WKÖ-Präsident Leitl: "Wir brauchen in Österreich das beste Bildungssystem der Welt!"

"Kein Abschluss ohne Anschluss" - Plädoyer für Differenzierung und mehr Durchlässigkeit des Bildungssystems beim Sozialpartnerdialog in Bad Ischl

Wien (PWK737) - "Wir brauchen in Österreich das beste Bildungssystem der Welt", forderte Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, bei der Pressekonferenz aller vier Sozialpartnerspitzen zum Auftakt des Sozialpartnerdialoges in Bad Ischl. Schwerpunkt des sozialpartnerschaftlichen Dialogs ist das Sozialpartnerkonzept "Chancen durch Bildung", das in Ischl vorgestellt wurde und knapp zwei Tage lang diskutiert wird. Leitl warnte aber auch vor Panikmache im Bildungskontext und wies auf hervorragende Platzierungen österreichischer Teilnehmer etwa bei Lehrlings-Weltmeisterschaften hin.

Die österreichische Bundesregierung stehe vor der "Mega-Aufgabe", das Bildungssystem zu modernisieren. Es gelte, "jedem jede Chance zu geben, die es möglich macht, sich das Wissen anzueignen, die Tätigkeit auszuüben, von der sie oder er begeistert ist." "Die Sozialpartner sind sich ihrer Verantwortung in diesem Zusammenhang bewusst, zeigen Wege auf, bringen Experten-Know-How ein. All das soll den Verantwortlichen helfen, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen", sagte Präsident Leitl. "Unsere Vorschläge ergeben ein stimmiges Gesamtkonzept, das sich dem Lernen vom ersten Lebensabschnitt an mit Vorschule, der Schul- und Hochschulausbildung, der Berufs- und Weiterbildung bis hin zum Thema ‚lebenslanges Lernen’ widmet", hob der WKÖ-Präsident die Bandbreite des gemeinsamen Sozialpartnerkonzepts hervor.

Als zentrale Punkte formulierte Leitl die Punkte Chancenvermittlung, Förderung sowie mehr Durchlässigkeit des Bildungssystems: "Es muss funktionieren, eine Lehre zu machen und von dort - was bis jetzt noch nicht geht - in eine akadamische Ausbildung überzuwechseln, also vom Lehrling zum Universitätsprofessor werden zu können." Das werde auch in Zukunft nicht zum Regelfall werden, "aber es soll möglich sein", forderte Leitl und gab in diesem Zusammenhang die Devise aus: "Kein Abschluss ohne Anschluss."

Im Zusammenhang mit einer Reform des Schulwesens sprach sich Leitl zu einem "Bekenntnis zu Neuem, aber zu Neuem, das besser ist als das Alte" aus. Im Mittelpunkt müssen dabei die Differenzierung und Wahlmöglichkeiten stehen, was durch eine modulare Struktur des Bildungswesen zu erreichen sei. Im Zusammenhang mit der Gesamtschuldebatte trat der WKÖ-Chef für diverse Schulversuche ein. Hier könne man unter Einbindung der Schulpartner Neues erproben. Vehement trat er für die Einführung eines kostenlosen, aber verpflichtenden Vorschuljahres für alle, die nicht über die notwendige Volksschulreife verfügen, ein. Ebenso forderte er die Errichtung einer Ganztagsschule in jedem Bezirk in relativ kurzer Zeit. Leitl: "Das ist ein ganz wichtiger Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie."

Große Bedeutung komme weiters der Berufsinformation zu, die der WKÖ-Chef als "Bringschuld an die junge Generation" definierte. Diese sei umso wichtiger, als sich die Berufswünsche vieler Mädchen noch immer auf Berufe wie Friseurin oder Verkäuferin, bei jungen Männern unter anderem auf Kfz-Mechaniker fokussieren. Neben den Zuständigen in Politik, Schulen und Informationseinrichtungen sieht Leitl aber auch die Eltern und die jungen Menschen selbst in der Verantwortung. Er forderte auch Anreize durch die öffentliche Hand ein, insbesondere, was das lebenslange Lernen und die Weiterbildung von Älteren betrifft. Es gelte, das Potenzial im eigenen Land auszuschöpfen, und zwar ganz. Leitl: "Wir wollen die bestausgebildeten Menschen im weltweiten Vergleich. Österreich steht auch in den Disziplinen Aus- und Weiterbildung in Konkurrenz mit der ganzen Welt." (JR)

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