• 06.11.2007, 09:31:25
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PRÖLL: Biomasse ist die umweltfreundliche und kostengünstige Alternative zu teuren Ölimporten

Neue Biomasse Studie: Um knapp 70 Prozent mehr Biomasse im Wald als bisher angenommen

Wien (OTS) - "Der Einsatz von Biomasse bringt sowohl für die
Umwelt als auch für die heimische Wirtschaft viele Vorteile. Für
Österreich als waldreiches Land ist dies eine besonders sinnvolle
Alternative zu Energie aus Erdöl und Erdgas. Um die Verfügbarkeit von
Biomasse abzuschätzen, hat das Lebensministerium eine Holz- und
Biomasseaufkommensstudie in Auftrag gegeben. Die nun vorliegenden
Zwischenergebnisse gehen von einem jährlichen Mehrpotenzial an Holz
und Biomasse von 7,6 Millionen Erntefestmeter bis 2020 aus. Das ist
um knapp 70 Prozent mehr Biomasse als bisher angenommen." Dies
erklärte Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll heute im
Rahmen einer Pressekonferenz zur neuen Holz- und
Biomasseaufkommensstudie im Auftrag des Lebensministeriums.

"Die neue Studie kommt zum Schluss, dass diese Mehrnutzung sowohl
ökonomisch rentabel als auch ökologisch vertretbar ist. Die
Ergebnisse zeigen, dass die im nationalen Biomasseaktionsplan
aufgezeigten Holzmengen verfügbar sind, die Ziele realistisch
angesetzt wurden und Österreich seine Klimaschutzziele im Bereich
heimischer Biomasse erreichen kann. Die zentrale Herausforderung ist
nun, das Mehrpotenzial tatsächlich einer energetischen Verwendung
zuzuführen. Dies muss durch eine entsprechende Holzmobilisierung
erreicht werden, die es nun zu forcieren gilt", führte Pröll weiter
aus.

Die Studie, die vom Forschungszentrum Wald (BFW) in Zusammenarbeit
mit der Universität für Bodenkultur durchgeführt wird, beschäftigt
sich im Wesentlichen mit Fragen zur Verfügbarkeit von Nutzholz und
Biomasse sowie deren Entwicklung unter verschiedenen Szenarien in den
nächsten Jahren. Ausgangspunkt ist, dass in Österreich sowohl die
Waldfläche als auch der Holzvorrat trotz steigender Nutzung in den
letzten Jahren zugenommen hat, sodass trotz Mehrnutzung eine
nachhaltige Bewirtschaftung gewährleistet ist.

Die nun vorliegenden Zwischenergebnisse orientieren sich an der
Österreichischen Waldinventur (ÖWI) und gehen von einem konstant
bleibenden Vorrat aus, das heißt die Holznutzung erfolgt in einem
solchen Umfang, dass der Gesamtholzvorrat bis 2020 gleich bleibt und
nur der Zuwachs genutzt wird. Insgesamt liegt das Potenzial für die
Gesamtnutzung sowohl für Nutzholz als auch Biomasse bei 24,8
Millionen Erntefestmeter bis 2020. Derzeit werden 17,2 Millionen
Erntefestmeter genutzt, davon 11,8 Millionen Erntefestmeter für
Nutzholz und 5,4 Millionen Erntefestmeter für Biomasse. Das
Mehrpotenzial, das bis 2020 zur Verfügung steht, liegt somit bei 7,6
Millionen Erntefestmeter.

Dieses Ergebnis zeigt, dass die im nationalen Biomasseaktionsplan
genannten Ziele erreichbar und durchaus realistisch sind. Weiters
geht daraus hervor, dass mehr Biomasse im österreichischen Wald
vorhanden ist, als bisher angenommen - und zwar um knapp 70 Prozent
mehr. Für die energetische Verwertung von Biomasse kann eine
100-prozentige Deckung mit heimischen Ressourcen garantiert werden.
Von der Studie ist darüber hinaus ableitbar, dass dieser Zustand auch
in Zukunft erhalten bleibt.

"Die Ergebnisse der Studie belegen insbesondere, dass keine
Konkurrenzsituation zwischen Biomassenutzung und holzverarbeitender
Industrie besteht, für beide Nutzungen ist genügend Potenzial
vorhanden. Wie aus dem Biomasseaktionsplan hervorgeht, werden für die
Biomassenutzung lediglich 4,5 Millionen Erntefestmeter bis 2020
benötigt", so Pröll weiter. "Die Studie zeigt klar, dass zukünftig
deutlich mehr Biomasse und Nutzholz verfügbar sein werden. Über die
Aufteilung zwischen stofflicher und energetischer Nutzung wird der
Markt entscheiden. Ausschlaggebend wird sein, dass die Waldbesitzer
entsprechend motiviert werden, den nachwachsenden Rohstoff auch
tatsächlich zu nutzen", bestätigt Markus Neumann, stellvertretender
Leiter des Forschungszentrums Wald und Mitautor der Studie.

