Armut macht krank

Fachleute diskutieren auf der 9. Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich Strategien zur Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit

Wien (OTS) - Österreich hat ein exzellentes und gut ausgebautes Gesundheitssystem, trotzdem leben Personen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status ungesünder, erkranken häufiger und sterben früher.

Die sozialen Unterschiede in der Krankheitslast und der Lebenserwartung spiegeln vor allem den unterschiedlichen Lebensstil und die unterschiedlichen Lebensbedingungen (Arbeit, Wohnen) wider. Aber auch prophylaktische medizinische Leistungen (Impfungen, Gesundenuntersuchungen) werden von sozial Benachteiligten weniger in Anspruch genommen.

Besonders betroffen von der gesundheitlichen Ungleichheit sind alleinstehende Pensionist/innen, kinderreiche Haushalte, Alleinerzieher/innen, Migrant/innen und Bezieher/innen von Sozialleistungen. 1.030.000 Österreicher/innen sind laut einer Untersuchung der Statistik Austria (2006) armuts- und damit auch gesundheitsgefährdet. Auf der 9. Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) mit dem Titel "Soziale Ungleichheit und Gesundheit" werden deshalb die Ursachen analysiert und Strategien zur Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit diskutiert. Fredy Mayer, Präsident des Roten Kreuzes und FGÖ-Vizepräsident: "Die Verringerung sozialer und gesundheitlicher Ungleichheit zählt zu den vorrangigen gesundheitspolitischen Aufgaben. Für einen Erfolg ist es wichtig, dass diese Aktivitäten sich nicht auf den Gesundheitsbereich beschränken, sondern durch alle Politikbereiche ziehen." Auch der FGÖ stellt sich diesen Herausforderungen: "Bei der Projektförderung achten wir darauf, dass die Aktivitäten jene Personen erreichen, die am meisten davon profitieren: die sozial Benachteiligten." stellt Mag. Christoph Hörhan, der Leiter des FGÖ fest.

Ungünstiger Lebensstil

Bei den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Krankheiten zeigen sich deutliche statusbedingte Unterschiede. 52% der Frauen mit Pflichtschulabschluss sind übergewichtig bzw. adipös, unter Hochschulabsolventinnen sind es nur 28%. Bei den Männern ist der Unterschied geringer: 57% vs 47%. Auch bei der Bewegung in der Freizeit zeigt sich ein ähnliches Bild: Unter Pflichtschulabsolventinnen sind nur 20% einmal pro Woche körperlich aktiv, bei den Hochschulabsolventinnen sind es hingegen 30%, bei den Männer steht es 26% zu 34%. Der Anteil der Raucher ist unter Pflichtschulabsolventen mit 28% deutlich höher als unter Universitätsabsolventen (18%). Bei den Frauen zeigen sich keine Unterschiede: jeweils 17% rauchen. (bmgfj, Statistik Austria, 2007).

Höhere Krankheitslast

Auch beim Gesundheitszustand zeigen sich signifikante Unterschiede: 8% der Pflichtschulabsolvent/innen haben nach eigenen Angaben einen schlechten Gesundheitszustand, unter Universitätsabsolvent/innen sind es nur 1%. Nur 28,2% der Pflichschulabsolvent/innen haben keine gesundheitlichen Beschwerden, bei den Hochschulabsolvent/innen sind es immerhin 40,9%. Auch sind im Vergleich zu Universitätsabsolvent/innen doppelt so viele Pflichschulabsolvent/innen (20%) chronisch krank. Nicht verwunderlich, dass 81,7% der Pflichschulabsolvent/innen mindestens einmal im Jahr einen praktischen Arzt aufsuchen, während es bei Hochschulabsolvent/innen nur 72,7% sind (Statistik Austria 2002 und 2006).

Sozial benachteiligte Männer sterben 6,2 Jahre früher

Der ungünstigere Lebensstil und die höhere Zahl chronischer Erkrankungen findet in der Lebenserwartung Niederschlag: ein heute 35-jähriger Akademiker kann nach Berechnungen der Statistik Austria ein durchschnittliches Sterbealter von 81,4 Jahren erwarten, ein gleichaltriger Pflichtschulabsolvent dagegen eines von nur 75,2 Jahren. Bei Frauen sind die Unterschiede etwas geringer (84,4 vs. 81,6 Jahre).

Strategien zur Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit:

Die alarmierenden Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen unterschiedlichen sozialen Schichten zeigen dringenden Handlungsbedarf. Die Gesundheitsförderung besitzt mit ihren praxisorientierten Projekten Instrumente, mit denen sozial Benachteiligte gezielt angesprochen und zur Nutzung gesundheitlicher Angebote befähigt werden. In einer Präsentation werden auf der 9. Präventionstagung 18 erfolgreiche Projekte aus ganz Österreich dazu vorgestellt.

Maßgeschneiderte Ansätze der Gesundheitsförderung

"Durch Gesundheitsförderungsprojekte, die benachteiligte Gruppen speziell ansprechen, arbeitet der Fonds Gesundes Österreich seit Jahren daran, gesundheitliche Chancengleichheit zu schaffen." stellt Mag. Christoph Hörhan, der FGÖ-Leiter fest und folgert: "Letztlich geht es aber darum, das Problem an der Wurzel zu beheben, wobei alle Politikfelder ihren Beitrag leisten müssen."

Gleiche Bildungschancen

Bildung ist der Schlüssel zu höheren Einkommen und damit besseren Chancen auf Gesundheit. Deshalb sind die Befunde der OECD (2007), wonach "Kinder aus besserem Haus" besseren Zugang zu höherer Bildung haben, alarmierend, da damit die Ungleichheit weiter fortgeschrieben wird. Die Bildungspolitik muss danach streben, allen Kindern die gleichen Chancen auf Bildung zu ermöglichen.

Health in all policies (Gesundheit in allen Politikbereichen)

Was unter der finnischen Ratspräsidentschaft auf die europäische Agenda gesetzt wurde, ist der wohl gründlichste Ansatz: "Health in all policies" will den Gesundheitsgedanken in alle Politikfelder hineintragen, die die Lebensbedingungen bestimmen. Ähnlich der Umweltverträglichkeitsprüfung sollen alle politischen Aktivitäten auf ihre gesundheitsrelevanten Auswirkungen untersucht werden.

"Gesundheitsförderung kann kein Patentrezept anbieten, aber durch die umfassende Sicht von Gesundheit unter Einbeziehung der sozialen Wurzeln in einem fächerübergreifenden Prozess eine tragende Rolle spielen." betont Vizepräsident Fredy Mayer.

Zeit und Ort der Tagung "Soziale Ungleichheit und Gesundheit":

  • Donnerstag 15.11. 10:00 bis Freitag 16.11. 16:00.
  • Austria Center Vienna, Bruno-Kreisky-Platz 1, 1220 Wien

Download des Tagungsprogramms unter
http://www.fgoe.org/veranstaltungen/fgoe-konferenzen-und-tagungen/9-o
sterreichische-praventionstagung-soziale-ungleichheit-und-gesundheit

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Markus Mikl, Leiter Kommunikation
Gesundheit Österreich GmbH
Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich
Mobil: 0664 3850511
Tel.: 01 895 04 00-16
markus.mikl@fgoe.org
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