• 10.10.2007, 13:13:06
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Hohe Auszeichnung für evangelisch-lutherischen Bischof Herwig Sturm

Bundespräsident Fischer: Soziales Engagement als Grundhaltung (Honorarfreies Bild auf Anfrage erhältlich)

Wien (epdÖ) - Für die Verdienste um die Republik Österreich ist
heute der evangelisch-lutherische Bischof und Vorsitzende des
Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Mag. Herwig Sturm,
ausgezeichnet worden. Bundespräsident Dr. Heinz Fischer verlieh dem
Bischof das Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern im Rahmen eines
Festakts am Mittwoch, 10. Oktober, in der Hofburg.

Fischer würdigte Sturms soziales, karitatives und
gesellschaftspolitisches Engagement, "das nicht nur für die Kirche,
sondern für das ganze Land von großer Bedeutung und Nutzen ist", so
der Bundespräsident. Konkret nannte Fischer etwa Sturms Engagement
für die Notfallseelsorge, die er initiiert hatte, oder die Polizei-
und Gefangenenseelsorge als Bereiche, in denen der Staat mit der
Evangelischen Kirche zusammenarbeite. Sturm habe die
Donaukirchenkonsultationen ins Leben gerufen, wodurch viele
Nachbarschaftskirchen theologisch, wissenschaftlich und administrativ
unterstützt wurden. Fischer erinnerte auch an Sturms Engagement für
eine energie- und umweltbewusste Baupolitik in den Kirchen, an die
Arbeit für den Prozess "Wirtschaft im Dienst des Lebens" und an den
Österreich-Konvent. In der Gesellschaft, so Fischer, sei eine Kirche
nicht an ihrer Größe zu messen, sondern darin, "welchen Beitrag sie
zur politischen Entwicklung des Landes leistet". So betrachtet stelle
sich die Evangelische Kirche "als große Kirche" dar, sagte Fischer in
seiner Laudatio. Bei Sturm sei das soziale Engagement, wie etwa die
Sensibilität für Flüchtlinge, nicht nur in Einzelfällen, die mediale
Aufmerksamkeit finden, zu bemerken, sondern zur "Grundhaltung"
geworden.

Bischof Sturm dankte in seiner Rede den Repräsentanten der
Evangelischen Kirchen ebenso wie den Organen der Republik Österreich.
Die Auszeichnung verstehe er als Vorsitzender des Evangelischen
Oberkirchenrates A.u.H.B. in erster Linie als Würdigung der
Evangelischen Kirche in Österreich. Ausdrücklich dankte der Bischof
für die "wirklich großartige Ökumene". Die gute Zusammenarbeit sei
sichtbar geworden u.a. im Ökumenischen Sozialwort, im Beitrag der
Expertengruppe zum Verfassungskonvent und zu Themen der EU, auf dem
gemeinsamen Weg zur Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung und
zuletzt in der europaweit einzigartigen Kirchlichen Pädagogischen
Hochschule.

Sturm zu den Abschiebungen: "Gemeinsam Wege suchen"

An Bundespräsident Fischer richtete Sturm seinen Dank "für die
Wahrnehmung unserer Kirche und ihrer Aktivitäten, für die
Einbeziehung unserer Kirche in Fragen der gesellschaftlichen
Entwicklung, für den transparenten und regelmäßigen Dialog zwischen
der Kirche und staatlichen Einrichtungen". Die Evangelische Kirche
sei Gesprächspartner in Fragen der Flüchtlinge und Migranten, der
Asylwerber und ihrer Integration, der Rechte von Minderheiten oder
der Religionsfreiheit in ihrer Konsequenz auch für Moslems. "Das
interreligiöse Gespräch ist Aufgabe des Tages und der Zukunft", sagte
Sturm vor den zahlreichen Gästen aus Kirche, Diakonie und Ökumene. In
der Frage der Abschiebungen appellierte der Bischof an die
Verantwortlichen, "gemeinsam Wege zu suchen". Es sei klar, dass "die
Menschen in eine viel schlechtere Situation kommen", wenn die
Abschiebungen erfolgten.

"Wir prüfen unsere Standpunkte vor unserem Gewissen und dem Wort
Gottes, aber dann stehen wir zu unserer Meinung, im Dialog mit allen,
die ebenfalls berührt sind und in Verantwortung stehen um die Fragen
der Gesellschaft, um Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der
Schöpfung", sagte der Bischof, der im Festakt besonders auch seiner
Familie dankte. Das Weggehen von Lienz, wo Sturm seine Tätigkeit als
Pfarrer begann, nach Klagenfurt, dann Villach, wo Sturm als Kärntner
Superintendent wirkte, und dann als Bischof nach Wien habe "vielfache
Trennung und viel Mühe" bedeutet.

Mag. Herwig Sturm wurde am 15. August 1942 in Lilienfeld/NÖ geboren.
Nach Beendigung seiner Schulzeit in Salzburg und des Studiums in
Wien, Heidelberg und Zürich war Sturm als Vikar in Zell am See und
Lienz tätig. In Lienz übernahm er auch seine erste Pfarrstelle, die
er 13 Jahre innehatte, bevor er im Jahr 1980 als Pfarrer nach
Klagenfurt wechselte. 1988 wurde Herwig Sturm zum Superintendenten
der Diözese Kärnten/Osttirol gewählt.

Am 2. Oktober 1995 wählte ihn die Synode zum Bischof der
Evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich. Der Amtsantritt
erfolgte am 1. Jänner 1996. Sturm ist auch Vorsitzender des
Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Zu seinem Nachfolger im
Bischofsamt wurde am 1. Juni 2007 Oberkirchenrat Hon.-Prof. Dr.
Michael Bünker gewählt, der das Leitungsamt am 1. Jänner 2008
antreten wird. Sturm ist verheiratet und hat drei Kinder.

Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at

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