• 21.11.2007, 16:00:00
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"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz: "Der Terror und die Verantwortung"

Angst-Szenarien zwingen Politik und Medien zu einer heiklen Gratwanderung.

Wien (OTS) - Der Innenminister findet angesichts des jüngsten
Videos mit Drohungen gegen die österreichische Regierung stramme
Worte: "Die Bundesregierung darf jetzt nicht in die Knie gehen",
sonst würde weiteren Drohungen "Tür und Tor geöffnet".
Sein Sprecher verwahrt sich gegen die Bezeichnung "Droh-Video". Er
nennt den krausen Film mit einstürzenden Twin-Towers und der
Forderung nach dem Abzug von Soldaten aus Afghanistan und der
Freilassung von Terrorverdächtigen "bewusst Videobotschaft".
Und die rote Justizministerin beschwert sich, dass ihr Ministerium
vom schwarzen Innenminister über das Video, wie immer es jetzt heißt,
viel zu spät informiert worden ist. Sie ist verstimmt. Das ist für
Günther Platter "nicht nachvollziehbar": Staatsanwaltschaft,
Bundespräsident, Kanzler und Vizekanzler seien sofort informiert
worden.
Schön, dass eine Sache wie diese sofort auf österreichisches
Niveau heruntergebrochen wird.
Der politische und mediale Umgang mit Terror und Terrordrohungen
ist überhaupt eine der Kernfragen in Zeiten, in denen der
islamistische Terror gegen "Ungläubige" zum Bedrohungsszenario
Nummer eins geworden ist.
Das Wort Terror stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Angst,
Schrecken bzw. Angst und Schrecken verbreitendes Geschehen. Der
Erfolg des Terroristen ist nicht der Anschlag selbst, sondern die
Angst, die sich daraus für die Zukunft ableitet: Es kann überall und
immer wieder passieren. Und es passiert auch.
In einer idealen Welt würde über Anschläge und Drohungen medial
nicht berichtet und politisch nicht debattiert, weil das wiederholte
Abspulen von Anschlags-Bildern und die aufgeregte Diskussion über
Bedrohungen genau den Zweck ihrer Urheber erfüllt - Angst.
Aber das ist Unfug. Medien bedienen ja nicht nur die
Sensationslust ihres Publikums (Schaulust und Angst sind eine
bekannte Symbiose), sondern liefern gefragte und notwendige
Information. Auch die Politik würde anders, manchmal sogar
sachlicher agieren, stünde sie nicht unter Beobachtung der Zeitungen
- aber Politik ohne mediale Kontrolle, kann sich das wer
vorstellen?
Information über Terror hat ja auch den Zweck, die Wachsamkeit zu
schärfen, die Zusammenhänge zu verstehen, die Augen dafür zu
öffnen, dass wir nicht ausschließlich auf einer Blumenwiese leben.
Die Selbstkontrolle der Medien liegt im Grad der Aufgeregtheit. Die
Aufgabe der Sicherheitspolitik und der Behörden liegt in der
schnellen (und zugegeben schwierigen) Bewertung der möglichen Gefahr.
Das ist eine heikle Gratwanderung und eine enorme Verantwortung,
will man den Terroristen nicht in die Hände spielen.
Wer öffentlich darüber streitet, wer wen informiert oder nicht
informiert hat, der hat diese Verantwortung schon an der
Ministeriums-Garderobe abgegeben.

Rückfragehinweis:
KURIER
Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
[email protected]
www.kurier.at

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