• 15.11.2007, 20:21:30
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Einwanderung, Integration und die Interessen Österreichs" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 16.11.2007

Graz (OTS) - Der Migrationsbericht der Akademie der Wissenschaften
liegt vor. Er spricht eine klare Sprache. 17 Prozent der in
Österreich lebenden Menschen haben einen "Migrationshintergrund", das
ist einer der höchsten Werte in der EU. Ein Drittel der Zuwanderer
kommen aus EU-Ländern. Die zweitgrößte Gruppe - nach Serben und
Montenegrinern - sind Deutsche. Unsere Nachbarn haben die Türken
zahlenmäßig überrundet.

"Österreich ist zum Einwanderungsland geworden", sagt der Bericht.
"Nicht freiwillig und nicht selbstbestimmt, sondern durch die
faktische Entwicklung". Die Frage, ob wir es sein wollen, stellt sich
daher nicht. Wir müssen mit den Folgen der Zuwanderung leben lernen,
wie andere Länder auch. Noch immer wird bei uns die Diskussion so
geführt, als gäbe es andere Auswege. Sogar das Wort von der
"Säuberung" kursiert, als hätte der Begriff keine politische
Geschichte.

Mit welchen Fakten wir zurande kommen müssen, verschweigt der Bericht
nicht. Das Risiko, in Armut abzustürzen, ist in der Gruppe der
Zuwanderer doppelt so hoch wie bei Einheimischen. Unter Türken trifft
es jeden Dritten.

Auch bei der Ausbildung liegt vieles im Argen. Zwar stellt der
Bericht fest, dass mehr Kinder aus Zuwandererfamilien Schulen
besuchen als früher, doch der Schulerfolg bessert sich nicht. Zu
rasch würden Kinder in Sonderschulen abgeschoben, kritisieren die
Autoren der Studie, wenn sie aus Gründen der sprachlichen Schwäche
nicht mitkommen.

Interessante Differenzierungen macht die Studie, wenn es um
Geschlechtsunterschiede geht. Nach wie vor sind viele Mädchen aus
Zuwandererfamilien von höherer Schulbildung ausgeschlossen. In der
zweiten Generation aber überflügeln sie ihre männlichen Mitschüler
nicht selten. Ein Zeichen der Hoffnung.

Die Studie lässt offen, ob der soziale Hintergrund der
Migrantenkinder Schuld an deren Benachteiligung trägt, oder die
kulturelle Prägung der Familien. Die Autoren deuten an, dass sie
ersteres für richtig halten. "Auch die einheimischen Kinder werden
vom Schulsystem primär nach der sozialen Herkunft "sortiert'",
schreiben sie. Es gibt kein Entrinnen vor der Schuldebatte.

Was folgt aus der Studie? Zuwanderung sollte "selbstbestimmt
erfolgen, nach Kriterien, die wir definieren. Das tun andere Länder
auch. Und wir dürfen nicht so tun, als wäre Integration nur eine
Frage der Zeit. Sie kostet Geld, verlangt Phantasie und Mühen. Ein
neues Ministerium, das die Studie vorschlägt, wird nicht genügen.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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