Ztl.: Biomassebedarf kann aus heimischen Produktion gedeckt werden

Biomasse hat in der Österreichischen Klimaschutzstrategie einen
hohen Stellenwert. Die Österreichische Bundesregierung hat sich zum
Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien von derzeit 23 Prozent
auf mindestens 25 Prozent bis 2010 und auf 45 Prozent bis 2020
anzuheben. Derzeit ist die Energiegewinnung durch Biomasse mit 42
Prozent die Nummer 1 - vor Wasserkraft mit 31 Prozent. Diese
Spitzenposition kann und muss weiter ausgebaut werden. Derzeit decken
fossile Energieträger den Großteil des Energieeinsatzes in
Österreich, welche zum überwiegenden Teil (72 Prozent) importiert
werden. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern in steigendem
Ausmaß auch die österreichische Handelsbilanz. Die aktuelle
Entwicklung der fossilen Rohstoffmärkte stellt eine enorme
Abhängigkeit dar und unterstreicht gleichzeitig die Wichtigkeit der
heimischen Ressourcen.

"Dass Biomasse auch wirtschaftlich Sinn macht und wir mit unserem
Ziel, auf erneuerbare Energieträger zu setzen, vollkommen richtig
liegen, zeigt auch der aktuelle Preisvergleich von Heizöl und
Pellets. Lag der Preisunterschied im Jänner dieses Jahres noch bei
rund 0,70 Cent je kwh, ging die Preisentwicklung in den letzten
Monaten wieder deutlich auseinander: So liegt der aktuelle Preis für
Pellets bei 3,83 Cent je kwh, der aktuelle Preis für Heizöl deutlich
höher bei 7,05 Cent je kwh - der Unterschied von 4,75 Cent ist
beachtlich", so der Minister weiter.

"Biomasse gehört zu den wichtigsten heimischen Energieträgern in
Österreich, die stark steigende Belastung der österreichischen
Handelsbilanz durch immer teurere Ölimporte aus Krisenregionen
bestätigt wieder hoch aktuell die große Bedeutung der eigenen
Energieerzeugung für die Versorgungssicherheit in unserem Land",
stellt Kasimir Nemestothy von der Österreichischen
Landwirtschaftskammer fest. "Österreich hat im Bereich der
Biomassefeuerungen und der Holzerntetechnik im Gebirgsgelände
weltweite Technologieführerschaft erlangt, jetzt gilt es, diesen
Vorsprung weiter auszubauen und die intelligente Nutzung unserer
eigenen Ressourcen zügig weiter zu entwickeln".

Ztl.: Österreichische Waldinventur (ÖWI) neu

Die aktuelle Studie basiert auf den Ergebnissen der
Österreichischen Waldinventur, die zuletzt in den Jahren 2000 bis
2002 durchgeführt wurde. Um neue Daten zu erheben, fällt jetzt der
Startschuss zur ÖWI 2007 bis 2009. Dabei sollen die Nachhaltigkeit
der heimischen Forstwirtschaft überprüft werden und wichtige
Eckpunkte zum Umfang und Zustand des Waldes erhoben werden. Konkret
liefert die Waldinventur traditionell Eckdaten über Waldfläche,
Holzvorrat und Holzzuwachs. Darüber hinaus ist sie in der Lage,
Fragen nach der Entwicklung des Waldzustandes und der biologischen
Vielfalt zu beantworten. Speziell in Hinblick auf die Holz- und
Biomasseaufkommensstudie wird die Waldinventur ausgebaut. So wird nun
etwa auch die technische Möglichkeit zur Holzernte detaillierter
erfasst, eine bessere Abschätzung der Biomasse und des Wachstums
sowie genauere Angaben zur Holzqualität. Neu und wichtig ist weiters
die Feststellung von Borkenkäferbefall.

Bis 2009 werden dafür auf mehr als 11.000 Beobachtungspunkten
ökologische und ökonomische Eckdaten erhoben. Mit den Informationen
aus der Österreichischen Waldinventur können zahlreiche
internationale Berichtspflichten der Republik Österreich abgedeckt
werden, wie etwa für das Kyoto Protokoll, die
UN-Klimarahmenkonvention oder die Biodiversitätskonvention.

"Zusammenfassend lässt sich sagen, dass keine Biomasse-Importe
notwendig sind, um den Bedarf zu decken. Wir können auch den
steigenden Bedarf aus heimischen Wäldern abdecken. Daraus geht
hervor, dass wir am richtigen Weg sind und trotz technik-basierter
Holzbringung im Sinne der nachhaltigen Nutzung einen positiver Gewinn
für die Umwelt erzielen", so Pröll abschließend.

Rückfragehinweis:
Lebensministerium
Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71100 DW 6703, DW 6823

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