- 29.11.2007, 17:13:16
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: So also sieht Transparenz im Hause Meinl aus - von Angelika Kramer
Julius Meinl V. und seine Männer meiden weiterhin die Öffentlichkeit
Wien (OTS) - Es waren alle gespannt, wie wohl Transparenz im Hause
Meinl aussehen würde. Diese Transparenz, die nach dem Ausbruch der
Krise von Meinl European Land (MEL) vom damaligen Sprecher so
vollmundig versprochen wurde.
Einige Wochen zogen ins Land und wir wissen nun, dass Transparenz
reine Definitionssache ist. Denn das, was landläufig unter
transparent verstanden wird, hat mit der Meinlschen Vorstellung
herzlich wenig zu tun. Durchsichtig, offen und eine aktive
Kommunikation sind normalerweise die Eigenschaften, die ein
transparentes Unternehmen an den Tag legt.
Was aber ist durchsichtig und offen bei Meinl und der MEL? Zwar
bekommt man jetzt praktisch täglich den Sprecher von Meinl - übrigens
schon den zweiten seit dem MEL-Ausbruch - zu hören bzw. gestern sogar
in einer Pressekonferenz zu sehen. Aber was bei Meinl abläuft oder
abgelaufen ist, weiss nach wie vor niemand. Stattdessen schmeisst die
Traditionsbank mit Anschuldigungen und Klagsdrohungen um sich, um von
den eigenen Fehlern abzulenken. Schuld an der Misere ist die
Finanzmarktaufsicht (FMA) im Gespann mit der Republik, die Wiener
Börse, die Wertpapiervermittler, die doofen Anleger, die des Lesens
nicht mächtig sind, und, nicht zu vergessen: Die
Medien. Fehlt gerade noch, dass auch dem Wetter sein Part an dem
Debakel zugewiesen wird.
Aus Sicht von Meinl ist jedenfalls klar: Die Manager des Hauses haben
- auch wenn die FMA anderer Meinung ist - mit all dem nichts zu tun.
Deshalb bekommt man auch keinen der Herren, denen jetzt ein
Strafbescheid zugestellt wurde, zu Gesicht. Wo sind Julius Meinl V.
und seine Männer? Sie ziehen es vor, das Licht zu meiden. Sie sind
entweder verreist oder unpässlich, jedenfalls aber nicht zu einer
Stellungnahme bereit. Soviel zur neuen Transparenz.
Auch der gestrigen Pressekonferenz blieb Julius Meinl fern und
schickte stattdessen seinen Rechtsvertreter Christian Hausmaninger.
Wiederum ein deutliches Signal in Richtung mehr Offenheit der Bank.
Statt endlich einmal die Karten auf den Tisch zu legen, wurden dort
reihum alle anderen beschuldigt. Auch der Zeitpunkt der
Pressekonferenz war ganz im Sinne der Transparenz gewählt: Ein Tag,
bevor das Magazin "Format" die Öffentlichkeit über die neuen
FMA-Strafbescheide informieren wollte.
Wir wissen also jetzt, wie die neue Transparenz im Hause Meinl
aussieht, und das stimmt nicht gerade zuversichtlich für die drei
Meinl-Wertpapiere und deren bemitleidenswerte Besitzer.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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