• 25.10.2007, 13:06:10
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GLOBAL 2000 und Greenpeace: EU-Kommission spricht sich erstmals gegen Gentech-Anbau aus!

Vorstoß der EU-Generaldirektion Umwelt bei Gentech-Maissorten Bt11 und 1507

Wien (OTS) - Wien (25. Oktober 2007). Die EU-Generaldirektion
Umwelt hat heute vorgeschlagen, dass den beiden Gentech-Maissorten
Bt11(Syngenta) und 1507 (Pioneer/Dupont) die Zulassung für den Anbau
in der EU verweigert wird. Schwerwiegende wissenschaftliche
Unsicherheiten über deren Auswirkungen auf die Umwelt, haben die
Kommission zu dieser Aussage bewogen.
Greenpeace und GLOBAL 2000 begrüßen diesen Vorschlag, denn zum ersten
Mal erfüllt die EU-Kommission bei Gentech-Zulassungen die
gesetzlichen EU-Vorgaben, die die Berücksichtigung des
Vorsorgeprinzips sowie eine umfassende Risikoabschätzung verlangen.

"Die EU-Generaldirektion Umwelt trifft ihre Entscheidung erstmals
aufgrund von wissenschaftlichen Beweisen, die zeigen, dass der Anbau
beider Gentech-Pflanzen zu schweren Umweltschäden führen kann,"
kommentiert Greenpeace Gentechnik-Sprecher das Vorgehen de
EU-Kommission. "Diese Entscheidung ist ein wichtiger Schritt in die
richtige Richtung. Wenn es wissenschaftliche Unklarheiten bezüglich
der Sicherheit von Gentech-Pflanzen gibt, sollte die EU in Zukunft
immer das Vorsorgeprinzip anwenden, das auch in der
EU-Umweltgesetzgebung festgeschrieben ist," so Gentechnik-Experte
Jens Karg von GLOBAL 2000. "Denn der Schutz der Umwelt muss Vorrang
vor den wirtschaftlichen Interessen der Gentech-Lobby haben," betonen
die Umweltschutzorganisationen unisono.

Der Hintergrund zu den Gentech-Maissorten

Beide von der Kommission abgelehnten Gentech-Maissorten produzieren
unterschiedliche Arten des Insektengiftes Bacillus Thurigensis (kurz
Bt), das bestimmte Schädlinge abwehren soll. Die Gentech-Pflanzen
stehen aber im Verdacht, auch für nützliche Insekten (so genannte
Nicht-Ziel-Organismen) schädlich zu sein (z.B. Schmetterlinge) und
negative Langzeitauswirkungen auf die Anbauböden zu haben.

Verschiedene neuere Studien zeigen, dass die Auswirkungen von Bt-Mais
nicht vorhersehbar sind und der potenziell entstehende Schaden größer
ist als bisher geglaubt. Daran zeigt sich auch, dass das derzeit
praktizierte EU-Zulassungsverfahren für Gentech-Pflanzen nicht
geeignet ist, Voraussagen über mögliche Risiken zu treffen bzw.
auszuschließen.
Beispielsweise kommt eine Studie zu dem Ergebnis, dass Bt-Pflanzen
schwere Schäden in aquatischen Ökosystemen anrichten können, da
Pollen und Ernteabfälle der Pflanzen giftig für dort vorkommende
Lebensformen sein können. Dieser Zugang wurde bei der toxikologischen
Bewertung des Bt-Gifts bis dato nicht verfolgt.

Die Menge an Bt-Gift, die diese Pflanzen produzieren, schwankt stark.
Diese Schwankung zeigt sich abhängig vom Anbauort, ist aber auch bei
Pflanzen, die nebeneinander auf demselben Feld stehen, zu beobachten.
Die Ursache dafür ist unbekannt. Hier drängt sich die Frage auf, ob
die Umweltauswirkungen von Bt-Giften derzeit überhaupt abgeschätzt
werden können.
Eine weitere aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass gentechnisch
veränderter Bt-Mais eine signifikant höhere Menge an Aminosäuren
enthält als die selbe Sorte ohne gentechnische Veränderung. Das
resultiert in einer höheren Anfälligkeit für Blattlausbefall.

Zusätzlich hatte die EU im WTO-Gentechnik-Streitfall bereits damit
argumentiert, dass Bt-Pflanzen aufgrund der lückenhaften
Informationen über deren Langzeitauswirkungen auf die Umwelt derzeit
nicht angebaut werden sollten.
Der Vorschlag der Generaldirektion Umwelt wird mit hoher
Wahrscheinlichkeit von wirtschafts- und handelsfreundlichen
Kommissaren bekämpft werden. Das wiederum wäre eine unverblümte
Verletzung gültiger gesetzlicher EU-Anforderungen im speziellen des
Vorsorgeprinzips, einem der Eckpfeiler der Umweltgesetzgebung der EU.

Rückfragehinweis:
GLOBAL 20000: Gentechnik-Experte Jens Karg Tel: 0699/ 14 2000 20
Greenpeace: Gentechnik-Sprecher Steffen Nichtenberger Tel: 0664/612 6 703

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | GLL

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