- 24.10.2007, 08:45:58
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Creditreform Insolvenzstatistik 1. bis 3. Quartal 2007: Neue Rekorde bei den Insolvenzen
Geteiltes Österreich: Entwicklung zwischen Privat- und Unternehmensinsolvenzen total gegenläufig
Wien (OTS) - Die Insolvenzstatistik von Creditreform mit den
endgültigen Zahlen der ersten drei Quartale 2007 zeigt ein
verstärktes Auseinanderklaffen der Entwicklung bei Firmen- und
Privatinsolvenzen. "Das Insolvenzland Österreich ist zweigeteilt:
Während die Unternehmensinsolvenzen annähernd auf das Niveau von 2004
zurückgingen, verzeichneten die Privatinsolvenzen einen neuen
Rekord", sagt Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform
Österreich. 4.841 Unternehmensinsolvenzen stehen nunmehr bereits
6.481 Privatinsolvenzen gegenüber. Während die Zahl der
Firmeninsolvenzen um 4% zurückging, stieg jene der insolventen
Privatpersonen um 15,3% auf einen neuen Rekordwert. 11.322
Gesamtinsolvenzen (+6,1%) seit Beginn des Jahres sind ebenfalls neuer
Rekord.
35 Privatinsolvenzen pro Werktag
Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist um 17,4%
auf 5.473 Fälle gestiegen, die mangels Masse abgewiesenen
Insolvenzanträge um 4,8% auf 1.008 Fälle. Damit wurden in Österreich
35 Privatpersonen pro Werktag insolvent.
Im Bundesländervergleich ist Wien mit 2.064 (+26,2%)
Privatinsolvenzen am stärksten betroffen. Die größten Zuwächse
verzeichneten das Burgenland (+27,8% auf 138 Fälle) und Tirol (+26,3%
auf 755 Fälle). Lediglich in Kärnten gingen die Privatinsolvenzen
zurück (-25,8% auf 471 Insolvenzen).
13 von 1.000 Unternehmen werden insolvent
Als Niederschlag der guten Konjunktur ist die Anzahl der
Unternehmensinsolvenzen weiter gesunken (-4%, 4.841 Insolvenzen) und
befindet sich somit auf dem niedrigsten Wert seit 2004. Während die
eröffneten Insolvenzverfahren leicht um 1,7% auf 2.277 Fälle
angestiegen sind, sind die mangels Masse abgewiesenen Verfahren um
8,6% auf 2.564 zurückgegangen. Der dem Ausgleichsverfahren
innewohnende Sanierungsgedanke fand lediglich bei 36 Verfahren eine
Chance auf Umsetzung (-52%) und hat somit weiterhin an Relevanz in
der Insolvenzabwicklung verloren.
Im Bundesländervergleich verzeichneten Tirol (-19,1%, 361 Fälle),
Oberösterreich (-14,2%, 574 Fälle) und die Steiermark (-7,5%, 594
Fälle) signifikante Rückgänge. In Niederösterreich (+6,2%, 818 Fälle)
und in Salzburg (+1,2%, 333 Fälle) stiegen hingegen die Insolvenzen.
Die "typische" Insolvenz
Ein Blick auf die Rechtsform und das Gründungsdatum zeigt, dass
bei jeder zweiten Insolvenz (2.525) ein kleiner Gewerbebetrieb
betroffen ist und dass 47,6% der insolventen Unternehmen fünf Jahre
oder jünger sind (Gründungsjahr 2002 oder jünger). Die
durchschnittlich angemeldete Forderung pro Gläubiger beträgt bei
Firmeninsolvenzen
ca. Euro 11.000.
Insolvenzquote: Der objektive Vergleich
Setzt man die Zahl der insgesamt bestehenden Unternehmen in einem
Bundesland ins Verhältnis zur Zahl der Insolvenzen, erhält man die
relative Insolvenzquote. Die höchste Insolvenzbetroffenheit weisen
Wien (18,1 je 1.000 Unternehmen), Burgenland (13,5) und Kärnten (13)
auf. Im Bundesländervergleich behält Wien auch absolut betrachtet mit
1.499 insolventen Unternehmen die Spitzenposition.
