• 20.11.2007, 11:07:00
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Allianz: EU auf bestem Weg zur Erreichung der Lissabon-Ziele

München (OTS) - Bislang trotzt die europäische Wirtschaft den
Belastungen der Subprime-Krise und bleibt auf dem Weg, die
ehrgeizigen Ziele der Lissabon-Strategie bis 2010 zu erreichen oder
gar zu übertreffen. Das zeigt das Herbst 2007-Update des europäischen
Wachstums- und Beschäftigungsmonitors, eines wichtigen gemeinsam
durch den Lisbon Council und die Allianz SE veröffentlichten
Indikators der europäischen Wettbewerbsfähigkeit.

Auf der Basis eines komplexen Gesamtindikators, der die durch die
Europäische Union erzielten Fortschritte auf wichtigen
Wirtschaftsgebieten wie der Schaffung neuer Arbeitsplätze, dem
Produktivitätswachstum, zukunftsweisenden Investitionen sowie der
Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen aufzeigt, kommt die Studie zu dem
Ergebnis, dass sich die europäische Wirtschaft im Jahre 2007 dank des
jüngsten starken Wirtschaftswachstums auf dem Pfad zur Erreichung der
Lissabon-Ziele befindet. Gelingt es, diese Dynamik
aufrechtzuerhalten, werden die Lissabon-Ziele 2010 in greifbare Nähe
rücken. Bis zum Jahr 2010 hatten sich die Staats- und Regierungschefs
der EU verpflichtet, die Union zum "wettbewerbsfähigsten und
dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt" zu machen.

Insbesondere stellt das Herbst 2007-Update des europäischen
Wachstums- und Beschäftigungsmonitors fest, dass der Gesamtindikator
nach zwei weiteren Quartalen starken Wachstums einen Wert von 1,1
anzeigt - den höchsten, der bislang gemessen wurde. Ein Stand von 1,1
bedeutet, dass sich die europäische Wirtschaft etwas besser
entwickelt, als zur Erreichung der ehrgeizigen Lissabon-Ziele
notwendig wäre. Trotz dieser Entwicklung sowie der fundamentalen
Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt kommt die Studie zu dem Ergebnis,
dass Europa das in der Lissabon-Strategie vorgesehene Ziel einer
Erwerbsquote von 70% bis 2010 verfehlen dürfte.

Das bemerkenswert starke Abschneiden Europas liegt zum Teil daran,
dass der gegenwärtige europäische Produktivitätszuwachs
erstaunlicherweise fast doppelt so hoch wie der amerikanische ist.
Laut Studie dürfte zwar ein wesentlicher Teil der gesteigerten
Produktivität in Europa dem Konjunkturzyklus zu verdanken sein, doch
weist sie auch auf Strukturveränderungen hin, wie den Ausbau des
Binnenmarktes für Waren und Dienstleistungen, die fortschreitende
Finanzmarktintegration, die Restrukturierungen im Unternehmenssektor
sowie die Umsetzung von Reformen im Rahmen der Lissabon-Strategie.

Beim Wirtschaftswachstum wurde der Lissabon-Zielwert von 3% in der
ersten Hälfte 2007 erreicht. Im Zuge der günstigen gesamteuropäischen
Konjunkturentwicklung haben sich auch die Staatsfinanzen verbessert,
doch sowohl im Vergleich zu den Jahren 2000/2001 als auch im Hinblick
auf die zukünftigen demografischen Herausforderungen sollte die
Haushaltskonsolidierung stärker vorangetrieben werden.

Vor diesem Hintergrund beinhaltet das Herbst 2007-Update des
europäischen Wachstums- und Beschäftigungsmonitors einen Sonderteil
über Wachstumstreiber. Darin wird die Notwendigkeit höherer und
gezielterer Investitionen in die Infrastruktur unterstrichen. Da
indessen die Staatsverschuldung aufgrund der zunehmenden Bedürfnisse
einer alternden und auch zahlenmäßig schrumpfenden Bevölkerung
steigen dürfte, müssen inn ovative Lösungen gefunden werden, um die
Investitionslücke zu schließen. Laut Studie können sogenannte
"Public-Private Partnerships" (PPPs) - beziehungsweise
Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) - zu höheren Investitionen
im Allgemeinen und größeren Effizienzgewinnen im Besonderen führen.
In Großbritannien, das seit 1992 bereits über 800 Projekte im Rahmen
von PPP realisiert hat, lagen die Effizienzgewinne, verglichen mit
der Projektdurchführung durch die öffentliche Hand, zwischen 10 und
25%. Ähnliche Untersuchungen in Deutschland kommen zu demselben
Schluss.

Darüber hinaus fordert die Studie eine veränderte statistische
Erfassung des Bildungswesens als dringende Maßnahme im Streben nach
dem Aufbau eines wissensbasierten Wirtschaftsraums in Europa. In den
meisten Ländern wird der Löwenanteil der staatlichen Bildungsausgaben
z. Zt. als "Konsumausgaben" verbucht. Da sich Humankapital zum
wichtigsten Wachstums- und Produktivitätstreiber entwickelt, sollte
diese Definitionsabgrenzung daraufhin überprüft werden. Bei einer
Gesamthöhe der staatlichen Investitionen in das Bildungswesen von 94
Mrd. EUR im Jahr 2006 allein in Deutschland würde eine
Umklassifizierung von konsumtiven Bildungsausgaben zu investiven
Posten ein starkes Signal im Hinblick auf die Bedeutung der Bildung
von Humankapital für das Wirtschaftswachstum und für die
Beschäftigung an die Politiker senden.

Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz und Hauptautor des
Berichts: "Die Studie zeigt, dass Europa trotz der jüngsten
Turbulenzen auf dem Weg ist, die meisten zentralen Lissabon-Ziele zu
erreichen - unter der Voraussetzung, dass es gelingt, auch in
künftigen Quartalen gute Ergebnisse vorzulegen. Wir sind stark in
wichtigen Bereichen, die eine gute Grundlage für künftiges Wachstum
bilden. Von großer Bedeutung indessen ist die Fortsetzung der
Politik, die dieses feste wirtschaftliche Fundament gelegt hat. Das
heißt also, dass wir in unseren Anstrengungen keinesfalls nachlassen
dürfen; im Gegenteil, die Studie gibt ein klares und überzeugendes
Zeichen, dass die heutige Politik wirkt. Wir müssen
die Strukturreformen und Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen
fortsetzen, die uns diese Erfolge überhaupt erst beschert haben.
Außerdem sollten wir den Binnenmarkt für Waren und Dienstleistungen
stärken und vertiefen, wie es die EU-Kommission in dieser Woche
vorhat, um die Fortschritte der letzten Jahre zu konsolidieren."

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