• 28.09.2007, 12:21:59
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Konflikt um Elektronische Gesundheitsakte hält an

Ärztekammer kritisiert "elektronische Spielerei" - Lückenlose Protokollierung der Zugriffe soll Datenschutz gewährleisten - Erste Ausbaustufe bis 2012 abgeschlossen

Bei der APA-E-Business-Community am Donnerstag diskutierten Experten über Chancen und Zukuft von IT im Gesundheitswesen (v.l.n.r.): Theresa Philippi (ARGE ELGA), Claudia Maurer (Kapsch), Wolfgang Leindecker (NextiraOne Austria), Gerhard Holler (Österreichische Ärztekammer), Peter Hermann (Microsoft Österreich) und Manfred Moser (Hewlett-Packard).

Wien (OTS) - Die "Elektronische Gesundheitsakte" (ELGA), in der
künftig die medizinischen Daten der Österreicher gespeichert werden
sollen, erhitzt weiter die Gemüter. Während Befürworter durch den
Einzug von Informationstechnologie ins Gesundheitswesen deutliche
Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen erwarten, sieht die
Ärztekammer in der Gesundheitsakte eine "Spielerei", die noch hohe
Ausgaben nach sich ziehen wird. Entsprechend unterschiedlich waren
die Positionen bei einer Podiumsdiskussion der
APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.

"In den Krankenhäusern und im Sozialversicherungsbereich gibt es
ja schon Mini-ELGAs. Jetzt geht es um die Vernetzung und
entsprechende Zugriffsmöglichkeiten", erklärte Theresa Philippi,
stellvertretende Programm-Managerin der ARGE ELGA, die für die
Einführung der Elektronischen Gesundheitsakte zuständig ist. Entgegen
den von der Ärztekammer prognostizierten Einführungskosten von 30
Mrd. Euro gehe man von einem Investitionsbedarf von rund 30 Mio. Euro
in der ersten Umsetzungsphase von 2007 bis 2012 aus.
Ärztekammer-Präsident Walter Dorner hatte im Sommer noch befürchtet,
dass die ELGA auf dem Weg zum "Eurofighter des Gesundheitswesens"
sei.

Die Österreicher könnten ihre Gesundheitsinformationen - also
Diagnosen, Befunde und Krankheitsverläufe - künftig über ein
Internetportal abrufen, indem sie sich per E-Card oder eine andere
Bürgerkarte anmelden, so Philippi. Die Patientenakte soll aber
beispielsweise auch ausländische Studenten oder Touristen umfassen,
wenn sie in Österreich behandelt werden. Weiters müsse man für ältere
oder weniger technikaffine Personen das Zugriffsrecht auf die eigenen
Daten gewährleisten, stellte die Managerin fest. Wie man das konkret
umsetzen könnte, sei allerdings noch nicht klar. Durch Standards
könne auch eine zukünftige internationale Anbindung ermöglicht
werden. "Das heißt aber nicht, dass der griechische Arzt im Fall der
Fälle unbedingt Deutsch kann", so Philippi.

"Die Ärzte sind alles andere als vom Zusatznutzen überzeugt,
überhaupt bei den enormen Kosten, die ELGA verursacht. Für uns ist
das überspitzt formuliert eine elektronische Spielerei", kritisierte
hingegen Gerhard Holler, stellvertretender Kammeramtsdirektor bei der
Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Besondere Sorge bereitet ihm der
Eingriff in die ärztliche Verschwiegenheitspflicht. "Und wenn eines
Tages die Lebensversicherung einen vollständigen ELGA-Auszug vom
Bürger verlangt, wird es noch viele Probleme geben", so Holler.

Datenschutz und -sicherheit könnten mit ELGA gegenüber der
derzeitigen Praxis sogar verbessert werden, entgegnete Philippi.
Wichtig sei die lückenlose Protokollierung der Zugriffe und die
Nachvollziehbarkeit durch die Patienten, wer was wann abgerufen hat.
Außerdem gebe es Register für Willenserklärungen der Bürger, durch
die dem man bestimmte Dokumente für Ärzte oder Apotheker sperren
kann. Dies sei ein wesentliches Element der Patientenautonomie, auch
wenn man dafür erst ein Konzept erarbeiten müsse.

