• 20.09.2007, 09:46:43
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Caritas: Landau fordert Ende des Kompetenz-Wirrwarrs in der Pflege

Experten sehen Demenzerkrankungen als große Herausforderung

Wien (OTS) - Aus Anlass des Weltalzheimertages am 21. September
wiesen Caritas Wien, Alzheimer Verbände und der Demenz-Experte des
AKH Wien, Dr. Johannes Wancata, heute bei einem Pressegespräch auf
die großen Herausforderungen in der Pflege durch die Zunahme von
Demenzerkrankungen hin. Dabei dürften auch die Angehörigen nicht
vergessen werden, für die die Notwendigkeit von Anwesenheit und
Betreuung rund um die Uhr eine enorme Belastung sei. Weitere
Maßnahmen zur Lösung der Pflegemisere seien dringend notwendig.

Rund 387.000 Menschen in Österreich beziehen Pflegegeld. Fast
100.000 Menschen leiden an einer Demenzerkrankung, ihre Zahl wird
laut Schätzungen bis 2050 auf 234.000 ansteigen. Die Alzheimer
Krankheit stellt die häufigste Demenzform dar. "Die Betreuung von
Demenzpatienten stellt für viele Angehörige eine enorme Belastung
dar, die auch körperlich und seelisch krank machen kann, wobei vor
allem psychische Erkrankungen wie Depressionen eine große Rolle
spielen. Das ist durch zahlreiche internationale, aber auch nationale
Studien belegt. Wenn wir vermeiden wollen, dass Demenzkranke
vorzeitig ins Pflegeheim müssen, werden wir mehr Hilfe und
Unterstützung für Angehörige benötigen", stellte Dr. Johannes
Wancata, Demenz-Experte des AKH Wien, klar.

Angehörige sind der größte Pflegedienst - Danke!

"80 Prozent der hilfs- und pflegebedürftigen Menschen werden von
ihren Angehörigen bzw. ihnen nahe stehenden Menschen betreut und
gepflegt. Wiederum 80 Prozent der Pflegenden sind Frauen", betonte
Caritasdirektor DDr. Michael Landau und bedankte sich für deren
aufopferungsvollen Einsatz, der auch volkswirtschaftlich nicht hoch
genug geschätzt werden könne.

"Da in den meisten Fällen die Familienangehörigen selbst jahrelang
pflegen und ausländische Kräfte gar nicht in Anspruch nehmen
(können), ist es uns ein dringendes, schon lange gefordertes
Anliegen, im Bereich der Demenzpflege diese familiären Ressourcen
besonders zu unterstützen und zu fördern", unterstrich Mag. Antonia
Croy, Vorsitzende der Alzheimer Angehörigen Austria. "Pflegende
Angehörige sind der größte und preiswerteste Pflegeanbieter im Lande.
Diese Kraft will und muss man sich erhalten. Deshalb muss alles
unternommen werden, um ihnen Last abzunehmen."

Und Prof. Lotte Tobisch, Ehrenpräsidentin der Alzheimer Liga,
ergänzte: "Alzheimer geht uns alle an. Dabei dürfen wir auch die
Angehörigen nicht vergessen! Sie brauchen unsere Hilfe. Damit diese
Hilfe auch in Anspruch genommen werden kann, müssen wir
Öffentlichkeitsarbeit leisten, damit auch möglichst viele Menschen
über das Angebot Bescheid wissen."

Landau fordert Ende des Kompetenz-Wirrwarrs

"Wir brauchen klare Zuständigkeiten und ein Ende des
Kompetenz-Wirrwarrs!" betonte der Caritasdirektor und forderte ein
zukunftsfähiges Gesamtkonzept, mit Österreich weit einheitlichen
Qualitäts-, Versorgungs- und Finanzierungsstandards. In diesem
Zusammenhang erinnerte er einmal mehr an die Caritas-Forderung nach
einem Pflegelastenausgleichsfonds analog zum
Familienlastenausgleichsfonds. Klar sei, dass schon allein aufgrund
der demografischen Entwicklung mehr Geld nötig sein wird, hier müssen
sich Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungsträger an einen
Tisch setzen und endlich Lösungen finden. "Das Thema Pflege ist zu
wichtig, um es zum Spielball parteipolitischer Interessen zu machen.
Pflege geht uns alle an!" mahnte der Caritasdirektor.

Die derzeitige Regelung der 24-Stunden-Betreuung sei nur ein
erster Schritt. Viele Betroffene und Angehörige seien jedoch
verunsichert, wüssten nicht, wie sie sich jetzt verhalten sollen, wie
es weitergehen wird. Die Caritas hat deshalb schon im Juli einen
Verein gegründet - "Rundum Zuhause betreut" - der es sich zur Aufgabe
gemacht hat, die Betroffenen zu informieren und zu beraten und sie
bei der Organisation einer legalen 24-Stunden-Betreuung zu
unterstützen.

Thema Demenz endlich ernst nehmen

Pflegebedürftigkeit ist kein individuelles, sondern ein
strukturelles Problem geworden. Da die meisten Menschen so lange wie
möglich zuhause leben wollen, benötigen wir einen flächendeckenden
und den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und Angehörigen
entsprechenden Ausbau mobiler Betreuungs- und Pflegeangebote,
außerdem mehr und leistbare teilstationäre Angebote. "Dringend
erforderlich ist eine Reform bei der Pflegegeldeinstufung für
demenzkranke Menschen. Hier müssen den Ankündigungen des zuständigen
Sozialministers endlich Taten folgen!" mahnte Landau. Konkret sind
Demenzkranke häufig in niedrigen Pflegestufen - 1 oder 2 -
eingestuft und haben deshalb keinen Anspruch auf Förderung bei der
24-Stunden-Betreuung. "Das muss sich um der Betroffenen willen
ändern! Und wir fordern in diesem Zusammenhang endlich die schon oft
eingemahnte Informationskampagne zum Thema Demenz."

Angebote der Caritas für Pflegebedürftige und Angehörige

Die Caritas ist eine der größten Anbieterinnen von Pflegediensten
in Österreich: Die Caritas der ED Wien hat 12 Senioren- und
Pflegehäuser mit etwa 1200 Plätzen in Wien und Niederösterreich, 2006
gab es über 940.400 Einsatzstunden im Bereich "Betreuen und Pflegen
Zuhause" mit dzt. 50 Sozialstationen in Wien und NÖ. Seit mehr als
drei Jahren bietet die Caritas eine kostenlose psychosoziale
Angehörigenberatung an. Dieses Angebot umfasst persönliche
Beratungsgespräche sowie das so genannte "Angehörigentelefon". Seit
Oktober 2006 bietet die Caritas auch eine Gesprächsgruppe für
Angehörige von Demenzkranken an.

Viele dieser Angebote wären ohne Unterstützung durch SpenderInnen
nicht möglich. Spenden unter PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort:
Pflegende Angehörige.

Rückfragehinweis:
Mag.a Doris Becker
Pressesprecherin Caritas der Erzdiözese Wien
Tel.: (++43-1) 87812 - 221 od. 0664/8482618
mailto:[email protected]
http://www.caritas-wien.at

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