Bioethanolanlage in Pischelsdorf nimmt plangemäß Probebetrieb auf

Rübenbauern: Vollbetrieb wegen hoher Getreidepreise vorerst verschoben

Wien (OTS) - Die Bioethanolanlage in Pischelsdorf steht nunmehr
vor der Fertigstellung und wird Anfang Oktober plangemäß den Testbetrieb aufnehmen, sodass die technische Abnahme erfolgen kann. Aufgrund der zurzeit auf Rekordniveau befindlichen internationalen Getreidepreise ist es aber wirtschaftlich nicht sinnvoll, nach dem bevorstehenden Testbetrieb der Bioethanolanlage in Pischelsdorf in den Vollbetrieb überzugehen. Dieser wird vorerst verschoben. Dies teilten "Die Rübenbauern", der Zusammenschluss der rund 9.000 Rübenbauern in Österreich, heute in einer Aussendung mit. Die Rübenbauern sind als Gesellschafter mit 25,1% an der Agrana Bioethanol GmbH., der Betreibergesellschaft des Ethanolwerkes, beteiligt. Der Hauptgesellschafter mit 74,9% ist die Agrana Stärke GmbH.

"Grund der Beteiligung für die Rübenbauern war einerseits die Reform der Zuckermarktordnung, die den Export von Zuckerüberschüssen nicht mehr ermöglicht. Durch witterungsbedingte Ertragsschwankungen haben wir mit der Bioethanolanlage eine sinnvolle Verwertungsmöglichkeit der Zuckerrüben außerhalb der Quote für unsere Mitglieder. Weiters war es unser Ziel, die Nachfrage nach agrarischen Rohstoffen zu verbessern und damit die Märkte und den Preis auf ein höheres Niveau zu stabilisieren", erklärte Ernst Karpfinger, Präsident der Vereinigung Die Rübenbauern.

Trockenheit und Nachfrage nach Futtergetreide treiben Getreidepreise in die Höhe

Derzeit sind die Preise für Getreide und Mais weltweit auf einem historischen Höchststand. Dieser ist laut Experten eine Folge der weltweit engen Versorgungslage, nachdem ungünstiges Wetter schwache Ernten verursachte und gleichzeitig global die Nachfrage vor allem nach Futtergetreide stark zunimmt. Alleine in der EU-27 brachte die Getreideernte 2007 15 bis 20% weniger Menge gegenüber einem Normaljahr, in Österreich waren es 10 bis 15% weniger als in einem Normaljahr. Außerdem sind die Preise nach Ansicht vieler Marktteilnehmer maßgeblich durch Spekulation branchenfremder Anleger an den internationalen Terminbörsen zusätzlich in die Höhe lizitiert worden.

Die Rübenbauern gehen davon aus, dass aufgrund des derzeitigen Preisniveaus hinkünftig die Produktion von landwirtschaftlichen Rohstoffen sowohl in der EU als auch weltweit wieder verstärkt wahrgenommen wird. Alleine die von der EU geplante Freigabe der derzeit in Österreich stillgelegten rund 90.000 ha Ackerfläche für den Anbau zur Ernte 2008 stellt ein Produktionspotenzial in der Größenordnung des Zehnfachen der für 2007 kontrahierten Anbaufläche von Ethanolweizen dar. Durch diese Produktionsanreize können sich die Preise sowohl für Rohstoffproduzenten als auch für Anlagenbetreiber in ein für beide Seiten vernünftiges Niveau einpendeln.

"Die nachhaltige Produktion von biogenen Rohstoffen für die Energieerzeugung wird jedenfalls einen dauerhaften und verlässlichen Marktanteil innerhalb der europäischen Energiequellen haben", ist Karpfinger überzeugt.

Ausbau des Kontraktanbaus von Ethanolgetreide für 2008

Ein wesentliches Element zur Stabilisierung der Märkte wird künftig ein verstärkter Kontraktanbau sein, um Nahrungsmittel, Futtermittel und Energie in ausreichender Menge und Qualität bereitzustellen.

"Für uns Rübenbauern steht fest, dass, obwohl die Bioethanolerzeugung nur einen verschwindend kleinen Prozentsatz der Getreideproduktion verarbeitet, die Erzeugung von Lebensmitteln und Futtermitteln Vorrang vor der Erzeugung biogener Rohstoffe für die Energiegewinnung hat. Zu dieser gesellschaftlichen Verantwortung stehen wir, auch wenn wir Teilhaber an der Bioethanolanlage sind", stellte Karpfinger weiters klar.

Die Getreidemengen der rund 8.000 ha (knapp 3% der gesamten Weizenfläche 2007), die über den Kontraktanbau der Ernte 2007 zur Verfügung stehen, werden jedenfalls zu den vereinbarten Preisen aufgekauft und zu Bioethanol verarbeitet.

Um die Kontraktmengen weiter auszubauen, bieten Die Rübenbauern ihren Mitgliedern auch heuer wieder für die Ernte 2008 Anbau- und Lieferverträge für Ethanolgetreide an, die mit dem Getreidehandel und Agrana vertraglich abgesichert sind. Für die Rübenbauernbetriebe gestalten sich diese Verträge besonders attraktiv und für die Ethanolanlage werden damit kalkulierbare Getreidemengen aus heimischer Produktion bereitgestellt, die zur Versorgungssicherheit der Bioethanolanlage wesentlich beitragen.
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