Entlassungsmanagement der Wiener AUVA Unfallkrankenhäuser: Eine Erfolgsgeschichte seit 2006

Wien (OTS) - Das AUVA Unfallkrankenhaus Meidling hat im Jänner
2006 als erstes Unfallkrankenhaus der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt in Österreich ein professionelles Entlassungsmanagement (Case Management) für all jene Patienten eingeführt, die auf Grund der Verletzungsfolgen den Alltag allein nicht bewältigen können. Die Anzahl der Patienten, die betreut werden, ist stark im Steigen, für 2007 werden in Meidling rund 1.000 Personen erwartet. Seit Mai 2007 hat auch das zweite Wiener AUVA Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler eine Entlassungsmanagerin. Weitere AUVA Unfallkrankenhäuser sind dem Wiener Beispiel bereits gefolgt, und zwar Kalwang in der Steiermark und Salzburg.

Maria H. sitzt in ihrem Krankenzimmer im 2. Stock des AUVA Unfallkrankenhauses in Wien-Meidling, das rechte Bein von der Hüfte bis zum Knöchel eingegipst. Neben sich die gepackte Reisetasche, eine Geh-Hilfe, zwei Krücken, ein Zimmerklo. Die betagte Dame wartet auf den Heimtransport. Sie lebt allein und darf das operierte Knie noch mehrere Wochen nicht belasten. Ein typischer Fall für das im Jänner 2006 vorerst probeweise eingeführte Entlassungsmanagement. Seither hat Elisabeth Windbichler einigen Hundert Patienten den Weg zurück in den Alltag erleichtert oder die Aufnahme in ein Pflegeheim organisiert und begleitet. 2007 waren es bereits 500 Patienten, knapp 1.000 werden es wohl in diesem Jahr werden. Die hohe Akzeptanz bei den Patienten, ihren Familien, bei Stationsschwestern und Ärzten hat aus dem Probebetrieb eine stehende und bewährte Einrichtung gemacht. Seit 1. Mai 2007 hat auch das AUVA Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler mit Brigitte Paral eine Entlassungsmanagerin.

Hermine Ebner und Irene Walgram, die Pflegedienstleiterinnen der AUVA Unfallkrankenhäuser Meidling und Lorenz-Böhler, sind seit Jahren in Arbeitsgruppen zur Verbesserung des Gesundheitswesens engagiert. So lernten sie das Projekt "Patientenorientierte integrierte Krankenbetreuung - PIK" kennen, das die Kommunikation und Zusammenarbeit aller professioneller Betreuer untereinander und mit den Patienten verbessern soll. Dazu gehört das Entlassungsmanagement als wichtige Schnittstelle und Drehscheibe.

Die Einführung einer Ansprechstelle, die eine optimale Eingliederung in den Alltag bietet, bringt Vorteilen für die Betroffenen und ihre Familien, entlastet aber auch Schwestern, Pfleger und Ärzte auf den Bettenstationen. Die AUVA praktiziert diesen nahtlosen Übergang vom Unfallkrankenhaus in das Rehabilitationszentrum, nach Hause oder in eine andere Betreuungseinrichtung bei Arbeitsunfallverletzten seit vielen Jahren durch eigene Spitalsfürsorger. Die Einführung eines ganzheitlichen Entlassungsmanagements in den Wiener AUVA Unfallkrankenhäusern für andere Unfallopfer ist ein wesentlicher Fortschritt, der die Akutspitäler entlastet, damit die Kosten je Patient verringert und die Volkswirtschaft weniger belastet. Die Kehrseite dieser Medaille:
Rund 80 Prozent der Patienten haben keinen Arbeitsunfall und werden in den AUVA Unfallkrankenhäusern für andere Kostenträger behandelt. Die AUVA bekommt von diesen nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ersetzt - und zwar pro Behandlungstag auf der Station nur rund ein Viertel und für die Versorgung in einer Ambulanz lediglich zwei Drittel. Dies hat in der Bilanz der AUVA von 2006 zu einem Fehlbetrag von rund 100 Millionen Euro geführt.

