Pressekonferenz Homophobie und antihomosexuelle Gewalt in Österreich

Wien (OTS) - Utl.: Anerkannte Persönlichkeiten aus Politik und Wissenschaft setzen sich gegen Gewalt an Lesben, Schwulen, Bisexuellen und ihren Angehörigen ein. Anlass ist die Kampagne STOPPT HOMOPHOBIE! der Beratungsstelle COURAGE, der einzigen österreichischen Familienberatungsstelle für gleichgeschlechtliche und transGender Lebensweisen.

Die innenpolitische Debatte über die "Homo-Ehe", ausgelöst durch die Ergebnisse der ÖVP-Perspektivengruppe und dem Gesetzesentwurf von Justizministerin Maria Berger, zeigt die Allgegenwärtigkeit von Homophobie in Österreich. Aussagen von PolitikerInnen wie "wir halten eine Zeremonie nicht für notwendig, sondern sehen das eher als schlichten Verwaltungsakt" zeigen die Angst vor homosexuellen Menschen und ihren Lebensweisen. "Jede nicht-heterosexuelle Form von Identität und Verhalten wird in Österreich noch immer massiv entwertet und stigmatisiert", so Johannes Wahala, Leiter der Beratungsstelle COURAGE. Die erschreckende Bilanz der Beratungserfahrungen zeigt, dass viele Lesben, Schwule und ihre Familien heute noch immer einem hohen Maß an Homophobie und antihomosexueller Gewalt ausgesetzt sind. Um Diskriminierungen und Gewalt sichtbar zu machen, aber auch Opfern so rasch als möglich Hilfe anzubieten, startet COURAGE die Internetkampagne STOPPT HOMOPHOBIE!: www.homophobie.at.

Anlässlich der "16 Tage gegen Gewalt" laden die Österreichische Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGS) und die Beratungsstelle COURAGE zur Pressekonferenz STOPPT HOMOPHOBIE! ein: Mittwoch, 05. Dezember 2007, um 10.00 Uhr im Café Prückel (1010 Wien, Stubenring 24). Unter dem Motto "Gewalt geht uns alle an!" wird die Kampagne STOPPT HOMOPHOBIE! den Medien und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Kampagne hat drei wesentliche Schwerpunkte: Aufklärung, Dokumentation, Hilfe. "Rechts-konservative Kreise machen - oft sehr subtil - Homophobie salonfähig und schüren damit antihomosexuelle Gewalt, die oft gar nicht mehr als Gewalt wahrgenommen wird.", so Wahala.

Neben dem ehemaligen Pfarrer und heutigen Psychotherapeuten Johannes Wahala und Christine Swarowsky von der Beratungsstelle COURAGE werden der Kinder- und Jugendpsychiater Ernst Berger, die Nationalratsabgeordnete Ulrike Lunacek (angefragt), der Menschenrechtsexperte Manfred Nowak und die Leiterin des Instituts für eine offene Gesellschaft Heide Schmidt an der Pressekonferenz teilnehmen.

Homophobie hat viele Gesichter! Sie zeigt sich in entwertenden Lesben-/Schwulen-"Witzen", in unhaltbaren Vorurteilen und Zerrbildern, die oft nichts mit der Lebensrealität von Lesben und Schwulen zu tun haben, in verbalen Beschimpfungen, in offenen Ausgrenzungen - so gibt es in Österreich für Homosexuelle noch immer kein Partnerschaftsgesetz -, in Mobbing am Arbeitsplatz bis hin zu Drohungen und offener körperlicher Gewalt. "Derartige Diskriminierungen hinterlassen bei gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen nicht selten Gefühle der Schuld und Scham. Aufgrund der immer noch fehlenden sozialen Unterstützung und gesellschaftlichen Anerkennung fühlen sich viele mit ihren Erfahrungen alleine gelassen-Das führt oft zu massiven Selbstwertkrisen, Einsamkeit und Isolation.", so die Pädagogin Christine Swarowsky. "Das ist der Hauptgrund, warum die Selbstmordversuchsrate bei Homosexuellen in Österreich etwa siebenmal höher ist als bei Heterosexuellen.", ergänzt Wahala.

COURAGE hat in den letzten 7 Jahren rund 6.500 homosexuelle und transsexuelle Jugendliche / Frauen / Männer, darunter auch zahlreiche Eltern und Angehörige, die an - oft massiven - psychischen Problemen in Folge von antihomosexueller Gewalt leiden, beraten und begleitet. Die Kampagne STOPPT HOMOPHOBIE! ist von einem unterstützendem Personenkomitee getragen, dem u.a. neben den TeilnehmerInnen der Pressekonferenz Männerminister Erwin Buchinger, Frauenministerin Doris Bures, die Wiener Stadträtin für Frauen und Integration Sandra Frauenberger, Schauspieler Karl Merkatz, die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die Sexualtherapeutin Gerti Senger sowie Angela Schwarz und Mag. Wolfgang Wilhelm von der Wiener Antidiskriminierungsstelle angehören.

Ziel der Kampagne STOPPT HOMOPHOBIE! ist neben Information und Aufklärung, von Gewalt Betroffenen die Möglichkeit zu geben, ihre Gewalterfahrungen zu dokumentieren und sichtbar zu machen. "Dies ist für Opfer von Gewalt der erste Schritt, wieder die aktive Rolle ihrer Lebensgestaltung einnehmen zu können", erläutert die Psychotherapeutin Swarowsky. Die Hintergründe der Homophobie sollen so analysiert und transparent gemacht werden. Ziel ist die Erstellung eines jährlichen Homophobie-Reports in Österreich. "Je offener wir über Gewalt reden, desto sichtbarer wird sie und nur so kann sie bezwungen werden.", erklärt Wahala die gesellschaftspolitische Relevanz der Kampagne.

Die ÖGS und die COURAGE laden die MedienvertreterInnen und alle Interessierten herzlich zur Pressekonferenz ein.

Rückfragen & Kontakt:

DSA Elisabeth Cinatl
Tel.: 01/585 69 66
www.courage-beratung.at

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