- 05.10.2007, 11:29:15
- /
- OTS0127 OTW0127
Sima und Schicker präsentieren Tempo 50-Studie
Positiv für Luftqualität, Verkehrssicherheit und Lärm
Wien (OTS) - Im Kampf gegen den Feinstaub und damit zur Sicherung
der Gesundheit der Wienerinnen und Wiener hat die Stadt Wien bereits
zwei umfassende Maßnahmenpakete verabschiedet. Die Schritte werden
seit Jahren in allen relevanten Bereichen wie Baustellen, Industrie,
im Winterdienst und im Verkehr umgesetzt. Als eine der vielen
Maßnahmen wurde das Tempo-Limit für 50 km/h als lokaler Beitrag zur
Feinstaubreduktion im Verkehrsbereich gesetzt.
Experten der Technischen Universität Graz und der Universität
für Bodenkultur Wien haben seit Dezember 2006 die Wirksamkeit dieser
Maßnahme untersucht. Die nun vorliegende Studie zeigt klar die
positiven Auswirkungen auf die Luftqualität, zugleich aber auch auf
die Verkehrssicherheit und die Lärmreduktion.
Die Feinstaub-Vorläufersubstanz N0x (Stickoxide) verringert sich
bei einer Reduktion der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 70 auf
50 km/h auf der in der Studie untersuchten Strecke um ganze 37
Prozent. Bei Feinstaub (PM10) kommt es zu einer Reduktion von 23
Prozent, so das Ergebnis der Analyse.
"Das Tempo-Limit ist nur eine der vielen Maßnahmen, die wir zur
Verbesserung der Luftgüte gesetzt haben. Gemeinsam mit den
zahlreichen anderen Maßnahmen trägt Tempo 50 zur Verbesserung der
Luftqualität in unserer Stadt und damit zur Gesundheit der Menschen
bei", so Umweltstadträtin Maga Ulli Sima und Verkehrs- und
Planungsstadtrat DI Rudi Schicker. "Die Temporeduktion, die nahezu
für alle Straßen Wiens mit Ausnahme der Autobahnen und Autostraßen
gilt, trägt darüber hinaus zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei.
Ein wichtiger Begleitfaktor ist auch weniger Lärm für die
Anrainerinnen und Anrainer. Die Studie belegt bei Tempo 50 statt 70
eine Reduktion des Schallpegels um 1,2 Dezibel", ergänzt Schicker.
Sima und Schicker haben die Studie am Freitag mit Prof. Peter
Sturm von der Technischen Universität Graz und Dr. Hans-Peter Hutter
von den "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt" in einem gemeinsamen
Pressegespräch in Wien präsentiert.
Methode und Ergebnisse: 37 % weniger N0x, 23 % weniger
Feinstaub
Die Untersuchung der Auswirkung von Tempo 50, die vom Institut
für Verbrennungskraftmaschinen und Thermodynamik der TU Graz und dem
Institut für Verkehrswesen der BOKU Wien im Dezember 2006
durchgeführt wurde, gliedert sich in zwei Teilbereiche. "Zum einen in
die Ermittlung der Emissionen von Feinstaub und Stickoxiden an einem
konkreten Straßenabschnitt auf der Brünner Straße. Im zweiten Teil
wurde untersucht, welche Veränderungen der Emissionen die Maßnahme
auf den in ganz Wien betroffenen Straßenabschnitten bewirkt",
erläutert Prof. Sturm von der TU Graz.
Dabei wurden Emissionsfaktoren für den Feinstaubvorläufer NOx
und Feinstaub für die Geschwindigkeiten 50 und 70 km/h nach
Fahrzeugklassen getrennt ermittelt. "Eine Reduktion der maximal
zulässigen Geschwindigkeit von 70 auf 50 km/h führte im untersuchten
Streckenabschnitt der Brünner Straße zu einer Reduktion der
Emissionen von 37 % bei NOx und 23 % bei PM10 für Pkw und leichte
Nutzfahrzeuge", erläutert Studienautor Prof. Peter Sturm.
"Während der Untersuchungen wurde durch Aufstellung von
Radarbox-Attrappen eine Geschwindigkeitsüberwachung simuliert, um
optimale Verhältnisse für die Einhaltung der erlaubten
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h zu erzielen", so Sturm. In
Detailanalysen zeigt sich auch ein großer Einfluss des Fahrverhaltens
und der Flüssigkeit des Verkehrs auf die verursachten Emissionen.
