ISO 26000: Soziale Verantwortung oder Marketinginstrument?

Wien (OTS) - Der vorliegende Entwurf einer ISO-Norm zu Sozialer Verantwortung von Organisationen stößt auf die massive Kritik zahlreicher österreichischer NGOs und ArbeitnehmerInnenvertretungen.

"Im Entwurf fehlen wesentliche Grundlagen, die eine ernst gemeinte Wahrnehmung sozialer Verantwortung erst ermöglichen. Die völlige Unverbindlichkeit der geplanten Norm lässt außerdem befürchten, dass Unternehmen sie als reines Marketinginstrument verwenden werden. Der Entwurf bietet die Möglichkeit der beliebigen Auswahl bzw. Interpretierbarkeit einzelner Empfehlungen durch die AnwenderInnen", warnt die Geschäftsführerin des Netzwerks Soziale Verantwortung Claudia Saller: "Wir fordern daher eine stärkere Verbindlichkeit und höhere Standards, vor allem in zentralen Bereichen wie Menschenrechte und Arbeitsrechte."

Mit der ISO 26000 "Guidance on Social Responsibility" erstellt die International Standards Organization (ISO) derzeit eine umfassende internationale Norm, die gesellschaftlich verantwortliches Handeln für alle Arten von Organisationen definiert und dafür eine Reihe von Empfehlungen bereitstellt. Der nunmehr vorliegende dritte Entwurf der ISO-Arbeitsgruppe, der "Working Draft 3", wird bei der internationalen Arbeitsgruppentagung von 5. bis 9. November 2007 in Wien verhandelt.

Konkret fordert das Netzwerk Soziale Verantwortung für die Überarbeitung der ISO 26000:

1. Über Mindestanforderungen hinausgehen: Die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen sowie die Einhaltung internationaler Mindeststandards wie z.B. die UNO Menschenrechtskonventionen oder die ILO Kernarbeitsnormen kann erst die Grundlage sein. Um eine Organisation als sozial verantwortlich bezeichnen zu können, braucht es darüber hinausgehende verbindliche Anforderungen. Diese fehlen im "Working Draft 3" gerade in so sensiblen Bereichen wie Menschen- oder Arbeitsrechte.

2. Überprüfbarkeit und externe Verifizierung sicherstellen: Eine Überprüfbarkeit der Prozesse und Ergebnisse im Rahmen der ISO 26000 muss gewährleistet werden. Dazu ist eine präzise Formulierung von Anforderungen und Empfehlungen notwendig. Der vorliegende Text ist aber oft schwammig formuliert und vielfältig interpretierbar. Eindeutige Empfehlungen fehlen bei zentralen Themen wie z.B. Menschenrechte, Arbeit, Umwelt, VerbraucherInnenschutz, der Lieferkette, der zu verwendenden Indikatoren und der Berichterstattung. Zudem sollte externe Verifizierung zum Standard erklärt werden.

3. Gesellschaft mit einbeziehen: Die systematische Einbeziehung gesellschaftlicher Anspruchsgruppen wie MitarbeiterInnen, KundInnen, LieferantInnen, AnrainerInnen, BürgerInnen ist noch nicht ausreichend verankert. Jene, die von den Aktivitäten eines Unternehmens oder einer Institution betroffen sind, müssen ein Recht auf Anhörung und Antwort haben, ebenso wie NGOs, die gesamtgesellschaftliche Interessen vertreten.

Das Netzwerk Soziale Verantwortung veranstaltet am 31.10.2007 um 18:00 Uhr dazu eine Podiumsdiskussion im Café Griensteidl, Michaelerplatz 2, 1010 Wien: "ISO 26000: Soziale Verantwortung oder Marketinginstrument?" Mit Elisabeth Beer (AK), Franz Fiala (ÖNI), Franziska Humbert (OXFAM), Bernhard Mark-Ungericht (Uni Graz), Roman Mesicek (respACT austria), Martin Neureiter (ISO), Wolfgang Tertschnig (Lebensministerium).

Anm.: 01-929 1399 13 oder: office@sozialeverantwortung.at

Die Veranstaltung wird mit Unterstützung des Lebensministeriums durchgeführt.

VertreterInnen der Medien sind herzlich dazu eingeladen!

Das Netzwerk Soziale Verantwortung (NeSoVe) ist ein Zusammenschluss von ArbeitnehmerInnenvertretungen und NGOs, der sich aus einer zivilgesellschaftlichen Perspektive mit dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) beschäftigt.

Ein Positionspapier zur ISO 26000 gibt es auf www.sozialeverantwortung.at.

Rückfragen & Kontakt:

Mag.a Claudia Saller
Netzwerk Soziale Verantwortung
Tel: 01-929 1399 13
Mobil: 0699-103 63 111
claudia.saller@sozialeverantwortung.at.

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