WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unsere Minister sind Aktienmuffel - von Wolfgang Unterhuber

Es geht um Psychologie. Wie die Sache mit dem Bawag-Sparbuch

Wien (OTS) - Gerade einmal zwei Regierungsmitglieder geben laut WirtschaftsBlatt-Rundruf an, Aktien zu besitzen. Bei den beiden handelt es sich um Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Ansonsten sind Bausparverträge und das obligatorische Sparbuch jene Anlageformen, auf die unsere Minister und Staatssekretäre, Kanzler inklusive, setzen. Bartenstein und Hahn repräsentieren zehn Prozent aller Regierungsmitglieder. Zum Vergleich: Nur rund sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung sind laut regelmässigen Untersuchungen im Besitz von Aktien. Also alles in Ordnung? Nun, nicht ganz.

Denn es ist eine schwere Enttäuschung, dass Gusenbauer, Molterer und Co. offenbar kein Vertrauen in den Finanzplatz Österreich haben. Offensichtlich schafft es nicht einmal das Zukunftsvorsorge-Modell, unsere politische Elite quasi durch die Hintertür zu Aktienbesitzern zu machen. Nun könnte man sagen, dass das alles vollkommen egal ist.

Was kümmert es internationale Investoren oder sonst wen, ob die politische Elite in einem Land Aktien besitzt oder nicht. Faktum aber ist: Es geht es um Psychologie. Um jene Psychologie, mit der Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel samt Entourage - wenn auch hauptsächlich aus PR-Gründen - zum Bawag-Sparbuch griff. Man darf jetzt zum Beispiel von einem (noch dazu sozialdemokratischen) Sozialminister nicht gleich erwarten, dass er angesichts der Kalamitäten um Meinl European Land statt zum Friseur in die Analysten-Abteilung einer Grossbank eilt.

Aber man darf von den Lenkern des Staates doch verlangen, dass sie ein eindeutig positives Zeichen für den Finanz- und Börseplatz Österreich setzen. Schliesslich hat Aktienbesitz in der breiten Öffentlichkeit noch immer das Image des Verruchten. Und dem muss eindeutig gegengesteuert werden.

Natürlich ist klar, dass es Fallgruben gibt. Ein Infrastrukturminister zum Beispiel, mit heimischen Bau-Aktien im Portefeuille, wird sehr schnell mit Insidervorwürfen zu tun haben, wenn betreffende Baufirmen stattliche Aufträge vom Bund erhalten. Transparenz wäre daher ein absolutes Muss. Aber das sollte eigentlich kein Hindernis sein. Die Regierung beschäftigt ja noch immer einen Kapitalmarktbeauftragten. Dieser nimmt sich sicher die Zeit, um die Regierungsmitglieder punkto Aktienbesitz und Transparenz zu beraten.

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