Im Rahmen der aktuellen Studie wurden auf der Brünner Straße
Fahrzeuge mit einem Begleitfahrzeug "verfolgt", das Fahrverhalten
dabei genau analysiert. Das reale Fahrverhalten und Fahrmuster auf
der Teststrecke wurden in der Folge mit den Emissions-Daten aus der
Datenbank "überlappt" und dadurch die tatsächlichen Emissionen an
Feinstaub als auch Stickoxiden sowohl bei Tempo 50 als auch Tempo 70
ermittelt. Die Emissionsdaten basieren auf einer umfassenden
Messreihe an unterschiedlichsten Fahrzeugtypen. Diese sind in einer
Datenbank mit Emissionsdaten von über 500 verschiedenen Fahrzeugen
aller Typen und Baujahre gespeichert, die Datenbank dient als
Grundlage für eine Vielzahl von Untersuchungen in Österreich,
Deutschland und der Schweiz. "Das Ergebnis ist durch diese aufwändige
Methode viel genauer, als nur die Emissionen einzelner Fahrzeuge zu
messen", so Studienautor Prof. Sturm. "Rechnet man die erzielten
Emissionsreduktionen auf die von der Maßnahme betroffenen
Straßenabschnitte in Wien hoch, so zeigt sich, dass bei
verbrennungsbedingten Emissionen Reduktionen im Ausmaß von ca. 12
Prozent bei NOx und von rund 10 Prozent bei PM10 erreicht werden
können", fasst Sturm die Ergebnisse zusammen.
Tab 1: Abschätzung des Potenzials für die Differenz der
verbrennungsbedingten Emissionen vor und nach der Umsetzung der IG-L
Maßnahme "Tempo 50" auf den IGL-Straßenabschnitten (Bezugsjahr 2006).
Emissionen Emissionen Differenz
vor Umsetzung nach Umsetzung - absolut (relativ)
NOx PM10 NOx PM10 NOx PM10
pro Jahr
[t/Jahr] 447 16,4 394 14,8 -53 -1,6(12%) (10%)
Beitrag zur Hebung der Verkehrssicherheit
"Der Vergleich des Unfallgeschehens bei der Untersuchung zeigt,
dass Tempo 50 die Anzahl und Schwere von Unfällen reduziert," stellt
Stadtrat Schicker fest. "Das ist ein wichtiger Schritt zu weniger
Verkehrsunfällen und Verkehrstoten. Zumal uns auch die Exekutive
unterstützt und Kontrollen zum Tempolimit durchführt."
Wie entscheidend die Fahrgeschwindigkeit sein kann, zeigt der
Zusammenhang mit dem Bremsweg. Können sich FahrerInnen bei 50 km/h
noch vor FußgängerInnen einbremsen, ist bei gleicher Bremslänge die
Aufprallgeschwindigkeit 40 km/h, wenn die Ausgangsgeschwindigkeit 60
km/h war.
Tempo 50 - ein Beitrag zur Gesundheit der Wienerinnen und
Wiener
Ergänzend zur Evaluierungsstudie und aufbauend auf diese
erfolgte auch eine Bewertung der Maßnahme aus umweltmedizinischer
Sicht durch Experten von "Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde
Umwelt": "Insgesamt zeigt die nun vorliegende Analyse, dass bei
vollständiger Umsetzung der Geschwindigkeitsreduktion eine Reduktion
der Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastung gegeben ist und damit
auch beträchtliche positive Effekte auf die Gesundheit der Wiener
Bevölkerung zu erwarten sind", erläutert Studienautor Dr. Hans-Peter
Hutter. So können durch die Geschwindigkeitsreduktion rund 7 bis 17
vorzeitige Todesfälle pro Jahr vermieden werden. Dies entspricht
Einsparungen an vermiedenen Schadenskosten bis zu annähernd 11
Millionen Euro pro Jahr.
Als Grundlage dienten hierbei Abschätzungen des
Minderungspotenzials für Feinstaub und Stickstoffdioxid durch Tempo
50 und der Auswirkungen der Emissionsreduktion auf die Konzentration
in der Atemluft. Der gewählte Ansatz stellt aus mehreren Gründen
sogar eine konservative Schätzung des tatsächlichen Effektes dar, die
Beiträge durch die gleichzeitige Senkung anderer Luftschadstoffe etwa
wurden nicht berücksichtigt. Ebenso gingen weitere positive Effekte
der getroffenen Maßnahme wie die bereits erwähnte Reduktion von Lärm
nicht in die Analyse ein. Auch nicht berücksichtigt wurden die
Erhöhung der Verkehrssicherheit, positive Effekte auf die Morbidität
wie etwa die Verringerung von Asthmaanfällen sowie Auswirkungen auf
die Lebensqualität und das Wohlbefinden. "Aus ärztlicher Sicht stellt
die getroffene Maßnahme daher einen wichtigen vorsorgemedizinischen
Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit der Wiener Bevölkerung dar",
resümiert Dr. Hutter.
