• 01.11.2007, 17:00:00
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unsere Minister sind Aktienmuffel - von Wolfgang Unterhuber

Es geht um Psychologie. Wie die Sache mit dem Bawag-Sparbuch

Wien (OTS) - Gerade einmal zwei Regierungsmitglieder geben laut
WirtschaftsBlatt-Rundruf an, Aktien zu besitzen. Bei den beiden
handelt es sich um Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und
Wissenschaftsminister Johannes Hahn. Ansonsten sind Bausparverträge
und das obligatorische Sparbuch jene Anlageformen, auf die unsere
Minister und Staatssekretäre, Kanzler inklusive, setzen. Bartenstein
und Hahn repräsentieren zehn Prozent aller Regierungsmitglieder. Zum
Vergleich: Nur rund sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung
sind laut regelmässigen Untersuchungen im Besitz von Aktien. Also
alles in Ordnung? Nun, nicht ganz.

Denn es ist eine schwere Enttäuschung, dass Gusenbauer, Molterer und
Co. offenbar kein Vertrauen in den Finanzplatz Österreich haben.
Offensichtlich schafft es nicht einmal das Zukunftsvorsorge-Modell,
unsere politische Elite quasi durch die Hintertür zu Aktienbesitzern
zu machen. Nun könnte man sagen, dass das alles vollkommen egal ist.

Was kümmert es internationale Investoren oder sonst wen, ob die
politische Elite in einem Land Aktien besitzt oder nicht. Faktum aber
ist: Es geht es um Psychologie. Um jene Psychologie, mit der
Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel samt Entourage - wenn auch hauptsächlich
aus PR-Gründen - zum Bawag-Sparbuch griff. Man darf jetzt zum
Beispiel von einem (noch dazu sozialdemokratischen) Sozialminister
nicht gleich erwarten, dass er angesichts der Kalamitäten um Meinl
European Land statt zum Friseur in die Analysten-Abteilung einer
Grossbank eilt.

Aber man darf von den Lenkern des Staates doch verlangen, dass sie
ein eindeutig positives Zeichen für den Finanz- und Börseplatz
Österreich setzen. Schliesslich hat Aktienbesitz in der breiten
Öffentlichkeit noch immer das Image des Verruchten. Und dem muss
eindeutig gegengesteuert werden.

Natürlich ist klar, dass es Fallgruben gibt. Ein
Infrastrukturminister zum Beispiel, mit heimischen Bau-Aktien im
Portefeuille, wird sehr schnell mit Insidervorwürfen zu tun haben,
wenn betreffende Baufirmen stattliche Aufträge vom Bund erhalten.
Transparenz wäre daher ein absolutes Muss. Aber das sollte eigentlich
kein Hindernis sein. Die Regierung beschäftigt ja noch immer einen
Kapitalmarktbeauftragten. Dieser nimmt sich sicher die Zeit, um die
Regierungsmitglieder punkto Aktienbesitz und Transparenz zu beraten.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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