Das Entlassungsmanagement hilft, die Patienten früher mit ruhigem Gewissen entlassen zu können und beugt Folgeverletzungen vor.

Die Aufgaben von Elisabeth Windbichler und Brigitte Paral sind vielfältig:

  • Beratung und Information der Patienten und ihrer Angehörigen über ambulante, teilstationäre, stationäre Betreuungsmöglichkeiten (z. B. Pflegeheim)
  • Ausarbeitung von konkreten Lösungsvorschlägen
  • Ermittlung von Art und Ausmaß des individuellen Betreuungs-, Schulungs- und Dienstleistungsbedarfs
  • Planung der Entlassung in Abstimmung mit dem multiprofessionellen Team und externen Partnern
  • Organisation der erforderlichen Heilbehelfe, Pflegehilfsmittel und Medikamente sowie Grobinformation über Finanzierungsmodalitäten
  • Organisation der räumlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen wie Wohnungsadaptierungen, Heimhilfen etc.
  • Dokumentation und Evaluierung der Entlassungsvorbereitungen.
  • Stellen diverser Anträge (Pflegegeld, Langzeit-/ Kurzzeitpflegeantrag, Rehabilitations- und Kuranträge).

Die Entlassungsmanagerinnen sind von 7:30 bis 15 Uhr (Meidling) beziehungsweise von 8 bis 16 Uhr (Lorenz Böhler) sowie nach Vereinbarung auch später zum Beispiel für Angehörige da.

Elisabeth Windbichler hatte 19 Jahre als diplomierte Krankenschwester in der Intensivstation im AUVA Unfallkrankenhaus Meidling gearbeitet und eine Ausbildung im Case-Management, ehe die 40jährige Ternitzerin (NÖ) mit dem Aufbau eines Entlassungsmanagements betraut wurde. Die Wienerin Brigitte Paral ist 1968 geboren und war als diplomierte Krankenschwester im AUVA Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler beschäftigt. Davor war sie seit 1987 auf verschiedensten Abteilungen, unter anderem auch im Langzeitpflegebereich und in der Hauskrankenpflege tätig.

Der typische Arbeitstag der Entlassungsmanagerinnen ist vom Läuten des Telefons begleitet. Auf den Bettenstationen werden Patientinnen und Patienten besucht, die von den Stationsleiterinnen vorselektiert wurden. Sobald klar ist, welche Hilfe für das Leben nach dem Krankenhausaufenthalt benötigt wird, werden die notwendigen Schritte in die Wege geleitet, Hilfsmittel wie Rollatoren - rollende Geh-Hilfen mit Korb, Sitzfläche und Bremsen - aus dem hauseigene Depot geholt, mit den Physiotherapeuten kräftigende und Gewöhnungsübungen besprochen, Behördenwege und Anträge erledigt, die Angehörigen getröstet, auf die neue Lebenssituation vorbereitet und vieles mehr.

"Die Anzahl der zu Betreuenden steigt extrem, meistens sind es ältere Menschen, die es mit den Verletzungsfolgen allein nicht mehr schaffen würden. Wenn ich zum Beispiel ein Bein nicht belasten darf, reicht ab einem gewissen Alter die Armkraft nicht mehr aus, um stehen oder gehen zu können. Krücken sind da keine Hilfe. Aber auch nicht alle Rollatoren passen, wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist," erzählt Elisabeth Windbichler. Sie hat in ihrem Büro im 2. Stock vis-a-vis vom Lift einen Vorrat an unterschiedlichen Hilfsmitteln von Windeln bis Rollator-Modellen, die die Patienten gleich erproben und mit den Physiotherapeuten üben können.

Ein wichtiger Bestandteil ihrer Aufgabe ist der Aufbau und die Pflege eines Netzwerks mit Behörden, Institutionen und Lieferanten. Nur so können die Patienten ohne Druck möglichst gut wieder hergestellt oder kann den Angehörigen bei der Suche nach Langzeitpflege- oder Heimplätzen rasch geholfen werden.

Die AUVA Landesstelle Wien im Internet: www.auva.at/wien www.auva.at/ukhmeidling, oder www.auva.at/ukhboehler .

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