Darstellung der vermiedenen vorzeitigen Todesfälle nach
Einführung von Tempo 50 durch die Reduktion von PM10-und
NO2-Immissionen sowie der vermiedenen Schadenskosten.
o Vermiedene Todesfälle pro Jahr (PM10): 0,8 - 1,8 o Eingesparte Kosten (Euro pro Jahr): 569.000 bis 1,28 o Vermiedene Todesfälle pro Jahr (NO2): 5,8 - 16 o Eingesparte Kosten (Euro pro Jahr): 4 - 11,2 Mio. o Vermiedene Todesfälle pro Jahr (Gesamt): rund 6,6 - 16,9
Deutlich weniger Feinstaubbelastung im 1. Quartal 07:
Wie eine Analyse der Wintermonate Jänner, Februar und März 2007
zeigt, war die Feinstaubbelastung um ein Vielfaches geringer als im
Vergleichszeitraum 2006.
Zeitraum A1 A2 A3 M1 M2 T 01-04/2006 62 55 (RINN) 48 43 57(RINN) 17 01-04/2007 29 25(LIES) 17 28 33(RINN) 0
o Erläuterungen: A1: Anzahl an Tagen mit Tagesmittelwert > 50 µg/m3 insgesamt A2: Anzahl an Tagen mit Tagesmittelwert > 50 µg/m3 an der höchstbelasteten Station (Kürzel in Klammer) A3: Anzahl an Tagen mit Tagesmittelwert > 50 µg/m3 an mindestens 3 Stationen M1: Mittelwert über ganz Wien in µg/m3 M2: Mittelwert an der höchstbelasteten Station in µg/m3 (Kürzel in Klammer) T: Anzahl an Tagen mit Überschreitungen > 100 µg/m3 (doppelter Grenzwert) (Anm: RINN-Rinnböckstraße, LIES-Liesing)
Da Feinstaub ein Winter- und Wetterphänomen ist, war im sehr
milden Winter 07 die Belastung europaweit geringer, zudem haben auch
die vielen Feinstaubmaßnahmen der Stadt Wien zur Verbesserung der
Luftgüte beigetragen.
Faktum ist, dass Feinstaub ein überregionales Problem ist und
Luftmassen vor Stadt- und Landesgrenzen nicht Halt machen. "Daher
braucht es auch überregionale Anstrengungen, Länder und Bund müssen
gemeinsam an einem Strang ziehen", so Umweltstadträtin Sima und
fordert eine Novellierung des IG-L auf Bundesebene.
Wien mach sich Luft - die nächsten Schritte
Natürlich setzt die Stadt Wien auch künftig weitere energische
Schritte auf lokaler Ebene im Kampf gegen den Feinstaub. 2008 tritt
das Transitverbot für EURO 0-LKWs, also für "alte Stinker" in Kraft.
Diese emittieren rund acht mal so viel wie moderne LKWs.
Ebenso tritt 2008 die Partikelfilterpflicht für
Offroad-Dieselmotoren zwischen 18 kW bis 37 kW in Kraft. Dies
betrifft v. a. Bagger, Maschinen, mobile Aggregate, Hubstapler etc.
Diese sind im Hinblick auf die lange Lebensdauer und den oft
schlechten Wartungszustand eine große Emittentengruppe.
Weiters wird seit September 2007 die Verwendung von "Heizöl leicht"
in Betriebsanlagen verboten. Ortsfeste Einrichtungen, die bisher mit
"Heizöl leicht" betrieben wurden, müssen dann mit einem
emissionsärmeren Brennstoff betrieben werden.
o Alle Infos zu den bisherigen Maßnahmen unter www.feinstaubistdeinstaub.at/
(Schluss) vor
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Anita Voraberger
Büro Umweltstadträtin Ulli Sima
Tel: 43-1-4000-81353
[email protected]
Mag. Uschi Eripek
Büro Stadtrat Rudi Schicker
Tel: 43-1-4000-81416
[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK






