"Kleine Zeitung" Kommentar: "Schützenhöfer oder Wenn alte Wunden wieder höllisch weh tun" (Von Claus Albertani)

Ausgabe vom 17.10.2007

Graz (OTS) - Eigentlich müsste Herwig Hösele seinem Parteichef Hermann Schützenhöfer dankbar sein: So viel Werbung - wenn auch unfreiwillige - hätte er für sein Buch über die Landeshauptleute Josef Krainer und Waltraud Klasnic sonst nie bekommen. Die kurzfristige Absage - Schützenhöfer hatte zur Präsentation des Buches geladen, zwei Stunden davor sagte er seine Teilnahme ab - schlägt Wellen.

Viele fragen sich, was bei Schützenhöfer abgelaufen ist, ehe es zu diesem demonstrativen Akt kam. Den Kern der Antwort findet man in jenem Satz, mit dem er sein Fernbleiben begründete: "Für eine persönliche Abrechnung, die den Streit in der Steirischen Volkspartei schürt und mühsam verheilte Wunden aufreißt, stehe ich nicht zur Verfügung."

In diesem Satz ist das ganze Dilemma des Parteichefs zusammengefasst:
Die Wunden, die die Wahlniederlage des Jahres 2005 der einst so selbstbewussten Partei geschlagen hat, sind nur oberflächlich geschlossen. Verheilt sind sie nicht. Das spürt Schützenhöfer wohl mehr als jeder andere in seiner Partei. Darunter leidet er. Und manchmal, in ruhigen Stunden, denkt er auch darüber nach, ob er derjenige sein kann, der diese Wunden heilt.

Diese Zweifel machen ihn verwundbar, lassen ihn oft gereizt reagieren oder überreagieren. Auch aktuelle Umfragen, die die Stagnation der Partei zeigen, lassen keine Jubelstimmung in der Partei aufkommen.

Dazu kommen Aufmüpfigkeiten aus den Parteiorganisationen. Im Wirtschaftsbund und im Bauernbund mehren sich Stimmen, die sich über die Dominanz des ÖAAB - Schützenhöfer war dessen Obmann, jetzt ist es Klubobmann Christopher Drexler - mokieren.

Genau in diese Phase kommt Höseles Buch, in dem neben viel Lob für Krainer und Klasnic vor allem Gerhard Hirschmann und Herbert Paierl als die eigentlich Verantwortlichen für die Wahlniederlage 2005 genannt werden. Diese, wenn auch vorsichtig formulierten. Worte aus der Feder des engsten Klasnic-Beraters waren Salz in die immer noch nicht verheilten Wunden.

Um ein neuerliches Aufbrechen der selbstzerfleischenden Diskussion zu verhindern, zog Schützenhöfer die Reißleine: Er distanzierte sich demonstrativ vom Buch. Eine weitere Diskussion, wer denn mehr und wer weniger Schuld am Wahldesaster trage, ist mehr als unerwünscht. Schützenhöfers Vorgangsweise, um dieses Ziel zu erreichen, sorgt aber auch für Kopfschütteln. Klärende, persönliche Worte bei der Buchpräsentation wären wohl souveräner gewesen. ****

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