Arigona: Evangelische Kirche bietet Schutz und Betreuung an

Designierter Bischof Michael Bünker in der TV-Diskussion "Im Zentrum" - Einladung an Innenminister Platter

Wien (epdÖ) - "Wenn Arigona das möchte, können wir ihr einen Ort anbieten, an dem sie Schutz und Begleitung finden kann", sagte der desiginierte evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker am Sonntagabend in der TV-Diskussion "Im Zentrum", die die "Unmenschlichen Abschiebungen" thematisierte. Mit dem Diakoniezentrum Spattstraße in Linz stehe, so Bünker, ein kompetentes Betreuungsteam bereit. Auch wenn es nie nur um diejenigen gehen könne, "die es in die Medien schaffen", müsse es "doch eine Lösung geben für dieses Mädchen". Innenminister Günther Platter lud der desgnierte Bischof ein, "mich anzurufen und zuzusichern, dass Arigona nicht persönlich von der Abschiebung bedroht ist". Eine Antwort Platters steht noch aus. Der Aufenthalt der 15-jährigen Arigona Zogaj ist weiter unklar. Das Mädchen war im Zuge der Abschiebung ihres Vaters und ihrer Geschwister untergetaucht.

Immer wieder würde unterstrichen, dass Europa von christlich-jüdischen Werten geprägt sei, erinnerte Bünker in der Live-Diskussion. Diese Werte, dass etwa jedem Menschen eine unantastbare Würde zukomme, seien nicht aufteilbar auf In- oder Ausländer, sondern müssten für alle gelten. Die Evangelische Kirche habe "gute Gründe", für ein generelles Bleiberecht einzutreten, das von einer Stichtagsregelung, etwa nach drei oder fünf Jahren Aufenthalt, und einem geordneten Verfahren ausgeht. "Das Bleiberecht ist eine Recht der Menschen und keine Bleibegnade", sagte Bünker, der am 1. Jänner das Bischofsamt antritt. Viele warten "ohne Schuld viele Jahre auf ein Ende des Verfahrens". Es wäre "ein guter Schritt, dieses Bleiberecht umzusetzen, und dann zu schauen, wie wir geordnete Zuwanderung gestalten können". Dass Österreich Zuwanderung brauche, sei inzwischen allen klar.

Protest in Frankenburg - Oberkirchenrätin Reiner fordert sofortigen Stopp der Abschiebungen

Am Samstag hat im oberösterreichischen Frankenburg eine Protestkundgebung für die teilweise abgeschobene Familie Zogaj stattgefunden. Rund 500 Menschen laut Angaben der Polizei, Medien sprechen von bis zu 1000 Personen, nahmen daran teil, allen voran Prominente wie der Schauspieler Alfons Haider oder der Schriftsteller Franzobel sowie Politiker von SPÖ, ÖVP und den Grünen. Die evangelisch-lutherische Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner forderte bei der Kundgebung "die sofortige Beendigung der nun laufenden Abschiebungen, die Achtung des Familienzusammenhalts und -nach Befürwortung der jeweiligen Verantwortlichen auf Gemeinde- und Landesebene - ein Bleiberecht für integrierte AsylwerberInnen, damit Frankenburg und so manch andere Gemeinde in Österreich wieder zu dem werden, was sie sind: Symbolgemeinden für Menschlichkeit und ein friedliches Miteinander". Ein Gesetz, das sich in der Praxis als inhuman erwiesen habe, "muss in einem Rechtsstaat geändert werden", so das Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirchenleitung.

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