"Kleine Zeitung" Kommentar: "Schmieds Schul-Debakel oder: Guter Wille allein reicht nicht" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 07.12.2007

Graz (OTS) - Das Debakel war absehbar. Man hätte nur den Gesetzesentwurf für die Erprobung der "Neuen Mittelschule" lesen müssen, um die brennende Lunte zu riechen:

Schwarz auf Weiß stand dort geschrieben, dass die regional begrenzte Implementierung der Schule für die Zehn- bis Vierzehnjährigen "kostenneutral" zu bewerkstelligen sei.

Kostenneutral: Spätestens da hätten bei den Lehrern und Eltern in den betroffenen Regionen die Alarmglocken schrillen müssen. Sie taten es nicht, weil man der Beschwichtigung der Bildungsministerin Glauben schenkte: Die Ressourcen für die Umsetzung des Schulmodells seien gesichert. Das Geld sei da. So tönte es aus Wien.

Unter dieser Prämisse ist in den Regionen, in denen die neue Schulform hätte erprobt werden sollen, abgestimmt worden. Von Beginn an war klar, dass die ehrgeizigen pädagogischen Ziele zusätzliches Personal und Geld erfordern: Das gilt vor allem für die Lehrer-Tandems, die in den Klassen gemeinsam unterrichten hätten sollen, um die schwächeren, aber auch begabteren Kinder gezielt zu fördern. Es war ein pädagogisches Ammenmärchen, anzunehmen, man könne Unterricht kostenneutral individualisieren.

Claudia Schmied hat diese Hoffnung geweckt und genährt, vermutlich nicht vorsätzlich, denn das wäre bewusste Blendung, sondern aus politischer Unbedarftheit. Guter Wille allein reicht nicht. Jetzt steht sie vor einem bildungspolitischen Trümmerhaufen.

Der Weg zum Torso ist erst am Mittwoch gesetzlich geebnet worden. Von der ursprünglichen Idee war nur noch ein substanzloses Etwas übrig geblieben. Diese Vision führte im Kern zur Grundsatzfrage, ob durch ein Zusammenbleiben der Kinder nach der Volksschule der Leistungsplafond möglichst vieler gehoben werden kann, oder ob die Zusammenführung zu einem Absinken des Niveaus führt.

Selbst wenn die Modellschulen doch umgesetzt und der rustikale Urschrei des steirischen Landeshauptmannes in Wien mit Schaudern erhört werden sollte, wird sich diese Schlüsselfrage nicht klären lassen.

Eine profunde Auswertung wird verunmöglicht, weil die Neue Mittelschule nicht den Jahrgang aller Zehnjährigen in einer Region umfasst. Sie ist keine gemeinsame Schule, sondern neben der Hauptschule und AHS-Unterstufe, die es im Umfeld weiter geben muss, ein drittes Bildungsangebot. Es wird von Geburt an ausgehungert wie die anderen beiden. Das ist gerechte österreichische Bildungspolitik. Nichts entsteht. Alles bleibt, wie es ist. ****

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