- 29.10.2007, 17:09:31
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch
Wünsch Dir was
Wien (OTS) - Österreichs Berufs-Diskutanten reden viel. Doch kaum
einer von ihnen dürfte dazu auch eine konsistente Weltanschauung
haben. Da äußert etwa ein Ex-Staatssekretär Positionen, die nicht
denen seiner SPÖ, sondern denen eines Milton Friedman ähneln. Da
treten Teile der Kirche auf, als ob sie die letzten Kommunisten
wären. Da klingt die Industriellenvereinigung, als ob sie eine
Zweigstelle des Katholizismus geworden wäre. Da verbreitet der CV -
einst Hort des wertkonservativen Bürgertums - Werbung für die
linksradikale Gruppierung Attac. Da hofieren plötzlich mutige grüne
Gruppen den rechten Anarchokapitalisten Hans Hermann Hoppe.
Besonders rüde wird mit dem Wort Liberalismus umgegangen. Der Chef
des ÖVP-Wirtschaftsbunds - der eigentlich am ehesten wirklich liberal
sein sollte - will die Kammer-Pflichtmitgliedschaft in der Verfassung
verankern; was wohl nicht so ganz zum Prinzip der Freiheit passt, dem
wichtigsten Wert echter Liberaler. Die Parteiakademie der ÖVP
diskutiert den "Liberalismus" - und platziert zwei sehr linke
Diskutanten im dreiköpfigen Podium; offenbar hat sie so wenig Ahnung,
worum es geht, dass sie unter "liberal" im amerikanischen Wortsinn
dessen Gegenteil, also "sozialdemokratisch", versteht. Geradezu
köstlich ist der Schüttelfrost all jener, die sich heute als
"liberal" ausgeben, wenn sie das Wort "neoliberal" hören. Dieses
bedeutet jedoch haargenau das Gleiche wie der gute alte Liberalismus
eines Kamitz, eines Koren, eines Hayek, eines Erhard. Aber die sind
schon alle tot. Und heute ist kaum noch einer in deren Sinn liberal -
alle stehlen jedoch gerne ihren Erfolgs-Slogan.
*
Stürme des Neids gehen durchs Land, weil der Hinauswurf der drei
Asfinag-Chefs durch den Verkehrsminister (via Aufsichtsrat) sehr
teuer kommt. Was von Anfang an klar war. Wichtiger ist daher die
Frage: Warum werden sie überhaupt abgelöst? Nur weil einer von ihnen
ein Blau-Oranger ist? Das Einzige, was man ihnen wirklich vorhalten
kann, geschah auf Wunsch vor allem schwarzer und roter Bürgermeister
und Landesfürsten: der Schuldenschaffende Bau von Krötentunnels und
Lärmschutzwänden in menschenleeren Gegenden. Wer glaubt, dass deren
"Wünsch Dir was" unter der nächsten, rein rot-schwarzen Chefpartie
aufhören wird?
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
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Tel.: 01/206 99-478
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