"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit Politikern der alten Schule gibt es keine moderen Schule " (Von von Weissenberger)

Ausgabe vom 24.10.2007

Graz (OTS) - Wieder nichts. SPÖ-Unterrichtsministierin Claudia Schmied und ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer ging gestern auseinander, ohne einen Schritt in Richtung Schulreform gemacht zu haben. Politiker der alten Schule bringen eben keine neue Schule zustande.

Die AHS-Lehrergewerkschaft ist gegen die Gesamtschule. Sie befürchtet, dass sich Gymnasial- und Hauptschullehrer, wenn sie an der selben Schule unterrichten, eines Tages beim Gehalt in der Mitte treffen. Weniger Geld für mehr Arbeit, dagegen zu kämpfen, dazu ist eine Gewerkschaft da.

Ein Bildungssprecher einer Regierungspartei hingegen hat die Aufgabe, das beste Schulsystem zu entwicklen. Fritz Neugebauer ist aber erstens Gewerkschafter, zweitens Interessensvertreter der öffentlich Bediensteten, also der Lehrer, drittens Christgewerkschafter, viertens gelernter Lehrer, dann kommt lange nichts und dann ist er, seit kurzem, der schwarze Schulverhandler. Was sagt diese Personalentscheidung über die ach so kinderfreundliche ÖVP? Die Interessen der Lehrer sind ihr dann doch wichtiger als jene der Familien.

Die rote Ministerin Schmied ist als Neuling am politischen Parkett zwar ebenfalls der Ideologie ihrer Partei verpflichtet, sonst jedoch keiner Klientel. Mittlerweile schaut sie in dieser Causa aber auch schon alt als. Anstatt hinter den Kulissen ihrem Koalitionspartner den neuen Gesamtschulversuch abzuringen, ging sie gleich mit einem Gesetzesentwurf an die Öffentlichkeit. Und wunderte sich auch noch, dass die ÖVP bockte. Trotz des geringen Erfolges setzte Schmied die ÖVP vergangenen Freitag - wieder via Medien - unter Druck, nach dem doch etwas überzogenem Motto: Schulreform diesen Dienstag oder nie!

Promt schwänzte ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn den Verhandlungstermin. Später ließ er ausrichten, Schmied möge die Sache nicht "dramatisieren" , nicht das heimische Schulsystem stünde auf der Kippe, sondern bloß ein popeliger Schulversuch. Auch eine Art von Humor. Nach dreißig Jahren Gesamtschuldebatte kommt es auf das zwei, drei Jahre mehr oder weniger eh nicht mehr an.

Da sieht man auch für dieandere brennende Frage schwarz, der sich die Schulpolitik stellen muss: Was machen die Schüler am Nachmittag, deren Eltern zu dieser noch Zeit arbeiten? Brauchen wir mehr Horts, brauchen wir mehr Ganztagsschulen, an denen der Unterricht auf den ganzen Tag verteilt ist? Wer bringt das den Lehrern näher? Und wer zahlt den Bau der dann nötigen Spielzimmer, Küchen und Speiseräume? Jede Wette, Diese Bildungspolitiker werden auch diesen Brei verderben.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001