• 25.10.2007, 10:48:13
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ISO 26000: Soziale Verantwortung oder Marketinginstrument?

Wien (OTS) - Der vorliegende Entwurf einer ISO-Norm zu Sozialer
Verantwortung von Organisationen stößt auf die massive Kritik
zahlreicher österreichischer NGOs und ArbeitnehmerInnenvertretungen.

"Im Entwurf fehlen wesentliche Grundlagen, die eine ernst gemeinte
Wahrnehmung sozialer Verantwortung erst ermöglichen. Die völlige
Unverbindlichkeit der geplanten Norm lässt außerdem befürchten, dass
Unternehmen sie als reines Marketinginstrument verwenden werden. Der
Entwurf bietet die Möglichkeit der beliebigen Auswahl bzw.
Interpretierbarkeit einzelner Empfehlungen durch die AnwenderInnen",
warnt die Geschäftsführerin des Netzwerks Soziale Verantwortung
Claudia Saller: "Wir fordern daher eine stärkere Verbindlichkeit und
höhere Standards, vor allem in zentralen Bereichen wie Menschenrechte
und Arbeitsrechte."

Mit der ISO 26000 "Guidance on Social Responsibility" erstellt die
International Standards Organization (ISO) derzeit eine umfassende
internationale Norm, die gesellschaftlich verantwortliches Handeln
für alle Arten von Organisationen definiert und dafür eine Reihe von
Empfehlungen bereitstellt. Der nunmehr vorliegende dritte Entwurf der
ISO-Arbeitsgruppe, der "Working Draft 3", wird bei der
internationalen Arbeitsgruppentagung von 5. bis 9. November 2007 in
Wien verhandelt.

Konkret fordert das Netzwerk Soziale Verantwortung für die
Überarbeitung der ISO 26000:

1. Über Mindestanforderungen hinausgehen: Die Erfüllung
gesetzlicher Anforderungen sowie die Einhaltung internationaler
Mindeststandards wie z.B. die UNO Menschenrechtskonventionen oder die
ILO Kernarbeitsnormen kann erst die Grundlage sein. Um eine
Organisation als sozial verantwortlich bezeichnen zu können, braucht
es darüber hinausgehende verbindliche Anforderungen. Diese fehlen im
"Working Draft 3" gerade in so sensiblen Bereichen wie Menschen- oder
Arbeitsrechte.

2. Überprüfbarkeit und externe Verifizierung sicherstellen: Eine
Überprüfbarkeit der Prozesse und Ergebnisse im Rahmen der ISO 26000
muss gewährleistet werden. Dazu ist eine präzise Formulierung von
Anforderungen und Empfehlungen notwendig. Der vorliegende Text ist
aber oft schwammig formuliert und vielfältig interpretierbar.
Eindeutige Empfehlungen fehlen bei zentralen Themen wie z.B.
Menschenrechte, Arbeit, Umwelt, VerbraucherInnenschutz, der
Lieferkette, der zu verwendenden Indikatoren und der
Berichterstattung. Zudem sollte externe Verifizierung zum Standard
erklärt werden.

3. Gesellschaft mit einbeziehen: Die systematische Einbeziehung
gesellschaftlicher Anspruchsgruppen wie MitarbeiterInnen, KundInnen,
LieferantInnen, AnrainerInnen, BürgerInnen ist noch nicht ausreichend
verankert. Jene, die von den Aktivitäten eines Unternehmens oder
einer Institution betroffen sind, müssen ein Recht auf Anhörung und
Antwort haben, ebenso wie NGOs, die gesamtgesellschaftliche
Interessen vertreten.

Das Netzwerk Soziale Verantwortung veranstaltet am 31.10.2007 um
18:00 Uhr dazu eine Podiumsdiskussion im Café Griensteidl,
Michaelerplatz 2, 1010 Wien: "ISO 26000: Soziale Verantwortung oder
Marketinginstrument?" Mit Elisabeth Beer (AK), Franz Fiala (ÖNI),
Franziska Humbert (OXFAM), Bernhard Mark-Ungericht (Uni Graz), Roman
Mesicek (respACT austria), Martin Neureiter (ISO), Wolfgang
Tertschnig (Lebensministerium).

Anm.: 01-929 1399 13 oder: [email protected]

Die Veranstaltung wird mit Unterstützung des Lebensministeriums
durchgeführt.

VertreterInnen der Medien sind herzlich dazu eingeladen!

Das Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe) ist ein
Zusammenschluss von ArbeitnehmerInnenvertretungen und NGOs, der sich
aus einer zivilgesellschaftlichen Perspektive mit dem Thema Corporate
Social Responsibility (CSR) beschäftigt.

Ein Positionspapier zur ISO 26000 gibt es auf
www.sozialeverantwortung.at.

Rückfragehinweis:
Mag.a Claudia Saller
Netzwerk Soziale Verantwortung
Tel: 01-929 1399 13
Mobil: 0699-103 63 111
mailto:[email protected].

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