Mister Föderalismus 60 Festschrift für Jürgen Weiss im Hohen Haus präsentiert

Wien (PK) - Der langjährige Bundesrat, mehrfache Präsident der Länderkammer und ehemalige Föderalismusminister Jürgen Weiss feierte vor kurzem seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Grunde wurde von Sektionsleiter Georg Lienbacher eine Festschrift zusammengestellt, die heute im Hohen Haus präsentiert wurde. An der feierlichen Überreichung des Buches an den Mandatar nahmen auch zahlreiche Vertreter aus Politik, Kultur und Kirche teil, darunter der Präsident des Bundesrates Wolfgang Erlitz, Bundesratsvizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach, der ehemalige Bundesratspräsident Herbert Schambeck und Bischof Klaus Küng.

Der Zweite Präsident des Nationalrates Michael Spindelegger begrüßte die zahlreich anwesenden Ehrengäste, unter denen sich eine Vielzahl von Weggefährten von Jürgen Weiss befanden im Hohen Haus, "der Wirkungsstätte des Jubilars". Der Titel der Festschrift sage alles, was zu sagen sei, und die große Zahl der Gäste setze ein Zeichen: ein Leben für Staat und Gesellschaft solle gewürdigt, die Verbundenheit mit dem Jubilar solle gezeigt werden. Konkret würdigte der Präsident die bemerkenswerte Sachkompetenz und das unglaubliche Detailwissen Weiss´ und hob vor allem dessen große menschliche Qualitäten hervor.

Herausgeber Lienbacher sagte, er wolle die Person Jürgen Weiss in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellen, es solle der Freund gewürdigt werden. Der Redner referierte den Lebenslauf von Jürgen Weiss und wies dabei unter anderem auf das bedeutsame Engagement für die katholische Kirche in Vorarlberg hin. Weiss habe es geschafft, ein Kloster wieder aufleben zu lassen und sei gerade für zwei weitere aktiv. Weiss sei für seine bemerkenswerte Bescheidenheit bekannt, er kümmere sich intensiv um seine Mitmenschen und habe auf den verschiedensten Ebenen Beachtliches zuwege gebracht, erklärte Lienbacher, der auch darauf verwies, dass Weiss eine "derartige Tiefe in Föderalismusfragen" auszeichne, dass er auf diesem Gebiet anerkannter Fachautor sei.

Weiss sei ein Sachpolitiker, ein Arbeiter an der Sache. Alles erfolge auf leisen Sohlen und überaus effektiv. Lienbacher kam sodann auf die charakterlichen Eigenschaften des Jubilars zu sprechen und illustrierte diese anhand einzelner Beispiele, um, wie er sagte, "auch dem Publikum den Menschen Jürgen Weiss näherzubringen".

Sodann stellte Matthias Tschirf die Festschrift vor und ging auch auf deren Genese ein. Dieses Buch sei keine typische Politikerfestschrift, sondern ein persönliches Geschenk an den Jubilar, mit dem man einfach für sein vielfaches Wirken danken wolle. Tschirf ließ den politischen Lebensweg Weiss´ Revue passieren und bezeichnete ihn als "Politiker mit Augenmaß", der auf allen Ebenen zu Hause sei.

Nachdem Gerald Muther für den Verlag gesprochen und der Journalist Ernest Enzelsberger "ein Bild von Jürgen Weiss" gezeichnet hatte, sprach Katharina Weiss über den "Menschen Jürgen Weiss". Sie würdigte ihren Vater als Politiker und Mann großer Geradlinigkeit. Katharina Weiss illustrierte ihre Ausführungen mit Passagen aus der Festschrift, welche ein objektiveres Bild von Jürgen Weiss zeichneten als sie es je könne. Die Beiträge der Festschrift beschreiben diesen unter anderem als "weltoffenen Vorarlberger", "engagierten Föderalisten", "fairen Verhandler" und "herzlichen Freund". Das Bergsteigen, das zu den Lieblingsbeschäftigungen ihres Vaters zähle, sei aus ihrer Sicht auch stets symptomatisch für sein Herangehen an politische Aufgaben gewesen. Sie schloss mit
dem Wunsch, der Vater möge auch künftig Probleme derart erfolgreich bewältigen.

Jürgen Weiss bedankte sich für die Ehrengabe und erklärte, er freue sich besonders über die Anwesenheit der zahlreichen Gäste. Zu jedem der Anwesenden fiele ihm etwas Gutes ein. Er habe in der politischen Auseinandersetzung stets nach der Maxime gehandelt, auch die Position des Gegners mitzudenken. Es schmerze ihn daher besonders, dass diese Herangehensweise immer stärker vernachlässigt werde. Weiss betonte, dass es ein seltsames Gefühl sei, für etwas geehrt zu werden, das man ohnehin gerne getan habe. Eine Festschrift käme seinem Wesen aber am stärksten entgegen, da sie einen Gebrauchswert darstelle.

Jürgen Weiss - Ein Leben für Staat und Gesellschaft

Zum 60. Geburtstag von Jürgen Weiss haben sich Freunde zusammen gefunden, die ihm zu Ehren eine Festschrift verfasst haben. Der Kreis der Autorinnen und Autoren, aber auch die Beiträge selbst zeigen, dass Jürgen Weiss in einer wohl einzigartigen Vielfalt das politische Leben im Bund, im Land Vorarlberg und in Bregenz, das gesellschaftliche, aber auch das kirchliche Leben geprägt hat. Die Vielfalt im Leben von Jürgen Weiss findet auch ihren Niederschlag in den Beiträgen der Festschrift. Den Herausgebern gibt die Festschrift auch die Gelegenheit, die Bedeutung von Jürgen Weiss als Menschen, als Politiker, als gläubigen Katholiken in seinen vielfältigen beruflichen Stationen zu würdigen: "In seiner ihm eigenen Weise, vermag er immer wieder Kirche und Gesellschaft, Glaube und Politik miteinander zu verbinden", heißt es bei Lienbacher.

