- 24.09.2007, 20:50:08
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie beim Uni-Zugang Slogans mit der Realität kollidieren" (Norbert Swoboda)
Ausgabe vom 25.09.2007
Graz (OTS) - Minister Johannes Hahn hat sich also entschieden: Das
Provisorium von Zugangsbeschränkungen samt Ausländerquote für acht
Fächer wie Medizin und Biologie wird weiter verlängert.
Der Minister wurstelt also weiter und wartet erst einmal ab, was der
Europäische Gerichtshof sagt. Von dort drohen Beugestrafen.
Wie sollte aber ein großer Wurf aussehen? Tatsächlich stecken der
Minister und mit ihm Österreich und die EU in einem gewaltigen
Dilemma.
Drei Leitwerte, die jeder für sich gut klingen, prallen in der
Realität aufeinander.
In der Begeisterung nach der Kreisky'schen Bildungsöffnung wurde auf
jede Lenkungs- und Steuerungsmaßnahme verzichtet. Jeder Maturant
sollte nach Lust und Laune inskribieren dürfen. Dieses Schlagwort vom
freien Hochschulzugang bedeutet aber oft den freien Fall in die
Arbeitslosigkeit.
Die Blanko-Eintrittskarte Maturazeugnis führt zu Modestudien, die
sich der Studenten kaum erwehren können. In überfüllten Seminaren
findet nur ein Zerrbild einer Uni-Ausbildung statt.
Die Rektoren hätten das unter dem Stichwort "Qualität" gerne
umgekehrt. Sie hätten gerne wenige Studenten und da am liebsten nur
die allerbesten. Ihnen schwebt die Ausbildung zum Wissenschaftler
vor, die Studenten denken aber an einen Beruf. Jeder internationale
Vergleich zeigt zudem, dass wir zu wenige und nicht zu viele
Akademiker haben.
All dies ließ die Politik hierzulande achselzuckend passieren. Weder
wurden diese Probleme gelöst (indem man mehr Studienplätze
finanziert), noch die Ursachen angetastet.
Die EU steht nicht viel besser da. Sie tritt in das kleine Land
Österreich wie der Elefant in einen Porzellanladen. Sie will die
freie Wahl des Studienortes durchsetzen, Protektionismus duldet sie
nicht.
Aber wir haben einen zehn Mal größeren Nachbarn, der unter Berufung
auf die Studienfreiheit punktuell unser Uni-System sprengen kann. Ein
Sonderfall, den Länder wie Tschechien oder Schweden nicht kennen. Wir
können nicht die immensen innerdeutschen Probleme mit dem Numerus
clausus lösen. Auch hier gibt es bisher bestenfalls ein Achselzucken
seitens der EU.
Doch das Dilemma ist zu vielschichtig, dass ein einziger Wurf, ein
einziger Gerichtsentscheid alle Probleme beseitigen könnte. Die
Politik - in Wien, in Brüssel, an den Unis - muss sich endlich
zusammensetzen und ohne Scheuklappen flexible Lösungen finden.
Durchwursteln also - aber das mit Kraft und Leidenschaft. ****
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