"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie beim Uni-Zugang Slogans mit der Realität kollidieren" (Norbert Swoboda)

Ausgabe vom 25.09.2007

Graz (OTS) - Minister Johannes Hahn hat sich also entschieden: Das Provisorium von Zugangsbeschränkungen samt Ausländerquote für acht Fächer wie Medizin und Biologie wird weiter verlängert.

Der Minister wurstelt also weiter und wartet erst einmal ab, was der Europäische Gerichtshof sagt. Von dort drohen Beugestrafen.

Wie sollte aber ein großer Wurf aussehen? Tatsächlich stecken der Minister und mit ihm Österreich und die EU in einem gewaltigen Dilemma.

Drei Leitwerte, die jeder für sich gut klingen, prallen in der Realität aufeinander.

In der Begeisterung nach der Kreisky'schen Bildungsöffnung wurde auf jede Lenkungs- und Steuerungsmaßnahme verzichtet. Jeder Maturant sollte nach Lust und Laune inskribieren dürfen. Dieses Schlagwort vom freien Hochschulzugang bedeutet aber oft den freien Fall in die Arbeitslosigkeit.

Die Blanko-Eintrittskarte Maturazeugnis führt zu Modestudien, die sich der Studenten kaum erwehren können. In überfüllten Seminaren findet nur ein Zerrbild einer Uni-Ausbildung statt.

Die Rektoren hätten das unter dem Stichwort "Qualität" gerne umgekehrt. Sie hätten gerne wenige Studenten und da am liebsten nur die allerbesten. Ihnen schwebt die Ausbildung zum Wissenschaftler vor, die Studenten denken aber an einen Beruf. Jeder internationale Vergleich zeigt zudem, dass wir zu wenige und nicht zu viele Akademiker haben.

All dies ließ die Politik hierzulande achselzuckend passieren. Weder wurden diese Probleme gelöst (indem man mehr Studienplätze finanziert), noch die Ursachen angetastet.

Die EU steht nicht viel besser da. Sie tritt in das kleine Land Österreich wie der Elefant in einen Porzellanladen. Sie will die freie Wahl des Studienortes durchsetzen, Protektionismus duldet sie nicht.

Aber wir haben einen zehn Mal größeren Nachbarn, der unter Berufung auf die Studienfreiheit punktuell unser Uni-System sprengen kann. Ein Sonderfall, den Länder wie Tschechien oder Schweden nicht kennen. Wir können nicht die immensen innerdeutschen Probleme mit dem Numerus clausus lösen. Auch hier gibt es bisher bestenfalls ein Achselzucken seitens der EU.

Doch das Dilemma ist zu vielschichtig, dass ein einziger Wurf, ein einziger Gerichtsentscheid alle Probleme beseitigen könnte. Die Politik - in Wien, in Brüssel, an den Unis - muss sich endlich zusammensetzen und ohne Scheuklappen flexible Lösungen finden.

Durchwursteln also - aber das mit Kraft und Leidenschaft. ****

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