Weltlehrertag 2007

Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam für hohe Bildungsqualität und soziale Gerechtigkeit

Wien (OTS) - Der Weltlehrertag wird alljährlich am 5. Oktober begangen, in diesem Jahr übrigens zum dreizehnten Mal. Die Initiative zur weltweiten Würdigung des Lehrerberufes geht auf einen Beschluss von UNESCO, ILO und EI (Education International) zurück. Seit damals heißt das Ziel: qualifizierte Lehrer/innen für eine qualifizierte Bildung. Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst ist eine der Gründerorganisationen der EI und deshalb auch der Idee des Weltlehrertages in besonderer Weise verbunden. Insgesamt repräsentiert die EI über 30 Millionen Lehrerinnen und Lehrer und gliedert sich in 348 Mitgliedsorganisationen in 166 Ländern und Territorien.

Der 5. Oktober ist für die internationale Lehrerbewegung ein herausragendes Datum, weil an diesem Tag vor 41 Jahren, am 5. Oktober 1966, die "Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer" angenommen wurde. Zum ersten Mal war es damit gelungen, in einem internationalen Konsens den Status des Lehrerberufs in der Gesellschaft und die Verpflichtung der Politik zur Sicherung notwendiger Arbeits- und Lebensbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer weltweit zu fixieren.

Der Weltlehrertag 2007 steht unter dem Motto "Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Lehrer verbessert die Lernbedingungen für Schüler" (Better Working Conditions for Teachers Means Better Learning Conditions for Learners). Und wahrlich, um die Arbeitsbedingungen der Lehrenden ist es in Österreich nicht gut bestellt.

Durchschnittliche Arbeitsfläche im Konferenzzimmer beträgt 50 x 50 cm

Und viele Lehrer/innen teilen sich mangels Platzangebotes einen solchen Arbeitsplatz im Lehrer-zimmer. Wovon viele Lehrer/innen träumen ist ein absperrbares Fach zur Lagerung der Lehrmittel, Schularbeitenhefte, des eigenen Laptops, u.ä. Diese unhaltbaren Zustände zwingen viele Pädagogen, ihre Materialien täglich mit nach Hause zu nehmen. Schuleigene Computer-arbeitsplätze für Lehrer/innen sind absolute Mangelware.

Arbeitsmittel bitte selber kaufen

Der Dienstgeber zeigt sich auch bei der Ausstattung der Lehrenden mit Arbeitsmittel äußerst knauserig. Jeden Bleistift, Radiergummi, Kugelschreiber, etc. haben sich die Pädagog/innen selbst zu kaufen. Das real sinkende Schulbudget zwingt zur Kontingentierung der Unterrichtsmaterialien. So haben an sehr vielen Schulen Lehrende für die Erstellung von Arbeitsblättern, Testunterlagen, etc. nur ein bestimmtes Kopienkontingent frei. Der Rest ist aus der eigenen Tasche zu berappen.

Arbeitszimmer sind steuerlich nicht absetzbar

Heute ist es durchaus schon üblich, dass Schüler per Mail ihre schriftlichen Arbeiten direkt an das Postfach der Lehrerin/des Lehrers senden. Die viel zu klein dimensionierten Konferenzzimmer, die fehlenden Arbeitsräume mit Computerausstattung für Lehrer/innen an den Schulen führen zur Anschaffung privat finanzierter Dienstcomputer in den eigenen vier Wänden. Selbstverständlich sind private Arbeitszimmer für Lehrer/innen steuerlich auch nicht absetzbar.

Für die österreichischen Lehrerinnen und Lehrer heißt hohe Bildungsqualität:

  • mehr Zeit für die Arbeit mit den Schülerinnen und Schüler und deren individueller Förderung
  • gesetzliche Verankerung der KlassenschülerInnenhöchstzahl 25 ohne Überschreitung
  • umgehender Ausbau der Förder- und Integrationsmaßnahmen
  • Bereitstellung von Schulraum und entsprechender Ausstattung zur Verbesserung der Unterrichts- und Bildungsqualität
  • Verbesserung der Lehrer/innenausbildung - Master-Studien für alle Lehrer/innen
  • Arbeitsplatzsicherheit auch für junge Lehrer/innen und Anhebung der Anfangsgehälter
  • Bereitstellung der erforderlichen Budgetmittel
  • keine Reformen zu Lasten einzelner Lehrer/innengruppen Bei Schulreformen im Bereich der Mittelstufe Gleiche Dienst- und Arbeitszeitregelungen - kein Downgrading im Dienst- und Besoldungsecht, sondern Aufwertung entsprechend der jeweiligen Regelungen der Landes- oder Bundeslehrer/innen Novellierung des Personalvertretungsrechtes

Investitionen in Bildung sind die beste Investition für Österreichs Zukunft.

So berechtigt unsere Forderungen gegenüber dem Dienstgeber auch sind, so wichtig ist es auch über den Tellerrand unserer eigenen Anliegen hinaus zu sehen.

Beinahe täglich infizieren sich Pädagog/innen in Afrika bei ihrer Arbeit mit dem HIV-Virus. Millionen von Schülern tragen das todbringende HIV-Virus in sich. Nur mittels einer qualitätsorientierten Bildung ist es möglich, diese Kinder auf ihr schwieriges Leben vorzubereiten.

Ein wesentliches Anliegen der internationalen Lehrerbewegung ist die Umsetzung des freien Bildungszugangs für alle Kinder, im Besonderen für Mädchen.

Lehrer/innen sind der Motor beim Aufbau einer gerechteren und demokratischen Gesellschaft und schrecken nicht davor zurück, sich mutig und beispielhaft für die Verteidigung und Förderung von Menschen- und Gewerkschaftsrechten einzusetzen. Beispiele dafür sind Raquel Castro und Samuel Morales, Lehrer und Gewerkschafterin in Kolumbien, die im August 2004 nach einer Militäroperation verhaftet wurden, bei der sie Zeuge der Ermordung von drei Kolleg/innen waren. Morales wurde vor kurzem entlassen, aber die kolumbianische Regierung verweigerte ihm die Erlaubnis, das Land zu verlassen. Castro ist nach wie vor im Trakt für politische Gefangene des Frauengefängnisses in Bogotá inhaftiert. Kolumbien ist eines der gefährlichsten Länder der Welt für Gewerkschafter/innen. Amnesty International schätzt, dass in den vergangenen 20 Jahren 4.000 Gewerkschafter/innen ermordet wurden oder "verschwunden" sind. Die kolumbianische Menschenrechtskommission gibt an, dass allein im vergangenen Jahr 33 Lehrergewerkschafter/innen ermordet wurden.

Die Arbeit eines Erziehers gleicht der eines Gärtners,
der verschiedene Pflanzen pflegt.
Eine Pflanze liebt den strahlenden Sonnenschein,
die andere den kühlen Schatten;
die eine liebt das Bachufer,
die andere die dürre Bergspitze.
Die eine gedeiht am besten auf sandigem Boden,
die andere im fetten Lehm.
Jede muss die ihrer Art angemessene Pflege haben,
anderenfalls bleibt ihre Vollendung unbefriedigend.
Abbas Effendi

Walter RIEGLER, Vorsitzender der ARGE-Lehrer in der GÖD

Rückfragen & Kontakt:

Walter Riegler, Vorsitzender der ARGE-Lehrer
Tel.: 0664/40 39 473

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