• 15.11.2007, 10:00:00
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Armut macht krank

Fachleute diskutieren auf der 9. Präventionstagung des Fonds Gesundes Österreich Strategien zur Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit

Wien (OTS) - Österreich hat ein exzellentes und gut ausgebautes
Gesundheitssystem, trotzdem leben Personen mit einem niedrigen
sozioökonomischen Status ungesünder, erkranken häufiger und sterben
früher.

Die sozialen Unterschiede in der Krankheitslast und der
Lebenserwartung spiegeln vor allem den unterschiedlichen Lebensstil
und die unterschiedlichen Lebensbedingungen (Arbeit, Wohnen) wider.
Aber auch prophylaktische medizinische Leistungen (Impfungen,
Gesundenuntersuchungen) werden von sozial Benachteiligten weniger in
Anspruch genommen.

Besonders betroffen von der gesundheitlichen Ungleichheit sind
alleinstehende Pensionist/innen, kinderreiche Haushalte,
Alleinerzieher/innen, Migrant/innen und Bezieher/innen von
Sozialleistungen. 1.030.000 Österreicher/innen sind laut einer
Untersuchung der Statistik Austria (2006) armuts- und damit auch
gesundheitsgefährdet. Auf der 9. Präventionstagung des Fonds Gesundes
Österreich (FGÖ) mit dem Titel "Soziale Ungleichheit und Gesundheit"
werden deshalb die Ursachen analysiert und Strategien zur Schaffung
gesundheitlicher Chancengleichheit diskutiert. Fredy Mayer, Präsident
des Roten Kreuzes und FGÖ-Vizepräsident: "Die Verringerung sozialer
und gesundheitlicher Ungleichheit zählt zu den vorrangigen
gesundheitspolitischen Aufgaben. Für einen Erfolg ist es wichtig,
dass diese Aktivitäten sich nicht auf den Gesundheitsbereich
beschränken, sondern durch alle Politikbereiche ziehen." Auch der FGÖ
stellt sich diesen Herausforderungen: "Bei der Projektförderung
achten wir darauf, dass die Aktivitäten jene Personen erreichen, die
am meisten davon profitieren: die sozial Benachteiligten." stellt
Mag. Christoph Hörhan, der Leiter des FGÖ fest.

Ungünstiger Lebensstil

Bei den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von
Krankheiten zeigen sich deutliche statusbedingte Unterschiede. 52%
der Frauen mit Pflichtschulabschluss sind übergewichtig bzw. adipös,
unter Hochschulabsolventinnen sind es nur 28%. Bei den Männern ist
der Unterschied geringer: 57% vs 47%. Auch bei der Bewegung in der
Freizeit zeigt sich ein ähnliches Bild: Unter
Pflichtschulabsolventinnen sind nur 20% einmal pro Woche körperlich
aktiv, bei den Hochschulabsolventinnen sind es hingegen 30%, bei den
Männer steht es 26% zu 34%. Der Anteil der Raucher ist unter
Pflichtschulabsolventen mit 28% deutlich höher als unter
Universitätsabsolventen (18%). Bei den Frauen zeigen sich keine
Unterschiede: jeweils 17% rauchen. (bmgfj, Statistik Austria, 2007).

Höhere Krankheitslast

Auch beim Gesundheitszustand zeigen sich signifikante
Unterschiede: 8% der Pflichtschulabsolvent/innen haben nach eigenen
Angaben einen schlechten Gesundheitszustand, unter
Universitätsabsolvent/innen sind es nur 1%. Nur 28,2% der
Pflichschulabsolvent/innen haben keine gesundheitlichen Beschwerden,
bei den Hochschulabsolvent/innen sind es immerhin 40,9%. Auch sind im
Vergleich zu Universitätsabsolvent/innen doppelt so viele
Pflichschulabsolvent/innen (20%) chronisch krank. Nicht
verwunderlich, dass 81,7% der Pflichschulabsolvent/innen mindestens
einmal im Jahr einen praktischen Arzt aufsuchen, während es bei
Hochschulabsolvent/innen nur 72,7% sind (Statistik Austria 2002 und
2006).

