• 11.11.2007, 17:00:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wie stark sind Unternehmen gesellschaftlich engagiert? - von Peter Muzik

Es hat den Anschein, als würden sich Paradefirmen zu wenig um gesellschaftliche Probleme kümmern

Wien (OTS) - Die Erste Bank belegt - vor der Wiener Städtischen -
Rang eins, am unteren Ende des Rankings liegen Austrian Airlines
sowie Bwin. Das ist das Ergebnis einer vom Center for Corporate
Citizenship Austria in Auftrag gegebenen Online-Befragung, die von
Peter Hajek Public Opinion Strategies durchgeführt wurde. Gefragt
wurden rund 100 österreichische NGO- oder NPO-Mitarbeiter, wie sehr
22 ausgewählte börsenotierte Unternehmen ihrer Einschätzung nach
gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Dabei rausgekommen ist
der sogenannte "Verantwortungsindex".

Zu wenig Engagement.

Im Detail kommt die Untersuchung, deren Erkenntnisse exklusiv im
WirtschaftsBlatt zu finden sind (wie im Gastkommentar von Christina
Aumayr am 2.11. angekündigt), zum Schluss, dass die Lösung
gesellschaftlicher Probleme durchaus als eindeutige Aufgabe von
Unternehmen betrachtet wird. 68 Prozent der Befragten halten dies für
"sehr wichtig", 23 Prozent für "eher wichtig" - und nur acht Prozent
sind gegenteiliger Meinung. Das derzeitige Engagement der Betriebe
bei der Wahrnehmung sozialer Verantwortung wird allerdings grosso
modo als unzureichend bewertet: 71 Prozent der einschlägigen
Auskunftspersonen sind der Meinung, dass sich Unternehmen für die
Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme "wenig" bis "gar nicht"
engagieren. Zum Vergleich: 52 Prozent vertreten die Auffassung, dass
die Firmen gegenüber ihren Mitarbeitern "wenig" bis "gar keine"
soziale Verantwortung zeigen - beispielsweise beim
Arbeitnehmerschutz. Und 62 Prozent, insbesondere Frauen, legen eine
grosse Skepsis an den Tag, was das Thema Wirtschaft und Umweltschutz
anlangt.

Immerhin sind 35 Prozent der Befragten "sehr" sicher, dass
gesellschaftliches Engagement mehr wirtschaftlichen Erfolg bringt -
und weitere 46 Prozent nehmen das "eher" an. Lediglich jeder Achte
glaubt nicht unbedingt an mehr wirtschaftlichen Erfolg.

OMV enttäuscht.

Bei der Bewertung der einzelnen Unternehmen fällt zum einen auf, dass
die Vorreiter Erste, Städtische, SBO oder Telekom auch bei dem 2006
recherchierten Corporate Social Responsibility-Ranking vorne gelegen
sind.

Zum andern ist erstaunlich, dass sich andere börsenotierte Top-Firmen
- etwa die Voestalpine oder Wienerberger - lediglich im Mittelfeld
platzieren konnten. Interessant auch, dass die OMV relativ schlecht
abschneidet - was offenbar mit der Berichterstattung über den
Einstieg im Iran oder die Vorgangsweise bei der MOL-Annäherung zu tun
haben könnte. "Ohne aktive bzw. professionelle Kommunikationsarbeit",
ist Christina Aumayr vom Auftraggeber der Studie überzeugt, "wird
Corporate Social Responsibility einfach nicht wahrgenommen."

Was sonst noch am Verantwortungsindex auffällt: Handlungsbedarf wird
für die A-Tec von Mirko Kovats, die Andritz AG und die seit dem
Einstieg von Martin Schlaff ins Gespräch gekommene RHI gesehen. Beim
Vorletzten, Austrian Airlines, dürften die Berichte über den
laufenden Jobabbau das schlechte Abschneiden verursacht haben, das
Schlusslicht Bwin scheint imagemässig noch an dem über Monate hinweg
thematisierten Skandal zu laborieren.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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