Die geringste Insolvenzbetroffenheit haben Oberösterreich mit 10,5
und Tirol mit 10,6 von 1.000 Unternehmen.
Branchenranking
Die gute Konjunktur schlägt besonders bei den Branchen
"Unternehmensbezogene Dienstleistungen" (-14,6%, 1.254 Insolvenzen)
und "Sachgütererzeugung" (-10%, 323 Insolvenzen) zu Buche. Das als
"Sorgenbranche" geltende Bauwesen konsolidierte sich ebenfalls weiter
(-4,5%, 762 Insolvenzen). Der Handel verzeichnete hingegen einen
Anstieg um 4% auf 1.010 insolvente Unternehmen.
Conclusio 1. bis 3. Quartal 2007
Mit einem Wirtschaftswachstum von zuletzt 3,7% (Euro-Zone: 2,5%)
ist Österreichs Wirtschaft auf gutem Kurs. Dies gilt auch in Hinblick
auf die Entwicklung der Firmeninsolvenzen. Den heimischen Unternehmen
ist aber zu raten, dieses Konjunkturhoch verstärkt zu nutzen, um für
schlechtere Zeiten gerüstet zu sein. Spare in der Zeit, dann hast du
in der Not, könnte ein Motto sein, sich verstärkt um
Eigenkapitalquoten, Erschließung neuer Finanzierungsquellen und
Liquiditätssteigerung zu kümmern. Ebenso müssen Unternehmen ständig
an ihrer Effizienz und Wertschöpfung arbeiten, um nicht in
Krisenzeiten vom Markt gedrängt zu werden.
Lässt man bei den Privatinsolvenzen die vis major (Höhere Gewalt in
Form von Unfall, Krankheit, Scheidung) als Insolvenzursache außer
Acht, ist festzustellen, dass insbesondere der sorglose Umgang mit
Geld in Kombination mit fehlendem Finanzwissen für das rasante
Ansteigen der Privatinsolvenzen verantwortlich zeichnet. Abhilfe kann
hier nur eine umfassende Information und Aufklärung schaffen. Wie in
Großbritannien in diesem Schuljahr begonnen, sollten schon
Volksschüler neben Rechnen und Schreiben die Grundzüge des privaten
Wirtschaftslebens erlernen: Wie eröffnet man ein Bankkonto? Wie gehe
ich mit meinem Einkommen um? Was bedeuten Zinsraten und
Pensionsfonds? Dieses Basiswissen muss als Prophylaxe und "key life
skill" schon den Jugendlichen vermittelt werden. Die Beschäftigung
mit Zahlen und das Wissen um die eigene wie auch um die Bonität des
Geschäftspartners ist sowohl bei Unternehmen als auch bei
Privatpersonen das Um und Auf der Insolvenzprävention.
Creditreform ist seit 1889 in Österreich tätig und Teil von
Europas führendem Anbieter von Wirtschaftsinformationen. Über 4.500
Mitarbeiter in 19 Ländern Europas erbringen für 165.000 Kunden
professionelle Dienstleistungen "rund um den Kredit", von
Wirtschaftsauskünften über das Risiko- und Forderungsmanagement
(Inkasso) bis zu Unternehmensratings und Marketingdatenbanken.
Seit 1. Juni 2007 ist der Österreichische Verband Creditreform als
staatlich bevorrechteter Gläubigerschutzverband im Bereich der
Insolvenzvertretungen tätig.
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Rückfragehinweis:
Für den Inhalt verantwortlich, Rückfragehinweis und Insolvenzstatistik: Mag. Gerhard M. Weinhofer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit Creditreform Österreich Tel.: +43-1-218 62 20-551 Mobil: +43-676-832 18 290 mailto:[email protected] www.creditreform.at
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