- 07.11.2007, 17:42:21
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Jetzt ist die Stunde der Schmähbrüder - von Arne Johannsen
Das Misstrauen gegenüber Managern wächst - leider zu Recht
Wien (OTS) - Ein bisschen übertreiben und schönreden dürfen sie
ja. Niemand hat etwas dagegen, wenn Manager ihre Leistungen und die
ihrer Unternehmen besonders positiv darstellen. Klappern gehört zum
Handwerk. Und Marktschreierei ist in einer vermarktungsorientierten
Gesellschaft, in der es Netzwerke statt Freundschaften gibt,
gefragter als realistische Bescheidenheit. Doch was uns einige
Führungskräfte und deren Berater derzeit zumuten, übersteigt das
Mass des Erträglichen. Das Misstrauen gegenüber den Führungskräften
der Wirtschaft wächst - leider zu Recht.
Beispiel Bawag/Cerberus: Beim Kauf der Bank hatten die US-Manager
versprochen, mit der Bawag in Osteuropa zu expandieren. Passiert ist
das Gegenteil: Die Ost-Töchter der Bank werden verkauft. Auch von dem
Plan, die Bawag zur Europa-Zentrale der Finanzsparte von General
Motors zu machen, ist nichts mehr zu hören. Publikumswirksam
präsentierte Cerberus vor der Übernahme österreichische Partner, von
der Post AG über Generali und Wüstenrot bis hin zum Industriellen
Hannes Androsch. Geschickt wurde das Wort von heimischen
Kernaktionären ausgestreut. Jetzt erklärt Androsch, über den Verkauf
der Bawag-Osttöchter per Telefon informiert worden zu sein. Sieht so
ein Kernaktionär aus?
Beispiel Meinl European Land: Bei einer Pressekonferenz Ende August
kündigte Julius Meinl eine Transparenz-Offensive an. Man wolle in
Sachen Corporate Governance "ein Musterschüler der Wiener Börse"
werden. Mehr als zwei Monate später ist immer noch unklar, wem die
berüchtigten "Partly Paid Shares" gehören, wer also eigentlich bei
MEL das Sagen hat. Für ein börsenotiertes Unternehmen keine ganz
unwesentliche Frage. Auch Nachfragen zum offiziell angegebenen
Rückkauf-Kurs der MEL-Aktien sind bis heute unbeantwortet. Sieht so
ein Musterschüler aus?
Beispiel Conwert: Die Immobiliengesellschaft hat angekündigt, eine
Wandelschuldverschreibung zu begeben. Mit der soll unter anderem der
umstrittene Rückkauf der eigenen Managementgesellschaft finanziert
werden. Bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen hatte der Vorstand
diese Anleihe mit keiner Silbe erwähnt. Begründung: Die Genehmigung
dafür sei schon bei einer früheren Hauptversammlung erfolgt. Formal
mag das in Ordnung sein, aber sieht so ein anständiger Umgang mit
Aktionären aus?
Clever zu agieren gehört zum Anforderungsprofil jedes Managers. Aber
langfristiger Unternehmenserfolg beruht auf dem Vertrauen von
Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten, nicht auf Tricksereien.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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