Zentral werde nur die Information gespeichert, wo die einzelnen
Daten - wie etwa Befunde oder Röntgenbilder - zu finden sind. Die für
die Behandlung relevanten Dokumente seien weiterhin dezentral bei den
Krankenhäusern und in Zukunft auch bei den niedergelassenen Ärzten
abgelegt. Derzeit gebe es aber noch ein gewisses Spannungsverhältnis
zwischen dem Datenschutzgesetz und Speicherungs- bzw.
Dokumentationspflichten. Die erste Ausbaustufe für ELGA soll bis 2012
abgeschlossen sein. Philippi ließ zudem anklingen, dass letztendlich
eine Betreibergesellschaft ähnlich der Telekom-Control-Kommission die
Verantwortung für ELGA übernehmen könnte.

Zurzeit sehe die Kammer eher einen Nutzen für IT-Firmen als für
Patienten und Ärzte. "Wenn man von einem digitalen Schub für das
Gesundheitswesen durch ELGA spricht, kann ich nur sagen, dass wir
ohnehin schon die zweite Stufe der Trägerrakete IT gezündet haben",
gab sich Holler überzeugt. Dass Ärzte Probleme mit neuen Technologien
hätten, werde nur in den Medien so dargestellt. "Von den 5.000
niedergelassenen Ärzten, die bereits miteinander vernetzt sind,
werden jährlich rund sechs Millionen Befunde elektronisch verschickt.
Wir sind der Vollversorgung schon recht nahe", so der
Kammervertreter.

Neben ELGA würde es im Bereich E-Health aber noch viele weitere
Anwendungsmöglichkeiten geben, um die Abläufe zu verbessern und die
Qualität der Behandlung und Pflege zu steigern, ergänzte Manfred
Moser von Hewlett-Packard. Mit den vorhandenen technischen und
organisatorischen Mitteln könnten alle derzeitigen Anforderungen an
Datenschutz und -sicherheit erfüllt werden, gab sich Moser überzeugt.
Die Kunst sei, zu definieren, wer in dem System was abrufen dürfe.

Beim Datenschutz sollten alle Betreiber die Berechtigungen so
genau planen wie die ARGE ELGA, wünscht sich Wolfgang Leindecker von
NextiraOne Austria. "Im Vergleich dazu gibt es beispielweise beim
Melderegister einen absoluten Wildwuchs." Wichtig sei, dass der Staat
nicht in alles Einblick habe. Außerdem sei eine Vereinheitlichung der
Systeme notwendig. "Wenn jedes Krankenhaus eine andere Steckdosennorm
hätte, wäre das auch nicht sinnvoll", sagte Leindecker.

Der Erfolg von ELGA werde maßgeblich von der Akzeptanz abhängen
und davon, ob man den Nutzern die Ängste bezüglich Datenschutz nehmen
kann, prophezeite Peter Hermann von Microsoft Österreich. "Die
Gesundheitsakte schafft die Grundvoraussetzungen, dann soll der freie
Wettbewerb entscheiden. Die Ausrichtung auf internationale Standards
halte ich deshalb für sehr gut", so der Manager. Natürlich wolle
Microsoft dabei eine aktive Rolle spielen.

"ELGA ist der Katalysator für das gesamte Gesundheitswesen, bewegt
das starre System und trägt zur Neugestaltung bei. Allerdings wird
das Jahre dauern", prognostizierte Claudia Maurer von Kapsch. In
Summe könnten E-Health-Maßnahmen sowohl auf nationaler als auch auf
internationaler Basis dazu beitragen, dem Patienten mehr Zeit,
Ressourcen und Leistungen zuzuführen.

Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:

- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com
   - Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com
   - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc     
   - DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at 
   - Direct Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at       
   - economyaustria www.economyaustria.at                   
   - Gentics Sofware GmbH www.gentics.com                   
   - Hewlett Packard www.hp.com/at                          
   - IT Solution GmbH www.itsolution.at                     
   - Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net                    
   - Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria         
   - NextiraOne www.nextiraone.at                           
   - SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at               
   - T-Mobile Austria www.t-mobile.at                       
   - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at                
   - APA-MultiMedia multimedia.apa.at

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sowie im APA-OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
http://ebc.apa.at

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