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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das Heidi-Alphorn-Klischee der Schweiz ist ziemlich ramponiert" (Von Ernst Heinrich)
Ausgabe vom 08.10.2007
Graz (OTS) - Straßenschlachten, ein Großaufgebot der Polizei,
zahlreiche Verletzte, Dutzende Festnahmen, der Bundesplatz in Bern,
das politische Herz der Schweiz, in der Hand von ein paar hundert
Chaoten - und Entsetzen bei Politikern aller Couleurs.
Am lautesten schreien jetzt Christoph Blocher, der eidgenössische
Blut-und-Boden-Recke, und seine rechtskonservative Schweizerische
Volkspartei (SVP). Als "Schande für die Schweiz" bezeichnete er
gestern die Ausschreitungen. Zwei Wochen vor der Nationalratswahl sei
dem ganzen Land gezeigt worden, "was für unhaltbare Zustände wir
wegen der Linken in Kauf nehmen müssen". Es brauche daher dringend
einer politischen Korrektur.
Blocher, amtierende Polizei- und Justizminister, prangert zu Recht
an, dass die Polizei nicht verhindern konnte, dass linke Chaoten eine
Wahlkundgebung der derzeit stärksten Schweizer Partei platzen ließen.
Aber was der SVP-Chef nicht sagt, ist die Tatsache, dass ihm dieser
Gewaltexzess in der Hauptstadt nicht ungelegen kommt. Wäre die
Veranstaltung ohne Zwischenfälle abgelaufen, würde man heute nicht
mehr viel darüber reden. Doch jetzt steht die SVP als Opfer der
extremen Linken da - und das ist Wasser auf Blochers
Wahlkampf-Mühlen. Denn seine Parolen und Kampagnen gegen Ausländer
und gegen linke und grüne Politik polarisieren die Eidgenossenschaft.
Faktum ist, dass es in der Schweiz schon seit Jahrzehnten eine sehr
gewaltbereite linksautonome Szene gibt, die häufig Krawalle
inszeniert und die Politik und Polizei nicht wirklich in den Griff
bekommt. Faktum ist auch, dass der Ausländer-Anteil - und daher auch
der Anteil an kriminellen Ausländern - in unserem Nachbarland mit
mehr als 20 Prozent einer der höchsten in Europa ist.
Was sie von Ausländern halten, stellen Blocher und seine SVP auf
Plakaten sehr drastisch dar. Dort befördern drei weiße Schafe einen
schwarzen Artgenossen mit Fußtritten aus der Schweiz und in einem
Computerspiel auf der SVP-Internet-Seite rammt auch Geißbock
"Zottel", das Maskottchen der Blocher-Partei, schwarze Schafe
serienweise aus dem Land - "ein Tiefstand politischer Unkultur", wie
elf hochrangige Intellektuelle in einer gemeinsamen Erklärung
konstatierten.
Im Anti-EU-Lager in Österreich wird die Schweiz gern als Vorbild
dargestellt. Aber die Straßenschlacht von Bern, die wohl erst vor dem
Hintergrund eines überhitzten Wahlkampfes geschehen konnte, hat das
liebliche Heidi-Emmentaler-Alphorn-Klischee ziemlich ramponiert. ****
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