Scholik zur Schulreform: Gesamtschule nur als Schulversuch ist erster Schritt in richtige Richtung

"schule-bunt", Katholischer Familienverband und Bundesschulsprecher formulieren Eckpfeiler für vernünftige Schulentwicklung

Wien, 13. November 2007 ((OTS)) - "Es ist ein erster Schritt in
die richtige Richtung, dass die Gesamtschule nur als Schulversuch und unter Wahrung der Mitbestimmungsrechte der Schulpartner am Schulstandort erprobt werden soll. Der Versuch von Bildungsministerin Schmied, die Gesamtschule per Gesetz einzuführen und dabei das bisherige Mitspracherecht der Schulpartner bei Schulversuchen abzuschaffen, konnte erfreulicherweise verhindert werden", so Eva Scholik, Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft und Gründungsmitglied der Plattform "schule-bunt" im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Maria Smahel vom Katholischen Familienverband und Bundesschulsprecher Martin Schneider. ****

Schulversuche seien per se nicht abzulehnen, "sinnvolle Veränderungen des Schulsystems aber nur unter entsprechenden Rahmenbedingungen sind durchaus positiv", so Scholik und dazu ergänzend: "Die Ausschaltung von Mitbestimmungsrechten und Zwangsbeglückung werden wir jedoch stets mit aller Entschiedenheit zurückweisen."

Die Befürworter der Gesamtschule "versuchen den Eindruck zu erwecken, dass in der Gesamtschule das pädagogische Paradies ausbricht. Dabei wurde bis dato keine einzige Maßnahme oder Verbesserungsmöglichkeit genannt, die nicht sofort im bestehenden System für alle Schülerinnen und Schüler umgesetzt werden könnte", so Schneider.

Von der Plattform "schule-bunt", dem Katholischen Familienverband und dem Bundesschulsprecher wurden folgende zentrale Eckpfeiler "für eine vernünftige Schulentwicklung" formuliert:

1) Gesetzliche Einführung der Klassenschülerhöchstzahl 25 auch in den Bundesschulen (bei gleichzeitiger Anpassung der Gruppengrößen z.B. für den Sprachunterricht). "Schulen brauchen kleine Klassen und Lerngruppen und ein großzügiges Stundenangebot für die Förderung von schwächeren und hochbegabten Schülern/innen. Die gesetzliche Umsetzung der Klassenschülerhöchstzahl 25 ist unumgänglich, da nach wie vor Zwei Drittel der ersten Klassen in der AHS mehr als 25 Schüler/innen haben", so Smahel.

2) Frühförderung der Kinder in sprachlicher, motorischer und sozialer Hinsicht.

3) Intensive Sprachförderung für Kinder mit Migrationshindertrund. "Das muss intensiviert werden und darf in den Volksschulen nicht stehen bleiben", ergänzt Smahel.

4) Bildungsstandards in der 3. und 4. Klasse Volksschule sowie in der 8. Schulstufe, um das Leistungsniveau vergleichbar zu machen, sowie die richtige Schulwahl zu unterstützen.

5) Zusatzmodule zur Interessens- und Begabungsentwicklung (z.B. Sprachzertifikate und Freigegenstände).

6) Zusatzmodule zur Kompensation von Lernschwächen.

7) Bessere räumliche Ausstattung der Schulen.

8) Qualitätsvolle Nachmittagsbetreuung mit einem großzügigen Angebot an Lern- und Freizeitaktivitäten. "Die verpflichtende Ganztagsschule wird abgelehnt. Sie könnte bei den gegebenen räumlichen Voraussetzungen an den Schulen gar nicht umgesetzt werden", so Schneider.

9) Die Qualität des Unterrichts ist durch Differenzierung sicherzustellen.

10) Die freie Schulwahl muss auch weiterhin gegeben sein.

11) Auswertung bisheriger Schulversuche: Die Ergebnisse der in Wien und Graz durchgeführten Evaluierungsprojekte sind weit hinter den hochgesteckten Erwartungen zurückgeblieben. Die Erwartung, dass schwächer befähigte Schüler in den leistungsheterogenen Klassen des Schulversuchs mehr lernen als in der unteren Hauptschul-Leistungsgruppe, konnte nicht bestätigt werden.

12) Evaluierung der Gesamtschule im Vergleich mit AHS und Hauptschule: Bis heute fehlen konkrete Konzepte und Hinweise auf die finanzielle Umsetzbarkeit. Die Versprechungen von Schmied, pro Klasse zwei Lehrer/innen einzusetzen, und vieles mehr, entbehren daher jeglicher Realität.

Scholik wies weiters darauf hin, "dass die kürzlich veröffentlichte McKinsey-Studie neuerlich bestätigt: Nicht die Organisation ist entscheidend, sondern die Lehrer/innen". Abschließend zeigte sich Scholik von Schmied auch dahingehend enttäuscht, dass die Ministerin in der ORF-"Pressestunde" auf die Frage nach ihren Partnern bei der Schulreform lediglich die Landeshauptleute und die Landesschulräte genannt habe: "Dass die wahren und primären Partner nur die Eltern, die Schüler/innen und selbstverständlich die Lehrer/innen sein können, kam ihr nicht einmal in den Sinn. Eine Schulreform ohne intensive Einbindung der Schulpartner ist zum Scheitern verurteilt."

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragehinweis:
"schule-bunt"
Eva Scholik
Mobil: 0664/91 55 833

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OVN0001