- 23.10.2007, 20:46:33
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit Politikern der alten Schule gibt es keine moderen Schule " (Von von Weissenberger)
Ausgabe vom 24.10.2007
Graz (OTS) - Wieder nichts. SPÖ-Unterrichtsministierin Claudia
Schmied und ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer ging gestern
auseinander, ohne einen Schritt in Richtung Schulreform gemacht zu
haben. Politiker der alten Schule bringen eben keine neue Schule
zustande.
Die AHS-Lehrergewerkschaft ist gegen die Gesamtschule. Sie
befürchtet, dass sich Gymnasial- und Hauptschullehrer, wenn sie an
der selben Schule unterrichten, eines Tages beim Gehalt in der Mitte
treffen. Weniger Geld für mehr Arbeit, dagegen zu kämpfen, dazu ist
eine Gewerkschaft da.
Ein Bildungssprecher einer Regierungspartei hingegen hat die Aufgabe,
das beste Schulsystem zu entwicklen. Fritz Neugebauer ist aber
erstens Gewerkschafter, zweitens Interessensvertreter der öffentlich
Bediensteten, also der Lehrer, drittens Christgewerkschafter,
viertens gelernter Lehrer, dann kommt lange nichts und dann ist er,
seit kurzem, der schwarze Schulverhandler. Was sagt diese
Personalentscheidung über die ach so kinderfreundliche ÖVP? Die
Interessen der Lehrer sind ihr dann doch wichtiger als jene der
Familien.
Die rote Ministerin Schmied ist als Neuling am politischen Parkett
zwar ebenfalls der Ideologie ihrer Partei verpflichtet, sonst jedoch
keiner Klientel. Mittlerweile schaut sie in dieser Causa aber auch
schon alt als. Anstatt hinter den Kulissen ihrem Koalitionspartner
den neuen Gesamtschulversuch abzuringen, ging sie gleich mit einem
Gesetzesentwurf an die Öffentlichkeit. Und wunderte sich auch noch,
dass die ÖVP bockte. Trotz des geringen Erfolges setzte Schmied die
ÖVP vergangenen Freitag - wieder via Medien - unter Druck, nach dem
doch etwas überzogenem Motto: Schulreform diesen Dienstag oder nie!
Promt schwänzte ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn den
Verhandlungstermin. Später ließ er ausrichten, Schmied möge die Sache
nicht "dramatisieren" , nicht das heimische Schulsystem stünde auf
der Kippe, sondern bloß ein popeliger Schulversuch. Auch eine Art von
Humor. Nach dreißig Jahren Gesamtschuldebatte kommt es auf das zwei,
drei Jahre mehr oder weniger eh nicht mehr an.
Da sieht man auch für dieandere brennende Frage schwarz, der sich die
Schulpolitik stellen muss: Was machen die Schüler am Nachmittag,
deren Eltern zu dieser noch Zeit arbeiten? Brauchen wir mehr Horts,
brauchen wir mehr Ganztagsschulen, an denen der Unterricht auf den
ganzen Tag verteilt ist? Wer bringt das den Lehrern näher? Und wer
zahlt den Bau der dann nötigen Spielzimmer, Küchen und Speiseräume?
Jede Wette, Diese Bildungspolitiker werden auch diesen Brei
verderben.****
Rückfragehinweis:
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