• 03.10.2007, 10:58:57
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Weltlehrertag 2007

Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam für hohe Bildungsqualität und soziale Gerechtigkeit

Wien (OTS) - Der Weltlehrertag wird alljährlich am 5. Oktober
begangen, in diesem Jahr übrigens zum dreizehnten Mal. Die Initiative
zur weltweiten Würdigung des Lehrerberufes geht auf einen Beschluss
von UNESCO, ILO und EI (Education International) zurück. Seit damals
heißt das Ziel: qualifizierte Lehrer/innen für eine qualifizierte
Bildung. Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst ist eine der
Gründerorganisationen der EI und deshalb auch der Idee des
Weltlehrertages in besonderer Weise verbunden. Insgesamt
repräsentiert die EI über 30 Millionen Lehrerinnen und Lehrer und
gliedert sich in 348 Mitgliedsorganisationen in 166 Ländern und
Territorien.

Der 5. Oktober ist für die internationale Lehrerbewegung ein
herausragendes Datum, weil an diesem Tag vor 41 Jahren, am 5. Oktober
1966, die "Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer" angenommen
wurde. Zum ersten Mal war es damit gelungen, in einem internationalen
Konsens den Status des Lehrerberufs in der Gesellschaft und die
Verpflichtung der Politik zur Sicherung notwendiger Arbeits- und
Lebensbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer weltweit zu fixieren.

Der Weltlehrertag 2007 steht unter dem Motto "Eine Verbesserung
der Arbeitsbedingungen der Lehrer verbessert die Lernbedingungen für
Schüler" (Better Working Conditions for Teachers Means Better
Learning Conditions for Learners). Und wahrlich, um die
Arbeitsbedingungen der Lehrenden ist es in Österreich nicht gut
bestellt.

Durchschnittliche Arbeitsfläche im Konferenzzimmer beträgt 50 x 50 cm

Und viele Lehrer/innen teilen sich mangels Platzangebotes einen
solchen Arbeitsplatz im Lehrer-zimmer. Wovon viele Lehrer/innen
träumen ist ein absperrbares Fach zur Lagerung der Lehrmittel,
Schularbeitenhefte, des eigenen Laptops, u.ä. Diese unhaltbaren
Zustände zwingen viele Pädagogen, ihre Materialien täglich mit nach
Hause zu nehmen. Schuleigene Computer-arbeitsplätze für Lehrer/innen
sind absolute Mangelware.

Arbeitsmittel bitte selber kaufen

Der Dienstgeber zeigt sich auch bei der Ausstattung der Lehrenden
mit Arbeitsmittel äußerst knauserig. Jeden Bleistift, Radiergummi,
Kugelschreiber, etc. haben sich die Pädagog/innen selbst zu kaufen.
Das real sinkende Schulbudget zwingt zur Kontingentierung der
Unterrichtsmaterialien. So haben an sehr vielen Schulen Lehrende für
die Erstellung von Arbeitsblättern, Testunterlagen, etc. nur ein
bestimmtes Kopienkontingent frei. Der Rest ist aus der eigenen Tasche
zu berappen.

Arbeitszimmer sind steuerlich nicht absetzbar

Heute ist es durchaus schon üblich, dass Schüler per Mail ihre
schriftlichen Arbeiten direkt an das Postfach der Lehrerin/des
Lehrers senden. Die viel zu klein dimensionierten Konferenzzimmer,
die fehlenden Arbeitsräume mit Computerausstattung für Lehrer/innen
an den Schulen führen zur Anschaffung privat finanzierter
Dienstcomputer in den eigenen vier Wänden. Selbstverständlich sind
private Arbeitszimmer für Lehrer/innen steuerlich auch nicht
absetzbar.

