- 24.10.2007, 15:13:31
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Solvency II bringt Paradigmenwechsel in der Versicherungswirtschaft
Wien (OTS) - Das für europäische Versicherungsunternehmen derzeit
wichtigste Projekt - Solvency II - stand im Zentrum des 3.
"DACHL"-Medienworkshops, der anlässlich der internationalen Solvency
II-Konferenz in Berlin von den Versicherungsverbänden aus
Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein veranstaltet
wurde. Übereinstimmend stellten die nationalen Branchenvertreter
fest, dass Solvency II zu einem Paradigmenwechsel in der europäischen
Versicherungslandschaft führen wird, von dem
Versicherungsunternehmen, Aufseher und Investoren, vor allem aber
Versicherungskunden profitieren können. Die Wettbewerbsfähigkeit der
europäischen Versicherer wird mit den risikobasierten
Eigenmittelanforderungen gestärkt. Über entsprechende interne
Risikomanagementsysteme kann die Kapitalallokation noch
risikoorientierter erfolgen. Die DACHL-Versicherungsverbände
unterstützen daher das vorgesehene flexiblere, prinzipienbasierte und
europa-weit harmonisierte Aufsichtssystem. In Abgrenzung zur
bisherigen Praxis, in der die Eigenkapitalunterlegung nur nach einem
pauschalen Prozentsatz kalkuliert wird, kann unter Solvency II mit
einem konsequenten ökonomischen Ansatz das tatsächliche Risikoprofil
eines Versicherers erfasst werden. Ein Unternehmen muss demnach in
Zukunft umso mehr Kapital vorhalten, je höher das Risiko ist, dem es
ausgesetzt ist.
Situation in den einzelnen Ländern
In Deutschland hat die Versicherungswirtschaft bereits frühzeitig
mit den Vorbereitungen auf Solvency II begonnen und ist überzeugt,
dass der von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf der
Rahmenrichtlinie für ein neues Versicherungsaufsichtrecht den
richtigen Weg für die europäische Assekuranz weist. Bei dem von der
EU-Kommission angestrebten Ziel einer risikobasierten
Versicherungsaufsicht müssen daher aus Sicht des Gesamtverbandes der
Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auch alle Eigenmittel voll
anerkannt werden, die sämtliche Risikopuffer eines Unternehmens
adäquat abbilden. Für den Erfolg von Solvency II ist es entscheidend,
dass die Regelungen nicht ins Marktgeschehen eingreifen und
Unternehmensfreiheit nicht durch starre quantitative Regelungen
einschränken. Trotz des zwingend notwendigen Nachbesserungsbedarfs am
Richtlinienentwurf sind die deutschen Versicherer bereits gut auf das
zukünftige europäische Aufsichtssystem vorbereitet, wie die aktuellen
Ergebnisse der dritten quantitativen Auswirkungsstudie (QIS3) zeigen:
Über 160 Versicherungsunternehmen haben erfolgreich an dem
Vorbereitungstest teilgenommen. Zwei von drei Unternehmen konnten ein
Solvenzkapital von über 200 Prozent der Mindestanforderungen
erzielen.
Auch in Österreich zeigen die QIS3-Ergebnisse, dass sich die
Versicherer schon heute engagiert auf Solvency II vorbereiten. Der
österreichische Versicherungsverband (VVO) weist darauf hin, dass
fast 100 Prozent des österreichischen Versicherungsmarktes an der
Auswirkungsstudie teilgenommen haben. Die nationale Branche ist auch
durch kleinere und mittlere Versicherungsunternehmen geprägt, deren
Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Binnenmarkt für
Finanzdienstleistungen auch zu-künftig gewährleistet sein muss und
nicht durch zu starre bürokratische Anforderungen unter Solvency II
gefährdet werden darf.
In der Schweiz wurde mit dem revidierten
Versicherungsaufsichtsgesetz Anfang 2006 der Swiss-Solvency-Test
(SST) eingeführt, der dem Solvency II-Projekt der Europäischen Union
entspricht und das Kernelement der schweizerischen
Versicherungsaufsicht darstellt. Mit dem SST wurde eine ganzheitlich
risikobasierte Aufsicht deutlich früher eingeführt als in den
EU-Staaten. Nach den bisherigen positiven Praxiserfahrungen sieht die
Schweizer Assekuranz zukünftig eine Veränderung bei der Gestaltung
von Versicherungsprodukten, die etwa im Bereich der
Lebensversicherung deutlich modularer geprägt sein werden. Als
Nicht-EU-Land ist es für die Schweizer Versicherungswirtschaft ein
Kernanliegen, das der SST parallel zum europäischen Solvency
II-Konzept weiter ausgestaltet und eine weitgehende Harmonisierung
der beiden Aufsichtssysteme vorgenommen wird.
Rückfragehinweis:
VVO Versicherungsverband Österreich
Mag. Daniela Ebeert
Tel.: 01/711 56/261
Fax: 01/711 56/280
mailto:[email protected]
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