vorzeitig ab, die
Aufenthaltsgenehmigung seiner Frau war nicht verlängert worden.
Das sind drastische, aber in keiner Weise rare Beispiele für die
stupide Fremdenpolitik Österreichs. Medial kristallisiert sie sich
derzeit am Fall von Arigona Zogaj, jener mutigen jungen Kosovarin,
die alle Mittel der Meinungsmaschine einsetzt, um samt Familie im
Land bleiben zu können. Und damit das Gegenteil erreicht: Nicht
einmal ein grüner Innenminister könnte sich dem Druck beugen, der
durch geiselhaftartige Untergrund-Videos, durch gezielte Interviews
etc. aufgebaut wurde. Arigonas Kampf ist heldenhaft und
kontraproduktiv. Zumal für klassisches Asyl in der Tat kein Grund
besteht.
Aber es geht um Zuwanderungspolitik an sich. Gut integrierbaren, oft
hoch motivierten, arbeitswilligen Menschen ein Land zu verweigern,
das heute schon nicht mehr weiß, wie es morgen die Pensionen
finanzieren soll und das auch sonst soziale und mentale Frischkuren
dringend nötig hat, ist blöde, ja gefährlich.
Die ethnische Nation ist tot. Viele Erfolgsmodelle - allen voran die
USA - sind durch einen Mix von Ethnien, Kulturen, Erfahrungen
entstanden. Eine Nation definiert sich heute über die gemeinsame
Akzeptanz von Werten, Regeln, Zielen und im günstigen Fall über
gemeinsame Erfolge. Die ethnisch auf Reinheit bedachten Massai mögen
Touristen entzücken, das hermetische Nordkorea vielleicht
Polit-Archäologen - im Konzert des real spielenden Weltorchesters
sind sie allenfalls Triangeltöne.
Unsere Politik beschränkt sich auf Warnungen vor der Russenmafia und
östlichen Einbrecherbanden. Mit wenig Erfolg übrigens. Was fehlt, ist
eine differenziert-positive Empfangsstrategie, die Willige, egal
welcher Herkunft, integriert.
Doch derzeit reduziert sich die Strategie auf zwei Sätze: Da dürfen
S' nicht durch. Und: Da könnt' ja ein jeder kommen. ****
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