Heilmittelkosten: Ärzte fordern Heilmittelberatung als Kassenleistung

Wawrowsky: "Eindämmung der Heilmittelkosten und höhere Arzneimittelsicherheit nur durch vermehrten Ärzteeinsatz möglich"

Wien (OTS) - Als "ambitioniertes Ziel" hat der Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte und ÖÄK-Vizepräsident, Günther Wawrowsky, die von den Regierungsparteien angestrebte Eindämmung der Heilmittelkostensteigerung auf durchschnittlich maximal vier Prozent in den nächsten Jahren bewertet. Angesichts der enormen Kostenentwicklung im Bereich innovativer Medikamente werde ohne eindeutige ministerielle Rabattvorgabe an die Industrie "ein vermehrter Ärzteeinsatz" erforderlich, um die Zielvorgabe zu erreichen, kommentierte Wawrowsky einen entsprechenden Entschließungsantrag in dieser Woche. In einer Aussendung am Donnerstag fordert der Bundeskurienobmann, die ärztliche Heilmittelberatung sollte im Leistungskatalog der jeweiligen Gebietskrankenkasse zu finden sein und neben der Beratung über Heilmittel auch die Information über andere, begleitende oder zusätzliche Maßnahmen wie Lebensstilberatung umfassen.

Wawrowsky: "Alle Kassen sollten erkennen, dass der sinnvolle und maßvolle Einsatz moderner Heilmittel oder deren Alternativen nur über die persönliche Beratung des Arztes erreicht werden kann. Dies gilt auch für die Prüfung von Medikamentenunverträglichkeit und Wechselwirkungen, die ausschließlich in den Ordinationen zu erfolgen hat. Nur der Arzt kann auf Grund der genauen Kenntnis und ganzheitlichen Zusammenschau der Lebensumstände eines Patienten entscheiden, welche Heilmittel in Frage kommen."

Die Heilmittelberatung dürfe aus ethischen Gründen keinesfalls an das Erreichen bestimmter ökonomischer Zielvorgaben geknüpft werden, betonte Wawrowsky. "Aber es ist klar, dass es ohne eine Fülle von Informationen an den Patienten und gezielte, engagierte Aufklärung durch den Arzt nicht geht. Die vergleichsweise niedrigen Steigerungsraten, die wir einige Zeit beobachtet haben, waren nur durch strengste Bewilligungsauflagen und teilweise auch Medikamentenverweigerung durch die Kassen erkauft. Besser wäre ein Anreizsystem, das auch Patienten einbezieht, die sich dem Spargedanken nicht verschließen", regte Wawrowsky an.

Der Obmann der Niedergelassenen Ärzte erinnerte daran, dass die Ausgaben der Kassen für Heilmittel die Ausgaben für ärztliche Leistungen bereits seit langem übertreffen. Angesichts der Tatsache, dass die Ärzte bereits jetzt zahlreiche Leistungen im Zusammenhang mit Bewilligungsvorgängen, Qualitätssicherung und Hygiene- oder Medizinprodukteauflagen unentgeltlich erbringen und ihnen daraus noch Kosten erwachsen, "ist die Grenze der Zumutbarkeit weiterer Gratisarbeit längst erreicht", erklärte Wawrowsky abschließend.

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