Für die österreichischen Lehrerinnen und Lehrer heißt hohe
Bildungsqualität:

- mehr Zeit für die Arbeit mit den Schülerinnen und Schüler und 
   deren individueller Förderung
 - gesetzliche Verankerung der KlassenschülerInnenhöchstzahl 25 
   ohne Überschreitung
 - umgehender Ausbau der Förder- und Integrationsmaßnahmen
 - Bereitstellung von Schulraum und entsprechender Ausstattung zur 
   Verbesserung der Unterrichts- und Bildungsqualität
 - Verbesserung der Lehrer/innenausbildung - Master-Studien für 
   alle Lehrer/innen
 - Arbeitsplatzsicherheit auch für junge Lehrer/innen und Anhebung 
   der Anfangsgehälter
 - Bereitstellung der erforderlichen Budgetmittel
 - keine Reformen zu Lasten einzelner Lehrer/innengruppen

   Bei Schulreformen im Bereich der Mittelstufe
   Gleiche Dienst- und Arbeitszeitregelungen - kein Downgrading im 
   Dienst- und Besoldungsecht, sondern Aufwertung entsprechend der 
   jeweiligen Regelungen der Landes- oder Bundeslehrer/innen
   Novellierung des Personalvertretungsrechtes

Investitionen in Bildung sind die beste Investition für
Österreichs Zukunft.

So berechtigt unsere Forderungen gegenüber dem Dienstgeber auch
sind, so wichtig ist es auch über den Tellerrand unserer eigenen
Anliegen hinaus zu sehen.

Beinahe täglich infizieren sich Pädagog/innen in Afrika bei ihrer
Arbeit mit dem HIV-Virus. Millionen von Schülern tragen das
todbringende HIV-Virus in sich. Nur mittels einer
qualitätsorientierten Bildung ist es möglich, diese Kinder auf ihr
schwieriges Leben vorzubereiten.

Ein wesentliches Anliegen der internationalen Lehrerbewegung ist
die Umsetzung des freien Bildungszugangs für alle Kinder, im
Besonderen für Mädchen.

Lehrer/innen sind der Motor beim Aufbau einer gerechteren und
demokratischen Gesellschaft und schrecken nicht davor zurück, sich
mutig und beispielhaft für die Verteidigung und Förderung von
Menschen- und Gewerkschaftsrechten einzusetzen. Beispiele dafür sind
Raquel Castro und Samuel Morales, Lehrer und Gewerkschafterin in
Kolumbien, die im August 2004 nach einer Militäroperation verhaftet
wurden, bei der sie Zeuge der Ermordung von drei Kolleg/innen waren.
Morales wurde vor kurzem entlassen, aber die kolumbianische Regierung
verweigerte ihm die Erlaubnis, das Land zu verlassen. Castro ist nach
wie vor im Trakt für politische Gefangene des Frauengefängnisses in
Bogotá inhaftiert. Kolumbien ist eines der gefährlichsten Länder der
Welt für Gewerkschafter/innen. Amnesty International schätzt, dass in
den vergangenen 20 Jahren 4.000 Gewerkschafter/innen ermordet wurden
oder "verschwunden" sind. Die kolumbianische Menschenrechtskommission
gibt an, dass allein im vergangenen Jahr 33
Lehrergewerkschafter/innen ermordet wurden.

Die Arbeit eines Erziehers gleicht der eines Gärtners,
der verschiedene Pflanzen pflegt.
Eine Pflanze liebt den strahlenden Sonnenschein,
die andere den kühlen Schatten;
die eine liebt das Bachufer,
die andere die dürre Bergspitze.
Die eine gedeiht am besten auf sandigem Boden,
die andere im fetten Lehm.
Jede muss die ihrer Art angemessene Pflege haben,
anderenfalls bleibt ihre Vollendung unbefriedigend.
Abbas Effendi

Walter RIEGLER, Vorsitzender der ARGE-Lehrer in der GÖD

Rückfragehinweis:
Walter Riegler, Vorsitzender der ARGE-Lehrer
Tel.: 0664/40 39 473

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