- 30.10.2007, 10:44:17
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Ekel-Pools: "Strenge behördliche Kontrollen sind ein Märchen"
ÖHV-"Begründung" für angeblich einwandfreies Poolwasser nicht haltbar
Wien (TP/OTS) - Zwei unabhängige Untersuchungen stellten vor
kurzem der Hygiene in Pools von Thermen und Wellnesshotels ein
schlechtes Zeugnis aus. Empört begründeten die
Interessensvertretungen in der Folge die "einwandfreie Qualität" von
Hotelpools mit "strengen behördliche Kontrollen" und "permanenten
amtlichen Untersuchungen von Wasserproben". Recherchen des kritischen
Wellnesshotelführers RELAX Guide ergaben nun, dass die behördlichen
Kontrollen nur lückenhaft durchgeführt werden.
Die in drei Ländern vom RELAX Guide durchgeführte Untersuchung
hatte gezeigt, dass in rund 80 Prozent der 231 überprüften
österreichischen Wellnesshotelpools die chemischen
Desinfektionsparameter nicht den gesetzlichen Vorschriften
entsprachen. Stimmt die Chemie nicht, so besteht die Gefahr, dass
sich Keime ungehindert vermehren können.
Hotelierverband ÖHV und Wirtschaftskammer sprachen in der Folge
von "unseriöser Studie", von "PR-Gag" und davon, dass "bisher keine
durch das Badewasser bedingten Krankheiten" bekannt geworden seien.
Begründet wurde die "einwandfreie Qualität" von Hotelpools mit
"strengen behördliche Kontrollen" und "permanenten amtlichen
Untersuchungen von Wasserproben".
Recherchen des RELAX Guide ergaben nun, dass die behördlichen
Kontrollen längst nicht so rigoros durchgeführt werden, wie das die
Interessensvertretungen darstellen wollen. Denn konkrete Kontrollen
umfassen häufig nur die Einsicht in das Betriebstagebuch, amtliche
Wasserproben sind mit einer Kontrolle im Regelfall nicht verbunden.
In mehreren Bezirken gab es im Jahr 2005 keine einzige Kontrolle; ein
Bezirk in Vorarlberg meldete sogar, dass es derart viele Hotels mit
Hallenbädern gäbe, dass es unmöglich sei, sämtliche Anlagen zu
prüfen.
Dort, wo tatsächlich kontrolliert wurde, fanden sich nicht selten
zahlreiche Mängel. Sie reichen von "zu klein dimensionierte
Filteranlagen" über "schlecht gewartete Chemikaliendosieranlagen" bis
hin zu "durch Pseudomonaden verkeimte Whirlpools" und "mangelnder
Sachkenntnis des Zuständigen". 2005 wurden österreichweit 17 Fälle
von Legionellenverseuchung nachgewiesen, darunter einer in einem
burgenländischen Wellnesshotel ("massive Verkeimung") sowie einer in
einer Therme in Niederösterreich. Dennoch wurde keine Anlage
geschlossen, auch wurde keine einzige Anzeige nach dem
Bäderhygienegesetz erstattet.
Über Erkrankungen liegen laut Gesundheitsministerin "kaum konkrete
Daten vor, da die häufigsten Infektionen, wie Pilzerkrankungen oder
Trichomonaden, wie auch weitere mit Bädern/Badewasser assoziierte
Erkrankungen, wie z. B. Harnwegsinfektionen,
Hauterkrankungen/Hautpilze, Außenohr- oder Mittelohrentzündungen,
Augeninfektionen, Erkrankungen des Verdauungstraktes oder Warzen
nicht meldepflichtig" seien.
RELAX Guide-Herausgeber Christian Werner: "Es ist schon
ungeheuerlich, unsere mit hohem zeitlichen und finanziellem Aufwand
erstellte Drei-Länder-Untersuchung als PR-Gag abzutun. Noch schlimmer
ist es aber, der Öffentlichkeit ein Vertuschungsmärchen aufzutischen
und sich hinter den angeblich so strengen behördlichen Kontrollen zu
verstecken."
In einem Bericht in der heutigen Ausgabe zitieren die "Salzburger
Nachrichten" den Nationalratsabgeordneten und Konsumentensprecher der
SPÖ, Johann Maier, der die Behördenpraxis als "äußerst fragwürdig"
einstuft und den Umgang mit dem Bäderhygienegesetz als "unzumutbare
Fahrlässigkeit" bezeichnet.
In der Vorwoche hatte Gerold Sigl, der Chef der Hydrologischen
Untersuchungsstelle Salzburg, die Untersuchungen des RELAX Guide "als
seriös" und "aussagekräftig" bezeichnet. Von Arno Sorger, dem Leiter
des Bischofshofener Prüflaboratoriums für Hygiene und
Medizinprodukte, Hygcen, werden die Ergebnisse als "nicht
verwunderlich" eingestuft. Sein Institut hatte 20 Thermen überprüft.
In 29 "Verdachtsfällen" wurde der Chlorgehalt der Becken bestimmt. 16
davon wiesen gar keinen messbaren Chlorgehalt auf. Gefunden wurden
Legionellen, Fäkalkeime und andere Erreger, 43 Prozent aller Proben
waren zu beanstanden.
Der Experte Arno Sorger in der heutigen Ausgabe der "Ganzen
Woche": "Die Probleme liegen oft in der Betriebsstruktur. Wenn die
Beckenwartung zum Beispiel dem Hotelchef obliegt, kann es schnell
passieren, dass der Alltagsstress des Betriebes nicht genug Zeit
lässt, um alle technischen und hygienischen Überprüfungen wie
Wasseraufbereitung, Spülungen, Messungen und Reinigung
vorschriftsgemäß durchzuführen. Die Wartung von Wasser- und
Schwimmbecken gehört in die Hände eines ausgebildeten Badewartes,
auch in Wellnesshotels. Hier besteht sicher noch Informationsbedarf."
Weitere Pressemeldungen zum Thema auf http://www.relax-guide.com
Rückfragehinweis:
Eva Maria Moser
RELAX Guide Verlag
Tel.: +43 (0)1 4032565-20
mailto:[email protected]
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