Sozial benachteiligte Männer sterben 6,2 Jahre früher

Der ungünstigere Lebensstil und die höhere Zahl chronischer
Erkrankungen findet in der Lebenserwartung Niederschlag: ein heute
35-jähriger Akademiker kann nach Berechnungen der Statistik Austria
ein durchschnittliches Sterbealter von 81,4 Jahren erwarten, ein
gleichaltriger Pflichtschulabsolvent dagegen eines von nur 75,2
Jahren. Bei Frauen sind die Unterschiede etwas geringer (84,4 vs.
81,6 Jahre).

Strategien zur Schaffung gesundheitlicher Chancengleichheit:

Die alarmierenden Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen
unterschiedlichen sozialen Schichten zeigen dringenden
Handlungsbedarf. Die Gesundheitsförderung besitzt mit ihren
praxisorientierten Projekten Instrumente, mit denen sozial
Benachteiligte gezielt angesprochen und zur Nutzung gesundheitlicher
Angebote befähigt werden. In einer Präsentation werden auf der 9.
Präventionstagung 18 erfolgreiche Projekte aus ganz Österreich dazu
vorgestellt.

Maßgeschneiderte Ansätze der Gesundheitsförderung

"Durch Gesundheitsförderungsprojekte, die benachteiligte Gruppen
speziell ansprechen, arbeitet der Fonds Gesundes Österreich seit
Jahren daran, gesundheitliche Chancengleichheit zu schaffen." stellt
Mag. Christoph Hörhan, der FGÖ-Leiter fest und folgert: "Letztlich
geht es aber darum, das Problem an der Wurzel zu beheben, wobei alle
Politikfelder ihren Beitrag leisten müssen."

Gleiche Bildungschancen

Bildung ist der Schlüssel zu höheren Einkommen und damit besseren
Chancen auf Gesundheit. Deshalb sind die Befunde der OECD (2007),
wonach "Kinder aus besserem Haus" besseren Zugang zu höherer Bildung
haben, alarmierend, da damit die Ungleichheit weiter fortgeschrieben
wird. Die Bildungspolitik muss danach streben, allen Kindern die
gleichen Chancen auf Bildung zu ermöglichen.

Health in all policies (Gesundheit in allen Politikbereichen)

Was unter der finnischen Ratspräsidentschaft auf die europäische
Agenda gesetzt wurde, ist der wohl gründlichste Ansatz: "Health in
all policies" will den Gesundheitsgedanken in alle Politikfelder
hineintragen, die die Lebensbedingungen bestimmen. Ähnlich der
Umweltverträglichkeitsprüfung sollen alle politischen Aktivitäten auf
ihre gesundheitsrelevanten Auswirkungen untersucht werden.

"Gesundheitsförderung kann kein Patentrezept anbieten, aber durch
die umfassende Sicht von Gesundheit unter Einbeziehung der sozialen
Wurzeln in einem fächerübergreifenden Prozess eine tragende Rolle
spielen." betont Vizepräsident Fredy Mayer.

Zeit und Ort der Tagung "Soziale Ungleichheit und Gesundheit":

- Donnerstag 15.11. 10:00 bis Freitag 16.11. 16:00.
- Austria Center Vienna, Bruno-Kreisky-Platz 1, 1220 Wien

Download des Tagungsprogramms unter
http://www.fgoe.org/veranstaltungen/fgoe-konferenzen-und-tagungen/9-o
sterreichische-praventionstagung-soziale-ungleichheit-und-gesundheit

Rückfragehinweis:

Mag. Markus Mikl, Leiter Kommunikation 
   Gesundheit Österreich GmbH
   Geschäftsbereich Fonds Gesundes Österreich
   Mobil: 0664 3850511
   Tel.: 01 895 04 00-16
   mailto:[email protected] 
   www.fgoe.org

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