• 21.09.2007, 09:00:00
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"trend/Bestseller": Grabner empfiehlt Mediaprint Erweiterung

Für den Printbeauftragten der Raiffeisengruppe, Michael Grabner, ist eine Erweiterung der Mediaprint-Produktpalette unumgänglich und die Kritik am ORF unberechtigt

Wien (OTS) - Die Mediaprint müsse neue Produkte auf den Markt
bringen, erklärt Michael Grabner, Printbeauftragter der
Raiffeisengruppe, in einem Interview mit dem "Medien Spezial", das
anlässlich der Österreichischen Medientage gemeinsam vom
Wirtschaftsmagazin "trend" und dem Branchenmagazin "BESTSELLER"
herausgegeben wird. Grabner: "Die Mediaprint hat sicherlich das
Potenzial, noch einige neue Produkte auf den Markt zu bringen. Ich
glaube, dass man da aus der Mediaprint in der nächsten Zeit noch
einiges erwarten kann." Sowohl bei "Krone" als auch "Kurier" gebe es
bereits einige interessante Ansätze, denn: "Um langfristig am Markt
zu bestehen, ist eine Erweiterung und Erneuerung der Produktpalette
unumgänglich." Dabei sei auch das Internet-Geschäft ein Thema, sagt
Grabner, der bis März stellvertretender Vorsitzender der
Holtzbrinck-Verlagsgruppe war und nun Raiffeisen im
Gesellschafterausschuss der Mediaprint vertritt: "Wichtig ist vor
allem der strategische Weg vom Zeitungsverlag in Richtung Medienhaus
mit einer breiten Produktpalette."
Auf die Frage, ob es ein Fehler war, die Gratis-Zeitung U-Express,
die die Mediaprint herausbrachte, wieder einzustellen, sagt
Grabner: "Sagen wir so: Alleine die Tatsache, dass ich mich jetzt
mit eigenem Geld an einer Gratiszeitung beteilige (an ".ch" in der
Schweiz; Anm.), zeigt, wo die Richtung hingeht. Und Eva Dichand macht
mit "Heute" ein sehr gutes Produkt."
Ein zweiter Anlauf sei aber nun schwierig: "Die zweite
Marktposition ist für eine Gratiszeitung schwierig. Zumal der
Großraum Wien durch die Verteilung von "Österreich" und die Tatsache,
dass sich der Sonntagsmarkt in Richtung eines Gratismarkts
entwickelt, ein sehr schwieriger Markt ist. Aber das Marktsegment
Gratistageszeitung wird nicht aufzuhalten sein."
Zu seiner Rolle bei der in den Medien vermeldeten Annäherung im
Streit zwischen Krone-Chef Hans Dichand und der WAZ erklärt Grabner:
"Möglicherweise wurde durch mein aktiveres Eintreten die Diskussionen
ein wenig versachlicht und führte dadurch zu einer gewissen
Befriedung - was auch zwingende Voraussetzung für die Umsetzung neuer
Ideen wäre."
Grabner bestätigt im "trend/BESTSELLER"-Interview, dass die
Diskussion um die von Dichand gewünschte Änderung der
Mediaprint-Gewinnverteilung von 70 zu 30 auf 90 zu zehn zu seinen
Gunsten noch nicht beendet sei. Grabner dazu: "Das ist noch Teil
eines Schiedsgerichtsverfahrens."
Zur Tageszeitung "Österreich" meint Grabner, der als guter Kenner
und Freund der Brüder Fellner gilt, dass bis zum kumulierten
Break-even "wahrscheinlich zehn Jahre" vergehen würden, "der
einfache Break-even kann vielleicht in fünf Jahren gelingen. Aber das
hätte früher einen klassischer Verleger wie Dieter von Holtzbrinck
oder Hubert Burda nicht irritiert. Durch das Internet und die so
genannten Börsenanalysten ist die Betrachtungsweise sehr kurzfristig
geworden. Durch diese Kurzatmigkeit geht schon viel verloren."
Auf die Frage, ob die Brüder Fellner "Österreich" bei einem guten
Angebot verkaufen würden, meint Grabner: "Es gibt immer wieder
jemanden, der Medien kauft." Ein internationaler Verlag käme dafür
aber momentan weniger in Frage, "aber das wird sich wieder ändern.
"Österreich" würde auch jetzt schon verkaufbar sein, wenn auch nicht
um den Preis, den sich die Herren vielleicht vorstellen."
Zu der Kritik an der ORF-Programmreform sagt Grabner, dass er die
Attacken auf den ORF "völlig unfair" empfinde: "Vom ORF will man,
dass er Reichweite und Kulturauftrag maximiert. Das geht nicht.
Genauso wie es die Zeitung von 14 bis 104 nicht geben wird, macht
kein Fernsehauftrag Sinn, der breite Massenunterhaltung und die
Übertragungen der Salzburger Festspiele abdeckt."
Die Reform sei sicherlich notwendig gewesen, so Grabner, und im
Info-Bereich auch erfolgreich, "nur, auf der ganzen Welt engagieren
sich die größten Medienkonzerne, um Sitcoms zu entwickeln. So etwas
lässt sich nicht auf die Schnelle beim Heurigen zusammenbasteln. Der
Fehler war die nicht vorhandene Demut vor der Tatsache, dass das
Erfinden eines erfolgreichen Formats dieser Art eine enorme kreative
Leistung ist. Das geht nicht so nebenbei.
Der Programmauftrag müsse aber nicht anders definiert werden:
"Wenn ich den Kulturauftrag auf breiterer Ebene ernsthaft erfüllen
möchte, dann lasse ich auch Massenunterhaltung zu, dann muss man den
Verantwortlichen aber auch zugestehen, Flops zu produzieren. Das
gehört dazu. Was falsch gemacht wurde, ist dieser Anspruch und die
Ankündigung des Größten, Besten und Wichtigsten. Wenn der ORF still
und leise angefangen hätte, "Mitten im 8en" um 16 Uhr auszuprobieren,
dann gäbe es kein Problem."

Rückfragehinweis:
trend Redaktion
Tel.: (01) 534 70/3402

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