Denken statt Gedenken - Jubiläen und Jahrestage

Symposium in der Volkshochschule Hietzing

Wien (OTS) - Jubiläen bündeln Geschichte und jedes Jahr werden so einige Packen Geschichte verpackt und öffentlich abgeladen, gefüllt mit Mozart und Freud zum Beispiel.

Im Rahmen eines Symposiums wird der Zwang, Jahrestage zu feiern, analysiert. Besuchen Sie Wien, unsere Friedhöfe, buchen Sie Hotels und hören Sie vielleicht auch noch Musik. Jubiläen sind vielfach bloß eine vergrößerte Spielwiese der Fremdenverkehrswirtschaft. Stoff genug zum Denken und Philosophieren und die Bedingungen für Feiern und Vergessen zu definieren.

1. Gedenk-Messe

Im Rahmen des Symposium findet auch die 1. Gedenk-Messe statt. Es gibt Messen für Fischer, für Brautleute, für Geschiedene, für Urlaubsreisen, Autos und Spielzeug, aber bislang gibt es keine Messe des Erinnerns, keine Gedenkmesse.

Die Volkshochschule Hietzing organisiert die "Erste Österreichische Gedenkmesse" und bietet Initiativen, Privatpersonen und Vereinen Platz, ihre Vorhaben, ihre Denkmalprojekte vorzustellen, dafür zu werben und von ihren Plänen und Schwierigkeiten zu berichten. Die Gedenkmesse findet im Rahmen des Symposiums "Denken statt Gedenken? Jubiläen, Jahrestage und andere Pflichtübungen" am Freitag, 8. November, und am Samstag, 9. Novembe, statt. Für TeilnehmerInnen an der Gedenkmesse ist der Besuch des Symposiums kostenlos. Für den Infostand ist keine Standgebühr zu entrichten.

Bislang haben ihre Teilnahme an der Gedenkmesse zugesagt:
Projekt Servitengasse, Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Projekt Erinnern für die Zukunft (Mariahilf), Verein Steine der Erinnerung, Zukunft braucht Erinnerung: Ein sichtbares Zeichen im Zentrum der Stadt Gleisdorf, Erinnerungzeichen Barackenlager in Sittendorf, Initiative "Severin-Worell-Wanderweg" in Droß, Verein Gedenkdienst, Gedenkstätte Hadersdorf am Kamp u. a.

GeDENKFABRIK: Die ultimative Performance - Gedenkandacht zum Gedenken aller Gedenktage

Die multimediale Live-Performance nach einem verschollenen Drehbuch von Karl Falentin ist mehr als eine schräge Sache. Neben Texten über Che Guevara und Musik von Elton John, sowie supermodernem Zeichentrick findet sich der bayerisch anmutende Kraftakt in der Kombination dieser und vieler anderer Elemente. Ein echter Falentin eben, der an diesem 9. November 2007 zur Aufführung gebracht wird durch Barbara Rass, Frank Michael Weber, Erhard A. Graf und Markus Vorzellner.

Programm des Symposiums Denken statt Gedenken?

o Freitag, 16.00 Uhr Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann "Erinnerung, Gedächtnis, politische Mythologie. Über den Umgang mit Vergangenheit" In den Diskursen um die Vergangenheit dominieren Begriffe wie "kollektives Gedächtnis", "Erinnerungsarbeit", "Gedächtnisorte", "Gedenkstätten" und "Mahnmal". Motiviert durch den moralischen Imperativ, sich der Vergangenheit zu stellen, werden solche Begriffe allerdings selten auf ihre Plausibilität und Stringenz überprüft. Die beliebte These, dass Vergangenheiten konstruiert und Geschichte erzählt wird, steht dabei in einem seltsamen, kaum thematisierten Widerspruch zu dem Unbedingtheitsanspruch, der sich in verschiedenen Gedenkkulturen zum Ausdruck bringt. Es lohnt sich, der Frage nachzugehen, was Erinnerungen und kollektive Gedenkarbeit tatsächlich zu leisten vermögen. Univ.-Doz. Dr. Johann Dvorak "Verdrängung und Erinnerung: Die Tradition der Unterdrückten" Österreich hat eine eigentümliche Tradition des Vergessens und Verdrängens 'unangenehmer' Ereignisse und eine Tradition des Erinnerns an gemütliche Unterdrückung und Untertänigkeit. Vermieden wird dadurch eine Auseinandersetzung mit den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen und ihrer Geschichte und erschwert eine jegliche Erweiterung der Demokratie. Dabei gibt es genug Ereignisse, Gedanken und Kunstwerke, die wichtige Anstöße für eine bewusste, demokratische Gestaltung der Gesellschaft bieten; sie müssen allerdings aus dem Dunkel der Vergangenheit hervorgeholt werden. Dies wird am Beispiel von Nikolaus Lenau und seiner Versdichtung "Die Albigenser" gezeigt.

