• 20.09.2007, 17:32:31
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Islamist im O-Ton

Wien (OTS) - Das ORF-Radio präsentierte stolz ein Interview mit
einem Islamisten, einem Bekannten der seit der Vorwoche Inhaftierten.
Der ORF hat recht getan, den Mann zu interviewen. Sind es doch nur
engstirnige, geistig noch vor der Aufklärung lebende Politagitatoren,
die den Medien vorschreiben wollen, wer dort zu Wort kommen darf.

Das Interview war auch hochinteressant, freilich weniger wegen des
Gesagten, sondern wegen des Nichtgefragten. Der Islamist beteuerte
(übrigens in druckreifem Deutsch), dass hierzulande keine Anschläge
geplant seien; etwas ganz anderes sei das freilich in Hinblick auf
jene Länder, "wo Moslems angegriffen werden".

Gleichzeitig empfahl er Österreich, sich "neutral" zu verhalten
und seine (wenigen) Exponenten aus Afghanistan abzuziehen.

Nicht thematisiert wurde die in diesen Aussagen versteckte
Provokation: Dass es also zwar zulässig wäre, wenn solche Wirrköpfe
von Österreich aus bewaffnete Aktionen gegen fremde Staaten
initiieren. Dass es hingegen angeblich neutralitätswidrig wäre, wenn
der Staat selbst Aktionen der internationalen Gemeinschaft an der
Seite einer gewählten Regierung gegen die armen "angegriffenen"
Terroristen unterstützt.

Statt diesen Widerspruch aufzuzeigen, sagte der ORF-Moderator zur
scheinbaren Beruhigung: Außerdem wären ja 90 Prozent der hier
lebenden Moslems für die Trennung von Kirche und Staat. Wer von der
Naivität der Political correctness nicht völlig geblendet ist, der
müsste freilich zumindest zwei Fragen stellen (abgesehen von jener
nach der zweifelhaften Seriosität der erwähnten Umfrage).

Erstens: Was ist mit den restlichen zehn Prozent (von 400.000) -
sind die irrelevant? Zweitens: Was ist dann, wenn die Moslems einmal
die größte Gruppe in Österreich bilden? Immerhin sind die Menschen ja
schon geboren, die das erleben werden, sofern die demografischen
Verschiebungen im gleichen Tempo weitergehen sollten. Und immerhin
bestätigt fast jeder schriftgelehrte Moslem, dass der Koran für
mehrheitlich islamische Länder keine Trennung von Staat und Kirche
kennt.

Aber warum soll man auch unangenehme Fragen stellen? Ist man doch
auf der Basis von Selbsttäuschung ein viel besserer Mensch. Zumindest
noch eine Zeit lang.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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