Die Berufslaufbahn begann Jürgen Weiss als Beamter im Vorarlberger Landesdienst, am Beginn seiner politischen Tätigkeit stand die Funktion des Landesgeschäftsführers der Vorarlberger Volkspartei. Durch sein tiefes persönliches Engagement, durch seine immense Sacharbeit und durch seinen ruhigen und besonnenen Stil sei, so die Autoren des Buches, Weiss zum "föderalistischen Gewissen" über alle Parteigrenzen hinaus geworden, der in seiner politischen Arbeit das Zusammenwirken der unterschiedlichen
staatlichen Ebenen, des Bundes, der Länder und der Gemeinden zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt gestellt habe:
"Unermüdlich waren und sind seine Bemühungen in der Wahrung und Verbesserung der Bundesstaatlichkeit. Diese Bestrebungen haben auch vor den österreichischen Grenzen nicht Halt gemacht. Unermüdlich war und ist sein Bestreben, einem "Europa der Regionen" mehr Gewicht zu verleihen und damit den österreichischen Bundesländern und Gemeinden mehr Mitspracherechte auf europäischer Ebene zu sichern."

Ein Vierteljahrhundert lang ist er Mitglied des Bundesrats, mit einer Unterbrechung von rund vier Jahren als Minister für Föderalismus und Verwaltungsreform. Als mehrfacher Präsident und langjähriger Vizepräsident habe er sich beispiellos für
eine Reform des Bundesrats eingesetzt. Seine Zeit als Bundesminister für Föderalismus und Verwaltungsreform war
geprägt vom Bestreben, eine neue Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern zustande zu bringen und die vielen strukturellen Mängel im Bereich der Aufgabenverteilung zu beseitigen. Diese Zeit war aber auch die Zeit des EU-Beitritts, zu dem der überzeugte Europäer Jürgen Weiss wesentliche Beiträge leistete.

Im Bereich der Neuverteilung der Kompetenzen war Jürgen Weiss in einem Ausmaß erfolgreich, wie bis zu diesem Zeitpunkt keiner vor ihm. Durch seine ruhige besonnene aber äußerst genaue und nachhaltige Art hat er mit viel diplomatischem Geschick Bund und Länder tatsächlich zu einer gemeinsamen Vereinbarung, dem so genannten "Perchtoldsdorfer Paktum" bewegen können. Dass diese
Leistung in der Öffentlichkeit nicht auf den dafür gebührenden Widerhall gestoßen sei, mag, so die Autoren des Buches, mit dem Charakter von Jürgen Weiss zusammenhängen. Er habe es immer schon vorgezogen, die Arbeit leise und effektiv zu tun.

Das Buch beleuchtet aber nicht nur den Bundespolitiker Weiss, sondern auch den überzeugten und begeisterten Vorarlberger und den gläubigen Menschen Weiss, dessen Engagement überall seine Spuren hinterlassen habe.

In der Festschrift setzen sich sodann Politiker, Wissenschaftler, Kirchenmänner und Journalisten mit Themen auseinander, die Weiss während seines bisherigen Lebensweges bewegten. So schreibt der ehemalige Vorarlberger Landeshauptmann Martin Purtscher in seinem Essay über die Entwicklung vom "Europa der Vaterländer" zur "Vision eines Europa der Regionen", der langjährige "Mister Bundesrat" Herbert Schambeck stellt Gedanken zum Thema Verfassungsrecht in Österreich an, die Bundesratsdirektorin Susanne Bachmann beleuchtet die bisherigen Bundesratspräsidentschaften von Jürgen Weiss.

Verfassungsrichter Gerhart Holzinger setzt sich mit "Bundesrat und Bundesverfassung" auseinander, Herausgeber Georg Lienbacher erläutert die Rechtsstellung des Präsidenten des Bundesrates im Verfassungsgefüge. Zu kirchlichen Fragen äußern sich der frühere Feldkircher Diözesanbischof Klaus Küng - er steht jetzt der Diözese St. Pölten vor - und Kassian Lauterer, Abt der Abtei Wettingen-Mehrerau. Der ehemalige Landeshauptmann Herbert Kessler widmet sich dem überzeugten Föderalisten Weiss, und der ehemalige Geschäftsführer der APA, Josef Nowak, berichtet Persönliches über Jürgen Weiss.

Jürgen Weiss wurde 1947 in Hard geboren und trat nach der HAK-Matura in den Vorarlberger Landesdienst ein. 1969 wurde er Landesparteisekretär der Ländle-ÖVP, 1979 zog er erstmals in den Bundesrat ein, dem er bis Ende 1991 angehörte, ehe er im Kabinett Vranitzky III zum Bundesminister für Föderalismus avancierte, was er bis zum Herbst 1994 blieb. Danach wechselte er wieder in den Bundesrat, wo er 1995, 1999 und 2004 jeweils als Präsident fungierte. Gegenwärtig ist Weiss Vizepräsident des Bundesrates.

Das Buch "Jürgen Weiss - Ein Leben für Staat und Gesellschaft" ist im "Neuen Wissenschaftlichen Verlag" in Wien erschienen. Es umfasst 378 Seiten und ist über den Buchhandel erhältlich. (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA0003