o Freitag 19.30 Uhr DIE GeDENKFABRIK Gedenkandacht zum Gedenken aller Gedenktage Die ultimative multimediale Live-Performance nach einem verschollenen Drehbuch von Karl Falentin Konzept: Markus Vorzellner, Erhard A. Graf Technische Realisierbarkeit: Erhard A. Graf Technische Betreuung: Max Blöchle Mitwirkende: Barbara Rass, Gesang Erhard A. Graf, Gesang Frank Michael Weber: Rezitation Markus Vorzellner: Klavier Ein Sensationsfund hat im düsteren Keller der VHS Hietzing das Licht der Welt erblickt: Eine Spiel- resp. Performance-Szene aus dem Nachlass von Karl Falentin, die an grauenerregender Aktualität absolut nichts zu wünschen übrig lässt. Neben Texten über Che Guevara und Musik von Elton John, sowie supermodernem Zeichentrick findet sich der bayerisch anmutende Kraftakt in der Kombination dieser und vieler anderer Elemente. Ein echter Falentin eben, der an diesem 9. November 2007 zur Aufführung gebracht wird durch Barbara Rass, Frank Michael Weber, Erhard A. Graf und Markus Vorzellner. Konzeption: Erhard A. Graf, Markus Vorzellner

o Samstag, 9.30 Uhr Univ. Doz. Mag. Dr. Karin Liebhart Erinnern, Vergessen, Verblassen - Versuch über die Logiken des kulturellen Gedächtnisses 2007 mag zwar ein Jubiläumsjahr für die VHS Hietzing sein - für das österreichische Gedächtnis ist 2007 ein Nicht-Ort, zwischen der Nachbereitung eines 6er Jahres - Mozart, seit 1986 auch Waldheim - und der Vorbereitung auf ein 8er Jahr mit den symbolträchtigen historischen Bezugspunkten 1918 und 1938 - optional 1968. Der "Hype" um Jubiläen, die Einführung neuer Gedenktage, die Initiativen für die Errichtung von Geschichtsmuseen etc. verweisen vor allem darauf, wie selbstverständlich die Formate des kulturellen Gedächtnisses in den letzten Jahren geworden sind - gerade auch in der Erinnerung an die verdrängte traumatische NS-Vergangenheit. Zur Diskussion steht dabei vielfach nicht mehr die Dichotomie von Erinnern und Vergessen/Verdrängen. Zu fragen wäre vielmehr nach den Strategien des Erinnerns, nach den Bedürfnissen, die darin zum Ausdruck kommen, nach den Vorstellungen über die Vergangenheit, die damit verbunden sind. Dr. Hermann Schlösser: Popularisierung oder Trivialisierung? Die Rolle der Medien bei der Herstellung des öffentlichen Gedächtnisses Gedenktage bieten der Öffentlichkeit eine Gelegenheit, sich vergangener Ereignisse zu erinnern. Die Medien spielen bei der Aufarbeitung der jeweiligen historischen Ereignisse eine bedeutende Rolle, und es wäre nicht gerecht, wollte man sie dafür pauschal schelten. Trotzdem drängen sich einige kritische Fragen auf, über die es sich lohnt, nachzudenken. Die Stärke der Massenmedien besteht in ihrer Fähigkeit zur schnellen Popularisierung, doch fragt es sich, ob damit nicht notwendigerweise auch die Schwäche der Trivialisierung einhergeht. Diese Spannung zwischen Popularisierung und Trivialisierung wird an Hand einiger ausgewählter Beispiele untersucht.

o Ab 14.30 Uhr Mag.a Eva Blimlinger Der "reservierte" Überlebende 2008 ist es wieder einmal so weit - ein Gedenkjahr: 1848, 1918, 1938, 1968. Die Budgets für die Events und Spektakel werden vorbereitet, in den Kabinetten und Büros der MinisterInnen und StadträtInnen wird geplant, wie man 70 Jahre nach dem "Anschluss" möglichst medienwirksam tiefe Betroffenheit zeigen kann. Am wirkungsvollsten ist dies sicherlich an der Seite von Überlebenden, die die Stadt besuchen, aus der sie vertrieben wurden. Die Initiative "Letter to the Stars" stellt den persönlichen Kontakt zu den "reservierten" Überlebenden her, sicherlich nicht nur für Schulen, auch für PolitikerInnen. Ganz nach dem Motto: Buchen Sie, solange es noch Überlebende gibt. Univ. Doz. Dr. Wolfgang Müller-Funk: Erinnern oder Vergessen? Dilemmata und Paradoxien von Erinnerungspolitiken und Gedächtnisdiskursen

o 1. Gedenkmesse Initiativen, Privatpersonen und Vereine werden eingeladen, ihre Vorhaben und Denkmalprojekte vorzustellen, dafür zu werben und von ihren Plänen und Schwierigkeiten zu berichten. Eine Messe des Erinnerns. Infostände: Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Projekt "Servitengasse", "Erinnern für die Zukunft"(Mariahilf), Verein "Steine der Erinnerung", "Zukunft braucht Erinnerung: Ein sichtbares Zeichen im Zentrum der Stadt Gleisdorf" "Erinnerungszeichen Barackenlager" in Sittendorf, Initiative Severin-Worell-Wanderweg in Droß u. a.

o Ermäßigter Preis für StudentInnen: 5 Euro Mit Bonuscard gratis!

(Schluss) vhs

Rückfragen & Kontakt:

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Volkshochschule Hietzing
Dr. Robert Streibel
Tel. 804 55 24
www.vhs-hietzing.at/

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